Erstellt am 19. Februar 2014, 08:46

Wiesberger hofft auf "Durchbruch". Burgenländer hat Willen und Können, im ganz großen Golf Fuß zu fassen. Erster Österreicher bei Masters und Ryder Cup als Vision.

Nicht ganz wie erhofft ist Bernd Wiesberger ins Jahr 2014 gestartet. Nach zwei verpassten Cuts hat Österreichs erfolgreichster Golfprofi zuletzt als Neunter in Dubai aber Selbstvertrauen für den ersten ganz großen Saisonauftritt getankt. Die erstmalige Teilnahme diese Woche am WGC-World-Matchplay in Arizona ist ein richtungsweisendes Unterfangen.

Schon ziemlich lange kratzt Wiesberger an den Top 50 der Weltrangliste, die ihm die Tür in die ganz große Golfwelt öffnen würden. 2014 soll dem im Oktober 29 Jahre alt werdenden Burgenländer endlich auch dieser Durchbruch gelingen. Passieren kann dies schon diese Woche in Marana, auch wenn es "Cheeseburger" im Ritz-Carlton-GC am Dove Mountain gleich zum Auftakt mit Titelverteidiger Matt Kuchar zu tun bekam. Der Amerikaner schwächelte zuletzt aber etwas.

"Oft haben nur Kleinigkeiten zum Turniersieg gefehlt"

Wiesberger kann der erste rot-weiß-rote Profi-Golfer werden, der regelmäßig auch bei US-Majors oder im kommenden September sogar als erster Österreicher im Ryder Cup, dem traditionellen Vergleich Europa-USA, "aufteet". Der Oberwarter ist ein leidenschaftlicher Matchplay-Spieler und hat Europa-Kapitän Paul McGinley zuletzt auch beim Sieg in der Royal Trophy in Australien beeindruckt.

Der Blick zurück zeigt, dass Wiesberger 2013 zwar gegenüber 2012 (2) "nur" ein Turnier gewonnen hat, das aber gegen sein ganz großes Vorbild Ernie Els. Insgesamt hat sich der sportlich vielseitig begabte Burgenländer aber konstanter in der Spitze behauptet. Das bisher beste "Stroke-Average" seiner Karriere untermauert das.

"Ich war öfter in einer Situation, wo ich ganz vorne am Leaderbord war. Das sind Situationen, in denen man unter Druck gutes Golf spielen muss", ist der mit dem Belgier Philippe de Busschere trainierende Burgenländer deshalb mit sich zufrieden. "Oft haben nur Kleinigkeiten zum Turniersieg gefehlt."

"Hoffe auf einen weiteren Schritt auf der Sprosse der Leiter"

Bis auf Platz 52 brachte ihn das Jahr 2013, nach dem er bei knapp 2,7 Mio. Euro Karriere-Preisgeld alleine auf der Europa-Tour hält. Für die Top 50 ging es sich zwar vorerst knapp nicht aus, Wiesberger sieht das aber relativ. "Natürlich ist das schade. Aber es ist schon sehr schwer, überhaupt so weit nach vorne zu kommen. Das sind keine Gegner, die auf der Nudelsuppe dahergeschwommen kommen." Dazu komme: "Es werden nun mal mehr Weltranglisten-Punkte in Amerika ausgespielt. Umso schwerer ist es, es in Europa zu schaffen und nach oben zu kommen."

Regelmäßiger auf der US-PGA-Tour zu spielen, wäre also wichtig. Die Golf-Geschichte kennt genügend Beispiele, bei denen nach dem Erreichen von Schallmauern alle Schleusen geöffnet wurden. "Das wird man sehen, wenn es dann passiert ist", will sich Wiesberger diesbezüglich aber nicht zu sehr auf einen bestimmten Erfolg verkrampfen. "Ich hoffe auf einen weiteren Schritt auf der Sprosse der Leiter. Aber natürlich ist es wichtig dass man die Ziele, die man sich steckt, auch erreicht. Je schneller, desto besser."

Wiesberger hofft deshalb, dass es schon beim World-Matchplay der besten 64 Spieler der Welt (Tiger Woods u.a. sagten ab) gut für ihn läuft. Im Vorjahr musste er als erste Reserve wieder abreisen, diesmal war die Startberechtigung kein Problem. Der Ritz-Carlton-GC in der Wüste zwischen Phoenix und Tucson ist für den Longhitter aus Österreich maßgeschneidert. "Wenn das klappt, läuft die Saison."

"Mit den Besten der Welt messen"

Mit einem sehr guten Abschneiden könnte er sich auch als erster Österreicher für das Masters im April in Augusta qualifizieren. Der Reiters-Hotel-Pro bleibt aber selbst bei diesem Thema gelassen. "Ich muss bis dahin einfach gut spielen und zum Stichtag hoffentlich dann Top 50 sein."

Mit dem Ryder Cup 2014 und Olympia 2016 warten aber auch abseits der Tour große Aufgaben auf den Österreicher. Für Gleneagles kann er schon diese Woche wieder eine Visitenkarte abgeben. "Jeder, auch Paul (McGinley, Anm.) weiß, dass ich dort sehr gutes Golf spiele und dass ich Matchplay prinzipiell sehr gerne mag", schielt Wiesberger auf eine der drei Wild Cards. "Natürlich wird einem der Startplatz dort nicht geschenkt. Ich hoffe, jetzt aber, gut aus den Boxen zu kommen und im Herbst eine gute Nachricht zu bekommen."

"In der zweiten Garde stark aufgestellt"

Wiesberger hält also an seinen hohen Zielen fest. "Als Sportler versucht man, sich mit den Besten der Welt zu messen. Das habe ich in den vergangenen Jahren noch nicht oft genug machen können", lautet das Credo von Wiesberger. "Jetzt gilt es, sich für die größten Turniere der Welt zu qualifizieren und diese Erfahrung sammeln zu können. Es ist Teil eines Prozesses, ein besserer Spieler zu werden."

2014 der österreichische Alleinunterhalter im Welt-Golf zu sein, ist für Wiesberger "schade", aber auch absehbar gewesen. "Wir sind aber in der zweiten Garde stark aufgestellt und können bald wieder einige auf der Tour haben, wir haben die Talente", ist der Longhitter und Basketball-Fan aus Oberwart überzeugt. Sein Tipp: "Schnell lernen, anpassen, sich selbst treu bleiben und nicht zu viel nach links und rechts schauen. Auch auf der Tour spielt man nur 18 Löcher."