Erstellt am 10. Juli 2013, 07:50

„Wir sind bodenständiger geworden“. Parndorf-Trainer Paul Hafner spricht über die neue Liga, über den Ausgleich abseits des Fußballs und über das Sammeln von Sympathiepunkten.

 |  NOEN, Christopher Schneeweiß.
BVZ: Seit dem erfolgreichen Relegations-Rückspiel am 7. Juni sind Sie Trainer eines Erste-Liga-Klubs. Was hat sich verändert?
Paul Hafner: Richtig realisiert habe ich alles jetzt mit dem Trainingsstart. Die Wochen davor sind schon die Telefone heiß gelaufen, speziell zwischen Sportdirektor Andi Hackstock und mir. Urlaub wäre sich heuer keiner ausgegangen, das wäre nur ungut gewesen. Schön waren natürlich die Tage nach dem Aufstieg – die Glückwünsche, das Feiern.

Merken Sie auch von den ganz normalen Abläufen her, dass Parndorf eine Liga höher spielt?
Hafner: Ja. Wir haben einen größeren Kader, da macht die Arbeit in Gruppen Sinn. Die gehören wieder vernünftig beobachtet. Sonst versäumst du was.

2006 sind Sie als Spieler mit Parndorf in die Erste Liga aufgestiegen, 2013 als Cheftrainer? Wo sehen Sie die Unterschiede?
Hafner: In letzter Konsequenz musst du als Trainer für das gerade stehen, was passiert. Daher ist die Verantwortung größer. Trotzdem haben die Spieler Unmenschliches geleistet. Sie waren es als Mannschaft, die den Aufstieg geschafft haben.

Was ist mit 2006 vergleichbar?
Hafner: Die Kameradschaft hat damals schon ganz gut gepasst, außerdem haben wir vom Charakter her ähnliche Typen. Besser vergleichbar ist es aber noch mit 2003/2004, als wir Meister wurden und in der Relegation an Gratkorn gescheitert sind. Das war eine wirklich verschworene Truppe – so wie jetzt auch.

Seit 2003 sind Sie beim SC/ESV Parndorf tätig – erst als Spieler, mittlerweile als Trainer: Was macht es aus, dass Sie dem Verein schon so lange die Treue halten?
Hafner: Obmann Gerhard Milletich hat sich damals um mich bemüht – auch schon, als ich noch Innsbruck-Leihspieler bei Wattens war. Wenn man ihm dann etwas zurückgibt und beweist, dass man voll hinter dem Verein steht, dann kann so etwas passieren, dass man eben zehn Jahre lang da ist.

Spieler, Co-Trainer, 1b-Trainer, Trainer der Kampfmannschaft – trotzdem sind Sie erst 36 Jahre alt. Ist alles schnell gegangen?
Hafner: Ich hatte immer einen guten Draht zu Gerhard Milletich, zu Sportdirektor Andreas Hackstock habe ich schon seit meiner Zeit im BNZ-U18-Team Bezug. Vielleicht hat der Kontakt alles beschleunigt. Dass ich aber irgendwann Trainer werde, das habe ich schon erwartet – und daran habe ich gearbeitet. Ich will ja leben vom Fußball, denn ich bin ein Besessener.

Wie besessen sind Sie?
Hafner: Viel Zeit am Tag gibt es nicht, wo ich nicht an Fußball denke oder nicht von Fußball rede – man wird ja auch im Alltag immer wieder auf fußballbezogene Themen angesprochen.

Trotzdem braucht jeder Mensch Rückzugsgebiete, Raum für Erholung und für einen Ausgleich.
Hafner: Mittlerweile schalte ich des öfteren das Handy zu Mittag eine Stunde lang auf „Lautlos“ und schaue nicht alle fünf Minuten drauf. Das gehört jetzt dazu. Und am späteren Abend denke ich auch nicht immer nur verbissen an Fußball – da emotional zu sein, wäre auch der falsche Weg.

2006/2007 und 2007/2008 war Parndorf bereits in der Ersten Liga. Welche Fehler müssen beim zweiten Mal vermieden werden, um länger oben zu bleiben?
Hafner: Wir müssen die eingeschlagene Kontinuität erhalten und eine größere Fluktuation vermeiden. So kann das Ganze weiter wachsen.

In der Regionalliga war Ihr Team fast immer dominant. Welche Spielanlage wird eine Liga weiter oben Sinn machen?
Hafner: Wir sind keine Mannschaft, die sich von heute auf morgen plötzlich nur noch hinten reinstellen kann. Trotzdem werden wir uns etwas weiter zurückziehen müssen und mehr auf Konter spielen. Alles hängt auch davon ab, ob du auswärts oder daheim spielst, ob du gut gestartet bist und wie viele Punkte du schon am Konto hast – also vom Saisonverlauf.

