Erstellt am 29. Februar 2012, 00:00

WISSENSWERTES ZUR HAUPTVERSAMMLUNG. NOCH-PRÄSIDENT / Fußballverbands-Boss Karl Kaplan (69) spricht über seinen nahenden Abgang, seinen Nachfolger und seinen Arbeitsnachweis.

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VON BERNHARD FENZ

BVZ: Sie treten am Samstag als BFV-Präsident ab – wehmütig?

Kaplan: Nein. Ich sage: Man soll gehen, wenn es am schönsten ist. Jetzt ist es am schönsten, also höre ich jetzt auch auf.

BVZ: Der Wahlvorschlag für den neuen Vorstand steht fest: Wird die Hauptversammlung tatsächlich auch harmonisch?

Kaplan: Das ist mein Bestreben. Darum habe ich auch schon vor einem Jahr bei einem Interview in der BVZ angekündigt, dass ich nicht mehr kandidiere – es war also möglich, alles zeitgemäß und in Ruhe vorzubereiten.

BVZ: Wie bewerten Sie Gerhard Milletich als künftigen Präsidenten des Verbandes?

Kaplan: Er ist fachlich qualifiziert und wird den BFV in den nächsten vier Jahren sicher auch in meinem Sinne weiterführen.

BVZ: Trotzdem: Wie schwierig wird es Milletich angesichts seiner Doppelfunktion als BFV-Boss und Parndorf-Obmann bei den Vereinen haben?

Kaplan: Natürlich muss man beide Funktionen voneinander trennen können. Jetzt liegt es an Milletich, zu beweisen, dass er ein guter Präsident ist. Ich traue ihm das auch ohne weiteres zu.

BVZ: Hand aufs Herz: Hätten Sie noch eine Periode angehängt, wenn sich partout kein Nachfolger gefunden hätte?

Kaplan: Ich schließe das nicht aus, aber in Wahrheit wäre das nicht gut gewesen. Ich hätte es nur dem Verband zuliebe gemacht.

BVZ: Ein Blick in die Zukunft: Wo besteht für den BFV besonderer Handlungsbedarf?

Kaplan: Im Sportlichen Haus gibt es sicher noch einiges zu modernisieren. Und: Die Hauptaufgabe des Verbandes wird in Zeiten wie diesen sein, den Vereinen zu helfen, um zu überleben.

BVZ: Wie gut hat sich der Verband in den acht Jahren Ihrer Amtszeit entwickelt?

Kaplan: Das sollen andere beurteilen. Wir sind sicher ein Stück weitergegangen und haben uns entwickelt. Das sichtbarste Zeichen dafür steht mit der Fußballakademie Burgenland in Mattersburg. Wir – der Verband, der SVM, das Land und die Stadt Mattersburg – haben hier das schier Unmögliche möglich gemacht. Das gefällt mir.

BVZ: Ist der finanzielle Aufwand dafür zu verantworten?

Kaplan: Wenn es keine gravierenden Änderungen bei der Sportförderung gibt, wird das für den BFV kein Problem sein. Unser Credo war immer: Die Akademie darf dem Verband nicht mehr kosten als das BNZ. Es geht sich genau aus.

BVZ: Stimmt die Stoßrichtung der Fußballakademie?

Kaplan: Ja. Zuletzt etwa haben bei den Profis des SV Mattersburg in der Bundesliga vier Kicker aus der Akademie oder dem BNZ von Beginn an gespielt. Wenn einmal zehn Akademiespieler auflaufen, gehe ich zu Fuß von Oberpullendorf nach Mattersburg. Das werde ich hoffentlich noch erleben.

BVZ: Der Präsident ist vor allem auch dazu da, um Mittel für den Verband aufzustellen. Wie viel Geld haben Sie eigentlich für den BFV aufgetrieben?

Kaplan: Über eine Million Euro – das waren lauter Gelder, die für den Nachwuchs verwendet wurden. Da habe ich auch immer ein offenes Ohr gefunden. Hier gebührt den Sponsoren ein großes Dankeschön.

BVZ: Sie sind ab Samstag im Ruhestand. Mit welchem Gefühl werden Sie künftig auf einen Fußballplatz gehen?

Kaplan: Entspannt, völlig locker und mit großer Freude – ich habe ja keine Verantwortung mehr.

Samstag, 9.30 Uhr, im Festsaal der Wirtschaftskammer/Eisenstadt

Das ist der offizielle Wahlvorschlag des Wahlausschusses:

Präsident: Gerhard Milletich

Vizepräsidenten: Ernst Gangl (Nord), Gerald Hüller (Mitte),

Konrad Renner (Süd)

Verbandskapitän: Manfred Luisser

Schriftführer: Alfred Lehner

Referenten:

Finanzen: Norbert Pleyer

Beglaubigung: Rainer Hack

Jugend: Gabriele Pinter

Frauenfußball: Irmgard Kneisz

Schiriobmann: Günter Benkö

STRUMA-Obmann: Nikolaus Sauer

Rechnungsprüfer: Werner Brenner, Josef Supper, Robert Welleschütz

Der bisherige Vizepräsident (Gruppe Nord) Gerhard Milletich wird künftig durch Ernst Gangl ersetzt. Josef Orovits macht als Schriftführer Platz für Alfred Lehner, Rainer Hack ersetzt Johann Wohlmuth als Beglaubigungsreferenten und Irmgard Kneisz folgt Christina Bingler (ehemals Windisch) als Frauenfußballreferentin. Die restlichen Vorstandsfunktionen bleiben von der Besetzung gleich.

Ist der Wahlvorschlag quasi bereits „durch“? Ein – unwahrscheinliches – Szenario gibt es: Sollte bei der Hauptversammlung noch ein etwaiger Gegenvorschlag (oder auch nur ein Gegenkandidat für eine bestimmte Funktion) auftauchen, müsste dieser Vorschlag erst einmal schriftlich von zumindest zehn Prozent der stimmberechtigten Vereine (19 Klubs) unterstützt sein, um behandelt werden zu dürfen. Dann ist vor Ort noch eine Zweidrittelmehrheit notwendig, um tatsächlich auch zu einer regulären Kampfabstimmung zu gelangen.

Karl Kaplan, wenige Tage vor seinem Abgang als BFV-Präsident, entspannt und locker.

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