Erstellt am 16. Juli 2015, 07:01

von Bernhard Fenz

Wenn sich beim Fußball der Spaß aufhört. Längst wird auch im Unterhaus um Verträge, Gelder und Ablösen gestritten. In Wimpassing und Neuberg scheiterten die Vermittlungen bereits.

 |  NOEN, Erwin Wodicka / wodicka@aon.at
Heute, Mittwoch, 24 Uhr, endet die Transferzeit im Amateurfußball. Dann kehrt wieder etwas Ruhe in das Geschäft mit Spielern und Trainern ein, bei denen es längst nicht nur um den bloßen Spaß an der Sache geht.

Fußball im Unterhaus, da ist oft Geld im Spiel. Seit einigen Jahren wirft hier die Finanz und die Gebietskrankenkasse ein Auge auf das Geschäft, wo bis zu 540 Euro/Monat für Aufwendungen steuer- und sozialversicherungsfrei sind.

x  |  NOEN, zVg
Vereinsfunktionäre sehen sich aber mittlerweile auch mit einer anderen Kontrollinstanz konfrontiert.

Immer öfter wird die Spielergewerkschaft VdF (Vereinigung der Fußballer) von Spielern und Trainern kontaktiert, um Probleme aller Art zu lösen – nicht erfolgte Zahlungen, „Auffassungsunterschiede“, et cetera. Diese Fälle landen dann bei Rudolf Novotny, geschäftsführender Sekretär und Rechtsexperte der VdF.

Er sagt: „Manche spielen auf Kosten des Vereins Playstation und stellen sich eine Mannschaft zusammen, ohne die Konsequenzen miteinzubeziehen. Sobald ich aber gegen Honorar etwas verspreche, habe ich einen Vertrag.“ Eine heikle Thematik, die vor Gericht enden kann, etwa als der SV Wimpassing (mittlerweile BVZ Burgenlandliga) und Franz Wohlfahrt diesbezüglich auf keinen grünen Zweig kamen.

Stichwort Wimpassing: Die Causa Wohlfahrt

Hintergrund war laut Urteilsbegründung (die der BVZ vorliegt) eine mündliche Vereinbarung.

Der jetzige Austria-Sportdirektor und damalige Tormanntrainer des Nationalteams sei nach seiner Trainertätigkeit in Wulkaprodersdorf (Herbstsaison 2012) ab Februar 2013 als Scout aktiv gewesen und sollte beim damaligen 1. Klasse-Meister in spe eine Mannschaft für die 2. Liga Nord zusammenstellen.

x  |  NOEN, Faksimile/König
Ab Juli war dann bis 30. Juni 2014 ein Job als Trainer in Aussicht gestellt. Per „SMS“ kam von Obmann Richard Lochar Ende Mai allerdings die Info, dass der Klub Wohlfahrt als „Trainer absagen müsse“.

In der Folge wanderte die Causa zur VdF, wo Novotny den Mediator spielte, wie er erzählt: „Ich habe mich um einen Kompromiss in Form eines Vergleichs bemüht. Dann war Lochar aber telefonisch nicht mehr verfügbar, nach unzähligen Versuchen hat es gereicht – dann ist die Klage in voller Höhe erfolgt, weil ich ja dann keinen Teil einklagen kann.“

„Ich habe den Papst früher am Telefon, als so manchen Klubfunktionär. Schade, dass unsere Mediations-Versuche nicht angenommen werden.“
Rudolf Novotny von der VdF

Das Gericht gab letztlich Wohlfahrt Recht, Wimpassing musste (die Gerichtskosten nicht eingerechnet) knapp 20.000 Euro bezahlen. Novotny: „Ich finde es schade, dass unsere Versuche nicht angenommen wurden, um einen Klub vor Unheil zu bewahren.“

Gänzlich anderer Meinung ist Wimpassings Boss Richard Lochar, der heute noch „stinksauer“ über die Causa ist. „Ich glaube, es hat noch nie ein Verfahren gegeben, das mit so einem Tempo durch drei Instanzen gegangen ist, noch dazu war die Richterin mit dem Thema Amateurfußball nicht vertraut. Wir sehen uns im Recht, haben deshalb auch keinen Vergleich angenommen. Es gab nichts Schriftliches – da kann ja jeder irgendetwas erzählen. Wohlfahrt ist auch nie bei uns auf der Bank gesessen.“

Sollte es auf europäischer Ebene möglich sein, das Urteil anzufechten, so Lochar, „werden wir das auch tun“.

Stichwort Neuberg: Die Causa Plattensteiner

Ebenfalls vor Gericht endete eine andere Causa, bei der das teils schwierige Verhältnis zwischen Spieler- und Funktionärsinteresse stark zur Geltung kommt.

