Erstellt am 18. Dezember 2012, 10:29

„Wir haben einen Pflock eingeschlagen“. Regionalliga/Bundesliga | Das ÖFB-Präsidium beschloss den Direktaufstieg ab 2014/2015. BFV-Boss Gerhard Milletich gefällt das.

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Der oberste Funktionär unseres Verbands trug schließlich bei der Sitzung am vergangenen Freitag mit seiner Stimme einen Teil dazu bei, dass sich innerhalb des Präsidiums eine Mehrheit bilden konnte. Die Allianz der Landespräsidenten (in der Vergangenheit waren sich die Verbands-Chefs in dieser Frage nicht immer einig) setzte sich letztlich gegen die Stimmen der Bundesliga durch und erzwang so das Ende der Relegation.

Drei Aufsteiger und noch kein passendes Format

Konkret wurde beschlossen, dass es ab der Saison 2014/2015 wieder den Direktaufstieg geben soll. Ob und wie die Bundesliga ihr Format in der zweithöchsten Liga diesem Beschluss anpassen wird, ist die spannende Frage.

Denn den abgesegneten Weg der Bundesliga-Präsidentenkonferenz einen Tag zuvor, wonach die Zehnerliga bleibt, dafür aber die Zahl der Fixabsteiger auf zwei erhöht werde (unter der Bedingung, dass darunter die drei Regionalligen auf zwei reduziert werden) lehnte die Mehrheit im ÖFB-Präsidium ab.

Ergo geht es nun darum, wie die Bundesliga mit drei Aufsteigern – so viele wird es nach jetzigem Stand aus den drei Regionalligen geben – umgehen wird.

Ändert die Bundesliga, oder verschärft sie?

Die Bandbreite der Spekulationen ist groß. Denn eine Aufstockung der Ersten Liga (12, 16) ist nur die eine Seite.
Vielmehr ist auch gut möglich, dass die Bundesliga die Zehnerliga beibehält – und mit verschärften Lizenzierungsbestimmungen dem jetzigen Säbelrasseln des ÖFB einfach beinhart kontert.

Das könnte so aussehen: Nach wie vor ist den Amateurmannschaften der Oberhaus-Vereine der Aufstieg in die Erste Liga verwehrt – mehr als die Regionalliga geht nicht. Rauf darf nur, wer bester oder zweitbester Nichtamateur-Verein ist. Würde also den beiden besten Nichtamateur-Mannschaften die Lizenz verweigert werden (bei verschärften Bestimmungen kein unwahrscheinliches Szenario), gäbe es in dieser Saison definitiv auch keinen Aufsteiger.

Bundesliga-Vorstand Georg Pangl (er ist ein Verfechter des aktuellen Zehnerliga-Formats) sieht die Situation jedenfalls „total entspannt“ – auch wenn der Stotzinger zugab: „Es kann nicht sein, dass der ÖFB gegen unseren Willen vordiktiert, was in der Bundesliga zu geschehen hat. Es müssen die Emotionen raus und es wird bezüglich der Umsetzung weitere Gespräche geben. Ziel muss ein Konsens sein.“ Dass sich beim Thema Aufstieg sowohl der ÖFB, als auch die Bundesliga in der Vergangenheit zu wenig bewegten, bestätigte aber auch der Bundesliga-Vorstand: „Beide Seiten waren sicher nicht flexibel genug.“

Wirtschaftlichkeit gegen Sportlichkeit?

Anders als Pangl sieht Verbands-Präsident Gerhard Milletich nun die Bundesliga in der Pflicht. Er selbst habe, so wie die meisten seiner Verbands-Kollegen, eine klare Liga-Vorstellung: „Eine Aufstockung der Ersten Liga von 10 auf 16 Klubs inklusive der Öffnung für die Amateur-Mannschaften der Bundesligisten ist die beste Lösung.“

Weder das Argument der mangelnden Wirtschaftlichkeit bei 16 Klubs noch das Szenario, dass Bundesliga-Amateurteams dann gar Meister der Ersten Liga werden und der erstbeste Nichtamateur-Verein als Dritter oder Vierter in die oberste Liga aufsteigen würde, ließ der Verbandsboss und Obmann des SC/ESV Parndorf gelten: „Diese Situation habe ich ja jetzt bereits eine Stufe darunter. Würde ich den wirtschaftlichen Aspekt heranziehen, müsste ich auch sagen, dass es finanziell schwierig für den BFV ist, die Akademie mitzufinanzieren – aber es ist für den Fußball besser.“

Vor allem die sportliche Komponente zähle für Milletich: „Keiner kann mir erklären, dass es nicht besser wäre für Spieler, die um viel Geld ausgebildet werden, in einer Ersten Liga statt in der Regionalliga zu spielen. Dort haben sie eine Plattform für die Weiterentwicklung. Es ist schon rein optisch sichtbar, dass die Amateurteams der Bundesligisten raufdrängen. Eine künstliche Barriere mit der Regionalliga einzuziehen, kann nicht richtig und nicht im Sinne des Fußballs sein.“

Seitens der Landesverbands-Präsidenten sei man jedenfalls bereit, über geeignete Formate zu sprechen und zu verhandeln. „Die Bundesliga muss sich jetzt bekennen, wie sie dieser Thematik begegnet. Wir lassen uns nur nicht mehr sagen, dass ein Direktaufstieg nicht geht. Es gibt keine Scheingefechte mehr, das ist schade um die Zeit. Stattdessen haben wir mit diesem Beschluss jetzt einmal einen Pflock eingeschlagen.“

Legionärsgrenze fiel wie erwartet

Das ÖFB-Präsidium beschloss übrigens wie erwartet (die BVZ berichtete bereits) am Freitag auch den Fall der Legionärsgrenze ab Juli 2013. Der BFV reagiert darauf bekanntlich mit der Einführung der Eigenbauspieler- und Verbandsspieler-Regelung.


Wissenswertes zum Thema
• Das ÖFB-Präsidium besteht aus den neun Landesverbänden (je eine Stimme), der Bundesliga (Mitglied des ÖFB, mit drei Stimmen) und ÖFB-Präsident Leo Windtner (eine Stimme).

• Das ÖFB-Präsidium beschloss den Direktaufstieg des jeweils besten, für die Bundesliga lizenzierten, „Nicht-Amateurvereins“ der drei Regionalligen ab der Saison 2014/2015.

• Von 2005 bis 2009 gab es bereits den Direktaufstieg in die Erste Liga (zwölf Klubs), ehe 2010 wieder die Zehnerliga und die Relegation eingeführt wurde. Dabei spielen die drei Aufstiegsanwärter der Regionalligen gemeinsam mit dem Vorletzten der Ersten Liga in Relegationsspielen zwei Plätze für die Bundesliga aus.

• Das Burgenland war in diese Thematik vor allem mit Parndorf mehrmals involviert. Nach der verlorenen Relegation gegen Gratkorn im Jahr 2004 schaffte der SC/ESV 2006 den direkten Aufstieg in die damalige Red Zac Erste Liga. Zwei Saisonen später stieg der Klub wieder ab – und scheiterte in der Folge zweimal in den Relegationsduellen gegen den WAC (2010) und gegen die Vienna (2011) am möglichen Bundesliga-Comeback.