Erstellt am 04. Juni 2013, 14:39

Wiesberger mit "weißer Weste" zum großen Heimauftritt. Mit weißer Weste und in Hochform kommt Titelverteidiger Bernd Wiesberger zu den Lyoness Open 2013 in Atzenbrugg.

Der 27-jährige Burgenländer hat mit Platz drei in Schweden eine glänzende Generalprobe abgelegt und dort auch beim zehnten Jahresturnier 2013 den Cut geschafft. Als 61. der Weltrangliste kann Wiesberger nun beim mit einer Mio. Euro dotierten Heimspiel im Tullnerfeld als erster Österreicher den Titel verteidigen und sich auch als erster rot-weiß-roter Golfer für die US Open qualifizieren.

Dazu muss Wiesberger am Montag die Top 60 knacken, ein Top-Ten-Platz in Atzenbrugg sollte dafür reichen. Spielt die unmittelbare Konkurrenz vor allem in den USA besonders gut, könnte aber auch ein vierter Rang nötig sein. 15 geschaffte Cuts in Folge sowie die Endplatzierungen fünf (2011) und eins (2012) in Atzenbrugg unterstreichen aber, dass der Longhitter auf dem Diamond-Course von Atzenbrugg zuversichtlich am Donnerstag in die 23. Austrian-Golf-Open starten kann.

2010 war Wiesberger bei der Open-Premiere in Atzenbrugg noch gar nicht dabei, weil er damals noch in der zweiten Liga um die Startberechtigung auf der Europa-Tour kämpfte. Der seitdem steile Aufstieg des Basketball-Fans aus Oberwart hängt auch eng mit seinem Trainer Philippe de Busschere zusammen.

Seit Mitte 2011 wird Wiesberger vom Belgier gecoacht. Seitdem geht es so schnell aufwärts, dass der Österreicher mit drei Tour-Siegen, der Teilnahme am Millionen-Finale in Dubai und großen US-Turnieren, über einer Million Euro Preisgeld 2012 sowie Platz 61 in der Weltrangliste für Österreich-Bestmarken gesorgt hat.

"Phil und ich glauben an die gleichen Dinge im Golfsport. Seitdem ist viel weitergegangen", freute sich der Reites-Hotel-Pro darüber, dass ihn Busschere erstmals auch beim wichtigen Heimturnier begleiten wird.

Wiesberger steht nun an einer Schwelle, die ihm ab den Top 50 in der Weltrangliste die Tür ins ganz große Weltgolf öffnen würde. Majors und die US-PGA-Tour sind die großen Karriere-Ziele, angepeilt werden diese aber langfristig. Gedanken daran dürfen auf dem Platz keine Rolle spielen. "Sie würden blockieren", weiß Wiesberger, dem immer mehr zutrauen, im Golf Dinge zu erreichen wie Thomas Muster im Tennis oder Hermann Maier im Skifahren.

"Dorthin ist es aber noch ein weiter Weg", gab sich Wiesberger trotz seiner großen Reserven vor allem im kurzen Spiel aber zurückhaltend. "Ich habe aber immer gesagt, dass die Dinge, die ein Muster erreicht hat, nicht hoch genug eingeschätzt werden können. Das wäre von der Breite her so, also ob ich ein Major gewinne und die Nummer eins im Weltgolf wäre", verneigte sich der Golfprofi. "Aber alleine wie sie auch mit Entbehrungen, Rückschlägen oder Verletzungen umgegangen sind, machen Tom und Hermann zu Vorbildern."

Kennengelernt hatte Wiesberger seinen Coach Busschere in der Krise. Der Belgier begann die Zusammenarbeit dennoch mit der kecken Forderung, in fünf Jahren ein "Green Jacket" zu holen. Ein Sieg beim Masters in Augusta steht seitdem natürlich mehr als Synonym, denn gedacht wird bei den beiden langfristig, großräumig und effizient.

Wiesberger hat mit Busscheres hoch gegriffenem Ziel keine Probleme. "Wenn man sich als Sportler keine Ziele setzt, wird man nichts erreichen. Und im Golf kann man sehr lange auf hohem Niveau spielen, also habe ich dafür ja Zeit", relativierte er zwar, setzte aber auch gleich schmunzelnd nach: "Man muss ja nicht unbedingt so lange warten. Ich will ja nicht ewig auf 60 stehen."

Effizienz herrscht auch beim verbalen Coaching. "Zwei Sätze müssen genügen, alles andere schafft nur Konfusion", hält sich Busschere deshalb bei seinen Erklärungen kurz. "Bernd hat noch enorm viel Zeit. Ein Ernie Els ist 43, Miguel Angel Jimenez (spielt nach Beinbruch ebenfalls in Atzenbrugg, Anm.) 49. Und beide verbessern sich noch immer."

Wiesberger selbst will sich deshalb diese Woche keinen großen Druck machen. "Ich habe meine Form gut getimt und komme mit einem Hoch zur Titelverteidigung", gab er sich abgeklärt. "Wenn ich weiter gut spiele, wird es ohnehin passen", versuchte er sich von der großen Chance abzulenken. "Natürlich gilt es jetzt, eine Punktemarke zu knacken. Wenn es klappt, sitze ich am Montag um 7.00 Uhr im Flieger."