Erstellt am 15. Dezember 2010, 00:00

„Werde mich nicht mehr nur auf den Sport fokussieren“. RADSPORT / René Haselbacher spricht im BVZ-Interview über die kommende Saison: Der Unterwarter will vermehrt Mountainbike fahren und sich für die Zeit danach rüsten.

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VON DANIEL FENZ

BVZ: Sie befinden sich derzeit wieder einmal in Südafrika. Haben Sie Ihren Hauptwohnsitz bereits dorthin verlegt?

Rene Haselbacher: Bis dato lebe ich in Österreich und Südafrika. Die letzten Jahre war es ausgeglichen. Meine Familie lebt in Südafrika und ich trainiere dort. Die Rennen habe ich jedoch immer in Europa bestritten. Ich bin immer der Sonne nachgeflogen.

BVZ: Im Oktober haben Sie den Vertrag mit Corratec gelöst. Haben Sie schon ein neues Team?

Haselbacher: Für das kommende Jahr ist noch alles offen. Derzeit kann ich noch nicht sagen, wohin es mich zieht.

BVZ: Im November wagten Sie den Start beim längsten und härtesten Mountainbike-Rennen der Welt in Australien. Was waren Ihre Beweggründe, die „Crocodile Trophy“ in Angriff zu nehmen?

Haselbacher: Ich bin seit 2009 ein großer Mountainbike-Fan. Da ich die vergangenen 18 Jahre nur auf der Straße gefahren bin, wollte ich etwas Neues ausprobieren. Mountainbike fasziniert mich sehr, denn hier vergehen sechs Stunden viel schneller als auf der Straße. Nachdem „Corratec“ die Lizenz verloren und ich mich vom Team getrennt hatte, war schließlich klar, dass ich bei der „Crocodile Trophy 2010“ teilnehme.

BVZ: Welche Eindrücke haben Sie mitgenommen? Begegneten Sie auch Krokodilen …?

Haselbacher: Natürlich begegnete ich auch Krokodilen. Faszinierend war für mich, dass ich seit meinem Kindesalter wieder gezeltet habe. Fantastisch. Aufstehen, und dann sofort mit dem Radgewand in den Fluss zu springen, das war absolut genial für mich.

BVZ: Österreichs „Mister Hitparade“ Udo Huber war ebenfalls am Start. Gab es ein Treffen?

Haselbacher: Wir begegneten uns bereits bei der Nummernausgabe einen Tag vor der Trophy – ich ziehe den Hut vor ihm.

BVZ: Sie wurden im September 33 Jahre alt. Wie lange bleiben Sie noch im Radsportzirkus?

Haselbacher: Mit 33 Jahren wird es wohl irgendwann einmal zum Ende kommen. Das könnte schon im nächsten Jahr sein. Vielleicht fahre ich noch weiter. Fix ist jedoch, dass ich mich nicht mehr in einem „Pro-Tour-Team“ wiederfinden werde. Vielleicht nehme ich 2011 auch mehr Mountainbike-Rennen in Angriff. Und ich werde mich nicht mehr nur auf den Sport fokussieren. Es gibt auch ein Leben danach.

BVZ: Bedeutet das, dass Sie sich nicht mehr um einen Profi-Vertrag bemühen?

Haselbacher: In Südafrika gibt es für mich viele Möglichkeiten. Wenn ich keinen Vertrag mehr bei einem großen Team bekomme, dann wird es auch schwer sein, mich zu motivieren. Die letzten beiden Jahre waren mit einem schweren Sturz und dem Pfeifferschen Drüsenfieber durchwachsen.

BVZ: Wie sehen Ihre Pläne für die „Zeit danach“ aus?

Haselbacher: Derzeit laufen sowohl in Südafrika als auch in Österreich Gespräche. Ich möchte mir etwas aufbauen. Am Schönsten wäre es, wenn ich die Familie und die beiden Länder beruflich und privat verbinden könnte und auch noch Spaß dabei hätte.

BVZ: Würden Sie sich freuen, wenn René „junior“ einmal in Ihre Fußstapfen steigen sollte?

Haselbacher: Er ist zwei Jahre und vier Monate alt, hat bereits ein Laufrad und bewegt sich darauf hervorragend. Ich habe bereits bemerkt, dass er das Talent von mir und dem Großvater besitzt. Zwar würde ich mich freuen, wenn er in meine Fußstapfen treten würde, aber es gibt ja in Südafrika auch noch andere Sportarten. Vielleicht wird er ja professioneller Rugby-Spieler …

BVZ: Ihr Vater Valentin Haselbacher war lange Zeit Ihr Mentor und Trainingspartner. Ist in den kommenden Monaten, Jahren, ein gemeinsames Rennen geplant?

Haselbacher: Ich glaube schon, dass es ein Rennen mit uns beiden geben wird. Spätestens dann, wenn ich meine Karriere endgültig beendet habe und dann mein Rad nur mehr für Hobby-Fahrten verwende.

René Haselbacher trainiert nicht nur in Südafrika. Er genießt auch die Freizeit mit Frau Suzanne (r.) und Sohn René junior.

ZVG