Der Eisenstädter Eric Plattensteiner (23), mittlerweile bei Ostliga-Aufsteiger Ebreichsdorf und das letzte halbe Jahr in Neusiedl engagiert, wechselte im Winter von Neuberg in die Seestadt. Der Transfer zog sich aber in die Länge.

Novotny, der mit dem Fall betraut ist: „Das letzte Gehalt war noch ausständig, woraufhin wir uns um eine gute Lösung bemüht haben. Er sollte darauf verzichten, Neuberg sollte ihn dann freigeben – weil ja ohnehin ausgemacht war, dass er im Fall einer sportlichen oder geographischen Verbesserung gehen dürfe.“

„Eigentlich bräuchten die Vereine eine Vertretung, das fordere ich schon seit längerem.“
Neuberg-Obmann Martin Konrad geht die Spielervertretung zu weit.

Letztlich unterschrieb Plattensteiner den Verzicht, Neuberg forderte Ablöse, die der Spieler dann selbst bezahlte. Die Folge: Über die VdF wurde das letzte Gehalt sowie die Ablöse (insgesamt 1.400 Euro) eingeklagt.

„Da geht es eigentlich um Peanuts, aber so ein Verhalten ist eine Täuschung. Auf Kosten des Vereins lässt man hier ein Problem entstehen, das gar nicht da ist,“ versteht Novotny die Sache nach wie vor nicht. Nachsatz: „Wenn ich einen Spieler vertrete und einen Kompromiss aushandle, hat der zu halten.“

Ganz anders sieht Martin Konrad, Obmann des SV Neuberg, die Sache: „Der Spieler hat für ein Jahr unterschrieben und sich verpflichtet, dann kann ich auch eine Kleinigkeit verlangen. Das alles geht in eine komplett falsche Richtung. Eigentlich bräuchten die Vereine eine entsprechende Vertretung, das fordere ich schon seit längerem.“

Eric Plattensteiner ist wiederum „froh über die VdF-Hilfe, weil ich dadurch Rechtsschutz erhalten habe.“ Das Gericht gab ihm Recht, der Betrag wird nun exekutiert.

Stichwort Stinatz: Die Legionärs-Causa

Sportlich hat der ASKÖ Stinatz mit der BVZ Burgenlandliga weit bessere Zeiten hinter sich, mittlerweile sind die Südburgenländer aus der 2. Liga in die 1. Klasse abgestiegen. Das ist aber das geringste Problem – fordern doch ehemals engagierte Legionäre (Juro Pejic, Sandi Hudurovic, Ivo Begic), die laut Novotny ihr Geld nicht erhielten und im Winter den Klub verlassen haben, nun ebendies über die Gewerkschaft ein.

Novotny: „Ich habe einen Vergleichsvorschlag in Raten ausgearbeitet, mit dem die Spieler schon zufrieden wären. Gleichzeitig mache ich aber auf die Folgen einer gerichtlichen Auseinandersetzung aufmerksam.“

Dann könnten plötzlich die vollen ausständigen Beträge – und zwar nicht bis Winter, sondern bis Juni 2015 – fällig werden. Den Weg vor ein Gericht zieht Novotny ernsthaft in Erwägung – Stichwort fehlende Erreichbarkeit der Klubverantwortlichen. „Ist etwas unangenehm, hofft man, das Problem durch Untätigkeit zu erledigen. Das funktioniert aber nicht.“

Der zuständige Sektionsleiter Viktor Kirisits wiederum will die Sache mit der Gewerkschaft aus der Welt räumen, bevor Schlimmeres droht. Hier spricht er den Vergleichsvorschlag an: „Wir haben etwas ausgemacht und werden es auch erledigen.“

„Man darf sich nicht wundern“

Dass, wie kolportiert wird, weitere Spieler offene Forderungen haben könnten, sei laut Kirisits „blöde Rederei. Wir zahlen an sich pünktlich, manchmal ist das Verhalten der Spieler aber auch nicht korrekt, die haben Narrenfreiheit.“

Stinatz selbst habe im Zuge der Transferzeit zwar wieder neue Legionäre verpflichtet, aber nur, „weil wir erfahrene Kicker an die Seite der Einheimischen stellen wollen. Das ist unser Ziel, künftig mehr Eigene spielen zu lassen – jetzt muss auch die Jugend Farbe bekennen.“

Was diese drei burgenländischen Fälle verbindet? Aus Sicht von Rudolf Novotny hätte es nicht soweit kommen brauchen, dass ein Gericht entscheiden muss oder womöglich noch entscheidet. „Man soll unsere Mediations-Versuche annehmen. Ich verteidige Spieler nicht uneingeschränkt. Aber wenn ein Dienstverhältnis eingegangen wird, gibt es Rechte und Pflichten. Dann darf man sich nicht wundern, wenn ein Spieler auch sein Geld haben möchte.“