Erstellt am 08. Juni 2016, 11:05

von APA Red

Wiesberger freut sich auf Olympia, nur Thema Doping "nervt". Nach 112 Jahren ist Golf bei den kommenden Spielen in Rio de Janeiro wieder olympisch. Österreich wird mit zumindest zwei Vertretern beim Comeback dabei sein.

 |  NOEN, APA

Ob es sich auch noch für weitere Spieler aus Österreich ausgeht, ist offen und eher unwahrscheinlich. Dabei genügen aufgrund der Nationenbegrenzungen relativ hohe Weltranglisten-Platzierungen, um beim ersten Olympia-Golfturnier seit 1904 in die 60er-Felder zu rutschen. Bei den Herren etwa ein Ranking um 400. Bei den Damen sogar eines um 550, weil u.a. in den Top-200 der Weltrangliste rund 70 Südkoreanerinnen aufscheinen, aber höchstens vier spielen dürfen.

Deshalb machten sich einen Monat vor der Olympia-Deadline am 11. Juli auch noch Ex-Europameister Manuel Trappel sowie Nina Mühl und Sarah Schober leise Hoffnungen. Trappel bekommt diese Woche bei den Lyoness Open noch eine große Chance. Die weit kleinere Damen-Tour, die in Europa eigentlich erst nach Olympia so richtig beginnt, bietet hingegen bis Quali-Schluss deutlich weniger Turnier-Möglichkeiten. Genau genommen nur noch eine.

Als Golf 2009 wieder ins Olympia-Programm kam, hätte Österreich dank Markus Brier, Martin Wiegele, Nicole Gergely usw. bis zu vier Teilnehmer gestellt. Heute bäckt man kleinere Brötchen und hofft auf die von Matthias Schwab (21) und Emma Spitz (16) angeführte, nächste Generation. Schwab wird im Sommer 2017 Profi, Spitz, die heuer ihr erstes Profi-Turnier beinahe gewonnen hätte, will sich damit bis nach der Matura Zeit lassen.

Golf wird nach über hundert Jahren Pause in Rio erstmals wieder im Zeichen der Fünf Ringe gespielt. Vom 5. bis 21. August 2016 geht es über vier Runden im Zählwettspiel um Medaillen und eine davon zu gewinnen, ist auch Wiesbergers Vorhaben.

"Das ist das einzige Ziel, das man dort haben kann. Ich möchte Österreich in Rio so hoch wie möglich vertreten", macht der aktuell beste deutschsprachige Golfprofi kein Hehl aus seinen Ambitionen. Zumindest bei den Herren werden einige Top-Leute bei Olympia fehlen. Das liegt weniger an Zika als vielmehr am dichten Tour-Kalender und daran, dass Golf mit seinen Majors und WGC-Turnieren wichtigere und vor allem besser dotierte Highlights zu bieten hat.

"Wir Golfer sind verwöhnt mit großartigen Turnieren", gibt auch Wiesberger zu. Er hat alleine auf der Europa-Tour mehr als sechs Mio. Euro Preisgeld gewonnen, obwohl er seit dem Vorjahr auch seine US-Starts massiv ausgebaut hat.

Dass Tennis-Ass Dominic Thiem auf Rio pfeift, kann Wiesberger nachvollziehen. "Ich selbst war immer stolz, mein Land repräsentieren zu können. Aber das muss man jedem selbst überlassen. Für mich ist es jedenfalls eine schöne Vorstellung, Österreich im Medaillenspiegel nach oben zu verhelfen."

Er sei in Rio zwar sicher nicht Favorit, "aber gerade bei Olympia gibt es immer wieder Überraschungen." Dazu komme, dass bei nur 60 Startern und Absagen von Top-Spielern "die Dichte dort nicht ganz so groß sein wird wie bei Major-Turnieren."

Der Oberwarter freut sich deshalb schon sehr auf seinen ersten Olympia-Auftritt. Dass er damit im Vorfeld noch mehr Dopingtestes absolvieren muss - zuletzt in Wentworth - gehöre halt dazu. Was ihn etwas "nervt" sind die "Whereabouts", also die tägliche Bekanntgabe des Aufenthaltsortes. "Das ist doch etwas einengend, wenn du noch nie etwas damit zu tun hattest."

Gelöst wird die Situation mit Handy-App und Humor. "Weil, einschneiden tu ich eh nichts", machte der 30-jährige Golfer in Atzenbrugg bei einem PR-Termin von Sponsor Red Bull lachend klar, dass Doping für ihn kein Thema ist.

Auch Wolf muss sich mit den olympischen Spielregeln beschäftigen. Die Innsbruckerin hat im Vorjahr mit sehr guten Ergebnissen auf der Ladies European Tour (LET) nicht nur die volle Tourkarte 2016 erobert sondern auch die Basis für ihre Olympia-Teilnahme gelegt. Obwohl sie heuer noch keinen Cut auf der LET geschafft hat, wird die 27-Jährige in Rio mit dabei sein.

Teamleiter von Österreichs Golfern in Brasilien ist ÖGV-Sportdirektor Nikolaus Zitny. Der Ex-Profi unterstützt natürlich alle rot-weiß-roten Olympia-Ambitionen, sieht aber auch das größere Bild. Nämlich, dass die Verbesserung auf der jeweiligen Tour eigentlich sportlichen Vorrang haben sollte. Dem derzeit auf der Challenge-Tour engagierten Trappel würden streng genommen Auftritte auf der European Tour wie in Atzenbrugg abgesehen vom Preisgeld letztlich nur dann wirklich etwas bringen, "wenn er gewinnt".

Wiesberger hingegen kann für Rio längst planen, obwohl er sich für seine bisherige Saison höchstens eine "Zwei bis Drei" gibt, weil zu viele "Nichtgenügend" dabei waren. Er hat seine Anreise bereits einige Tage vorverlegt, um in der kurzen Lederhose ("Finde ich super") an der Eröffnung teilnehmen zu können. Wohnen wird der Golf-Millionär im Olympischen Dorf.

Zika und die brasilianischen Moskitos hat der Oberwarter zwar unter Beobachtung, das Thema bereitet ihm aber keine allzu großen Kopfzerbrechen. Zudem seien Burgenländer geübt im Mückenfangen. "Vielleicht sollte ich mich diesbezüglich gezielt zwei Wochen am Neusiedlersee vorbereiten", scherzte er.