Was ist sportlich der große Unterschied zur Regionalliga?
Hafner: Du wirst viel leichter bestraft. Deshalb ist es besonders wichtig, aus einer gesicherten Abwehr heraus zu agieren und weniger Fehler zu machen. An der Robustheit scheitert es bei uns nicht, wir müssen vielleicht noch ein wenig schneller werden. Nur hinten reinstellen werden wir uns jedenfalls nicht.

Stichwort Meisterschafts-Format: Die Regionalligen forderten immer schon den Direktaufstieg. In der übernächsten Saison gibt es nun zwei Fixabsteiger aus der Ersten Liga, ein Relegationsmatch bleibt aber. Finden Sie als Neo-Erstligist nach wie vor, dass ein Modus mit drei Auf- und Absteigern die beste Lösung wäre?
Hafner: Jetzt könnte ich mich bei meiner Meinung natürlich umdrehen. Trotzdem finde ich, dass der Meister – wenn er die Lizenz erhält – auch aufsteigen sollte. Dann ist es schwer anders möglich als eine 16er-Liga mit den Bundesliga-Amateurmannschaften.

Welche Platzierung streben Sie in der Ersten Liga an?
Hafner: Zwei Klubs hinter uns zu lassen ist mir schon wichtig. Das ist Aufgabe genug.

Ist Parndorf automatisch ein Abstiegskandidat?
Hafner: Wer behauptet, Parndorf hat in der Ersten Liga keine Chance, macht einen Fehler. Ich gehe davon aus, dass wir unter die ersten Acht kommen können, ohne groß zu zittern (Anm.: In dieser Saison wird noch Relegation gespielt, das heißt, der Zehnte steigt fix ab, der Neunte muss in die Entscheidungsspiele). Aber das kann man nicht leicht prognostizieren.

Wer sind für Sie die Favoriten?
Hafner: Altach und Lustenau haben etwas vor. Auch St. Pölten will einiges, wobei die Lage dort schwer einzuschätzen ist. Kapfenberg hatte ein gutes Frühjahr – und Mattersburg hat sich auch nicht verschlechtert …

Austria Lustenau daheim, Kapfenberg und Liefering auswärts, St. Pölten daheim: Wie wichtig ist die Startphase tatsächlich?
Hafner: In der Regionalliga – wenn du wirklich um den Titel mitspielen willst und von Beginn an vorne wegziehen solltest – ist der Druck in dieser Hinsicht größer. In unserem Fall macht es keinen Unterschied, ob wir in der ersten oder in der achten Runde gegen Austria Lustenau spielen. Da können wir ruhig etwas Druck wegnehmen.

Verfügt die Mannschaft über die mentale Stärke, einen schlechten Start zu verkraften?
Hafner: Das wird sich weisen. Wir haben in der abgelaufenen Saison fast keine Rückschläge hinnehmen müssen. Jetzt befinden wir uns in einer völlig neuen Liga. Da können wir uns allerdings auch neu einstellen.

Welchen Stellenwert haben die Burgenland-Derbys gegen den SV Mattersburg? Am 23. August steigt die erste Auflage im Pappelstadion, am 1. November im Heidebodenstadion.
Hafner: Für Parndorf und für die Region einen hohen. Ich glaube auch, dass Mattersburg dieses Spiel entsprechend annehmen wird.

Parndorf hat im Bezirk und der Region nicht nur Freunde. Konnte der Verein zuletzt an Sympathiepunkten zulegen?
Hafner: Wenn man die Stimmung im Schlager gegen die Austria Amateure, beim Meisterstück gegen die Admira Juniors und in der Relegation gegen Blau Weiß Linz heranzieht, hat sich gezeigt, dass wieder viele außenstehende Zuschauer kommen – und bei einem Tor aufspringen. Der Kampfgeist und der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft haben mitgerissen. Und wir sind in der Außenwirkung bodenständiger geworden.

Interview: Bernhard Fenz

Paul Hafner – zur Person
 • Geboren am 3. April 1977
• Verheiratet mit Christina, Vater zweier Töchter
• Paul Hafner ist gebürtiger Mönchhofer und lebt in Podersdorf
• Als Spieler war er nach dem Mönchhofer Nachwuchs und dem BNZ Burgenland in Klingenbach aktiv. Von dort aus wechselte er 1999 zum FC Tirol in die Bundesliga und 2000 leihweise zu Wattens in die Erste Liga. Über Untersiebenbrunn landete er schließlich 2003 beim SC/ESV Parndorf, wo er in der Verteidigung aktiv war und schließlich auch unter Trainer Kurt Garger 2006 den Direktaufstieg in die Erste Liga schaffen konnte.
• Als Trainer war Hafner von Juli 2007 an Assistent und kurzfristig auch Interims-Chefcoach, ehe er im Juni 2008 als Spielertrainer die 1b-Mannschaft betreute. Im Herbst 2011 trat er dann schließlich interimistisch die Nachfolge von Simon Knöbl an, ehe er im November offiziell Cheftrainer der Ostliga-Truppe wurde.
• In der Saison 12/13 holte er mit Parndorf den Ostliga-Titel und schaffte dann den Erste-Liga-Aufstieg.