Erstellt am 14. Dezember 2011, 00:00

WISSENSWERTES ZUM THEMA. RADSPORT / Der Zillingtaler Ex-Profi – er wurde von der nationalen Anti-Doping- Agentur (NADA) gesperrt – wird seinen Fall Anfang 2012 vor ein Zivilgericht bringen.

 |  NOEN

VON BERNHARD FENZ

Lange war es in der Causa Michael Knopf ruhig. Nun kommt wieder Bewegung in die Geschichte, die sich bislang als zäh und auch undurchsichtig erwies. Fakt ist: Der Zillingtaler steht unter Dopingverdacht und wurde nach einem Hin und Her auch von der nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) gesperrt. So weit, so klar.

Wirtschaftlicher Schaden  soll eingeklagt werden

Jetzt geht aber der 31-Jährige in die Offensive und will seinen Fall vor einem Zivilgericht behandeln lassen: „Wir werden Klage gegen die NADA einreichen, das steht einmal fest.“ Hauptpunkt wird dabei der „wirtschaftliche Schaden“ sein, der durch die Suspendierung Ende Juni 2010 entstanden ist. „Ich war super drauf, 2010 hätte ein entscheidendes Jahr werden können. Speziell durch den Wegfall der Österreich-Rundfahrt hat das einige Sponsoren betroffen. Da geht es nicht um wenig, sondern um existenzielle Geschichten.“ Nachsatz: „Dass die Suspendierung unzulässig war, haben wir ja schwarz auf weiß. Also ist der wirtschaftliche Schaden auch einklagbar.“

Vertreten wird Knopf übrigens durch Rechtsanwalt Werner Johannes Krauss: „Ich erhalte noch letzte Unterlagen, es ist aber alles im Laufen. Ein Punkt wird sich dabei auf den wirtschaftlichen Schaden stützen, der durch die nachträglich als vollkommen falsch erwiesene Suspendierung entstanden ist.“ Ein wenig dauert es also noch, Anfang 2012 sollte die Klage aber eingereicht sein.

Abgesehen davon hofft Knopf aber auch, dass die Sperre vor einem ordentlichen Gericht zum Thema werden könnte. „Im aktuellen NADA-Urteil steht: Es wird angenommen, dass ein Besitz von Dopingmitteln stattgefunden haben könnte. Zudem wurde mir der Besitz erst angelastet, nachdem die Weitergabe und die Einnahme gestrichen wurden. Wir haben glaubhafte Beweise dafür, dass wir im Recht sind. Es kann doch nicht sein, dass in einer Urteilsbegründung die Annahme zählt.“ Und: Der Faktor Zeit habe die Causa laut Knopf völlig in die Länge gezogen: „Das größte Problem war, dass nichts weitergegangen ist. Bei meinem Verfahren ist außerdem nie ein vorgeladener Zeuge erschienen, daraufhin wurde die Annahme herangezogen.“

Ob das alles überhaupt vor einem ordentlichen Gericht behandelt wird? Knopf konnte und wollte das nicht prognostizieren. „Ich weiß nicht, ob man gegen die Sperre und die Vorgänge, die dazu geführt haben, bei einem Zivilprozess vorgehen kann.“ Anwalt Krauss kann sich das schon vorstellen. Seine Einschätzung: „Die Sperre ist grotesk.“

So oder so stünde mit dem Internationalen Sportsgerichtshof CAS in Lausanne aber noch eine (sportrechtliche) Instanz aus. Diesen Gang wird der Burgenländer jedoch nicht antreten – aus Kostengründen. „Dort muss man alleine an die 20.000 Euro Kaution hinterlegen, nur um einmal ein Verfahren einzuleiten.“

„Bei der NADA glauben sie,  dass sie unantastbar sind“

Dass zumindest der wirtschaftliche Schaden für Michi Knopf einklagbar ist, davon ist er jedenfalls überzeugt: „Bei der NADA glauben die Verantwortlichen, dass sie unantastbar sind – in dieser Geschichte aber sicher nicht.“

Andreas Schwab, Geschäftsführer der NADA, bestätigte die Klage gegenüber der BVZ noch nicht („Dazu haben wir noch keine Informationen“), reagierte aber gelassen: „Wir leben in Österreich in einem Rechtsstaat, jedem Bürger soll Recht geschehen. Wenn ein Sportler meint, dass ihm Unrecht widerfahren ist, so ist es sein gutes Recht, dieses Recht auch einzuklagen.



WISSENSWERTES ZUM THEMA

Die nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) wurde am 1. Juli 2008 als GmbH mit Sitz in Wien gegründet. Per Beschluss des Anti-Doping Gesetzes vom 29. Juni 2007 hat die NADA Austria als unabhängige Dopingkontrolleinrichtung die grundsätzliche Aufgabe der Bekämpfung des Dopings im Sport auf der Grundlage internationaler Konventionen mittels Kontrolle und Prävention.

Der ehemalige Radprofi Michael Knopf (31) stand seit Ende Juni 2010 offiziell unter Doping-Verdacht. Als Basis der Anschuldigungen diente ein von der Polizei abgehörtes Telefongespräch, auf Grund dessen Knopf der Besitz, die Einnahme und die Weitergabe von Dopingmitteln vorgeworfen wurde.

Die Rechtskommission der NADA sprach darauf eine sofortige Suspendierung Knopfs aus, weshalb er auch nicht zum Saisonhöhepunkt – der Österreich-Radrundfahrt – antreten konnte.

Sieben Wochen später wurde die Suspendierung von der unabhängigen Schiedskommission in zweiter Instanz aufgehoben.

Knopf durfte wieder Rennen bestreiten, das Verfahren ging an die Rechtskommission der NADA zurück. Der Fall zog sich, nicht zuletzt, weil die geladenen Zeugen bei mehreren Sitzungen nicht erschienen waren, in die Länge.

Am 23. Februar 2011 verhängte die NADA-Rechtskommission eine Sperre von vier Jahren wegen Weitergabe von Dopingmitteln. Die Sperre begann mit 28. Juni 2010.

Am 25. Juli bestätigte die unabhängige Schiedskommission die Sperre, reduzierte die Dauer auf drei Jahre – allerdings mit Beginn am 21. Februar 2011. Laut Knopf wurde ihm dabei nicht mehr die Weitergabe, sondern der Besitz von Dopingmitteln angelastet. Die Sperre endet jedenfalls unter Einrechnung der Suspendierung am 6. Jänner 2014.