242 Schätze stehen unter Schutz

Denkmäler erzählen Geschichte(n)

Auf Schritt und Tritt begegnet man in Eisenstadt denkmalgeschützten Objekten. Einige davon sind gut versteckte Schätze.

Die Stadelzeile in der Feldgasse wurde erst vor drei Jahren unter Schutz gestellt.

Die Stadelzeile in der Feldgasse wurde erst vor drei Jahren unter Schutz gestellt.

© Kirchmeir

Wo die Franz-Liszt-Gasse in die Joseph-Haydn-Gasse mündet, fällt der Blick auf eine breite Natursteinmauer. Sie bildet das seitliche Fundament des Hauses Nr. 41, schmückt die Fassade bis in den ersten Stock und wer einen Blick durch die Einfahrt des Hauses in den Hof wirft, erkennt die wahre Dimension dieser Mauer: Es handelt sich um die denkmalgeschützte Stadtbefestigung aus dem 14. Jahrhundert, 1998 mit Unterstützung aus Eisenstadts japanischer Partnerstadt Shido saniert, wie eine Tafel informiert.

Die Stadtmauer- hier im Bereich des Hauses Joseph Haydn-Gasse 41 - stammt aus dem 14. Jahrhundert und steht unter Schutz.

Die Stadtmauer- hier im Bereich des Hauses Joseph Haydn-Gasse 41 - stammt aus dem 14. Jahrhundert und steht unter Schutz.

© Kirchmeir

Die Stadtmauer ist fast das älteste geschützte Baudenkmal in Eisenstadt (mehr über das älteste Fundstück weiter unten). An Jahren am jüngsten ist die neun Meter hohe Jubiläumssäule des Künstlers Wander Bertoni, 1990/1991 am Europaplatz vor dem Landhaus errichtet.

Die letzte Unterschutzstellung fand in Eisenstadt 2023 statt: Seit damals befindet sich die Scheunenzeile in der Feldgasse unter Denkmalschutz - als Beispiel für die bäuerliche Architektur.

Eisenstadt schmückt sich mit spektakulären Baudenkmälern wie dem Schloss Esterházy oder der spätgotischen Domkirche. Auch das reich verzierte barocke Rathaus, der Leopoldinentempel im Schlosspark und das ehemalige Jagdschlösschen "Gloriette" oberhalb der Stadt zählen zu den bekannten, in Reiseführern empfohlenen Attraktionen.

Viele der mehr als 200 denkmalgeschützten Objekte sind jedoch weniger bekannt, so auch die Überreste der Jahrtausende alten Höhensiedlung am Burgstallberg. Auf der 305 Meter hohen Erhebung wurden unter anderem Reste einer Steinmauer sowie Keramikfragmente entdeckt. Das rund fünf Hektar große prähistorische Siedlungsareal zählt heute zu den denkmalgeschützten Stätten der Landeshauptstadt.

Prägend für das historische Innenstadt-Ensemble sind die Bürgerhäuser, wie hier die ehemalige Permayersche Tabakfabrik in der Hauptstraße 27..

Prägend für das historische Innenstadt-Ensemble sind die Bürgerhäuser, wie hier die ehemalige Permayersche Tabakfabrik in der Hauptstraße 27..

© Kirchmeir

Mehr als die Hälfte der geschützten Denkmäler in Eisenstadt sind Bürgerhäuser, viele davon befinden sich in der Hauptstraße, am Domplatz oder in der Joseph Haydn-Gasse. Auch kommunaler Wohnbau steht unter Schutz, zum Beispiel die 1926 bis 1931 nach den Plänen der namhaften Architekten Rudolf Perthen und Alexius Wolf errichteten Gebäude in der Ignaz Till-Straße.

Erhaltung geschützter Objekte wird gefördert

Um den Zustand der schützenswerten Objekte kümmert sich das Bundesdenkmalamt. Angelina Pötschner, stellvertretende Leiterin des Landeskonservatorats, verweist auf Förderungen, die von den Eigentümern in Anspruch genommen werden können, um ihre historischen Juwele in einem guten Zustand zu erhalten.

"Immer wieder kommt es wegen der Erhaltung der geschützten Bauwerke zu Konflikten", berichtet Angelina Pötschner. Vieles lasse sich im Gespräch bereinigen, manchmal müsse man die Angelegenheit vor den Landesverwaltungsgericht klären. Kommt es zu keiner Lösung, kann nach dem Denkmalschutzgesetz ein Antrag auf Sicherungsmaßnahmen gestellt werden.

"Meistens geht es um die Sicherung des Daches", berichtet die Denkmalschützerin. Fehlen Dachziegel und regnet es hinein, so leidet der Dachstuhl und bald die gesamte Substanz. "Am besten, man macht etwas, sobald der erste Dachziegel hinunterfällt", empfiehlt Angelina Pötschner.

Oberberg - der "Spittelberg" von Eisenstadt?

Mehr Aufmerksamkeit würde sie sich für den Oberberg wünschen: Das Ensemble rund um die Bergkirche steht unter Schutz und könnte - ähnlich wie der Spittelberg in Wien - zu einem reizvollen Touristenmagnet werden. "Es ist eine pittoreske Stadtlandschaft, die das Potenzial hätte, Kulturschaffende anzuziehen", meint Angelina Pötschner.

Immerhin schön, dass noch Schätze in der Stadt schlummern und darauf warten, entdeckt zu werden.

Schützenswert
Auf welche Objektarten verteilen sich die geschützten Denkmäler in Eisenstadt (inklusive Kleinhöflein und St. Georgen)? Hier ist ein Überblick:
  • 145 Wohn- und Bürgerhäuser (59,9 %)
  • 30 Kleindenkmäler und Brunnen (12,4 %)
  • 25 Sakralbauten und kirchliche Anlagen (10,3 %)
  • 19 Öffentliche Gebäude und Bildunghäuser (7,9 %)
  • 7 Schlösser, Parks und historische Anlagen (2,9 %)
  • 5 Stätten der Archäologie und Befestigungen (2,1 %)
  • 4 Friedhöfe und Grabstätten (1,7 %)
  • 4 Wirtschafts-, Gewerbe- und Sonderbauten (1,7 %)
  • 3 Kultur- und Veranstaltungsgebäude (1,2 %)
  • Gesamt: 242 Objekte (100 %)