Erstellt am 11. Juli 2012, 00:00

Zwei verschiedene Welten. TIPP3 BUNDESLIGA / Martin Rodler will als Mattersburg-Profi seinen Weg gehen. Der 23-Jährige packt aber auch noch im landwirtschaftlichen Familienbetrieb mit an.

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VON BERNHARD FENZ

Es sieht authentisch aus, wenn sich Martin Rodler auf den Traktor schwingt und das Gefährt mit einem sichtlich vertrauten Reversier-Manöver aus der Garage befördert. Kein Wunder.

Ackerbau und Holzarbeiten haben den Absolventen des Sport-BORG in Hartberg immer schon begleitet. Die Familie betreibt unweit der sechseinhalbtausend-Einwohner-Stadt im 120-Seelen-Ortsteil Siebenbrunn eine steirische Nebenerwerbs-Landwirtschaft mit Zuckerrüben, Kürbis, Weizen sowie einer Holzverarbeitung. Vor allem seit Martin Rodlers Vater 2006 bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen war, ist der jüngste Sohn der drei Kinder gefragt – etwa mit seinem Geschick am Traktor. „Ich mache das, was für mich möglich ist. Wenn Arbeit anfällt, schau ich, dass ich die erledigen kann. Zwischendurch ist es schon eine harte Sache, aber es ist doch auch ein Ausgleich für mich. Ich würde es nicht machen, wenn es mir nicht auch ein wenig Spaß machen würde.“

Klares Ziel: Mehr Einsätze  in der Bundesliga-Truppe

Mutter Ingrid Rodler freut es. Sie müsste sich sonst, wenn ihre Söhne Martin oder Christoph ausfallen, vorwiegend über den „Maschinenring“ Fahrzeuge und Personen organisieren – natürlich gegen Bezahlung. So kann die meiste Arbeit familienintern erledigt werden … wenn es die Zeit erlaubt. Denn klar ist, welchen Weg Martin Rodler hauptberuflich beschreitet. Es geht ums Kicken, das ihn von seinem Stammverein USV Hartberg-Umgebung über den TSV Hartber im vergangenen Jahr zum SV Mattersburg gebracht hat. Hier, im Profifußball, will der Innenverteidiger langfristig Fuß fassen. In der abgelaufenen Saison befand er sich allerdings meist in der Warteschleife hinter Ado Mravac und Nedeljko Malic – dem Stammduo in der zentralen Verteidigung. Die Gesamtbilanz in 36 Saisonspielen: fünf Einsätze über die volle Distanz und elf Einwechslungen – unterm Strich ergibt das 573 Bundesliga-Minuten.

Spielpraxis erhielt der Steirer, wenn er ganz oben nicht zum Zug kam, aber trotzdem auch, nur eben zwei Etagen weiter unten – im Zuge von elf Partien bei den Amateuren in der Ostliga.

Demnach ist auch der Einsatzwert bei den Profis ein logischer Grund, warum der Wechsel ins Burgenland sportlich noch ausbaufähig ist: „Die erste Bundesliga-Saison war für mich in dieser Hinsicht durchwachsen, das habe ich akzeptiert – so ist eben der Profisport.“

Abgesehen davon fiel Rodlers Bilanz seines ersten Jahres im Burgenland aber durchwegs positiv aus: „Mir gefällt es wirklich sehr gut in Mattersburg. Der Verein und das Umfeld sind familiär. Ich habe mich schnell eingelebt, wurde sehr gut aufgenommen.“

Und nun? „Natürlich ist es mein Ziel, dass ich oben öfter spiele. Erzwingen kann man das aber nicht, daher bleibe ich relativ entspannt und gebe einfach immer mein Bestes.“