Bahnhof Wulkaprodersdorf: Tunnel festlich eröffnet
und mehr Parkplätze
Am Freitag, 23. Oktober 2026, wurde am Bahnhof Wulkaprodersdorf groß gefeiert: Die Raaber Bahn eröffnete gleich zwei Neuheiten für ihre Fahrgäste.
Die Ehrengäste durchschnitten zur Eröffnung des Personentunnels ein grünes Band.
© BVZ / Kirchmeir
200 Stellplätze kamen mit einer neuen Park & Ride-Anlage westlich der Gleisanlagen dazu. Um den neuen Parkplatz mit den Bahnsteigen, dem Bahnhofsgebäude und der bestehenden Park&Ride-Anlage zu verbinden, wurde ein 78 Meter langer Personentunnel errichtet. Aufzuganlagen machen den Bahnhof barrierefrei.
Eineinhalb Jahre lang war gebaut worden, am 23. Oktober fand das Eröffnungsfest statt. Michael Lampel, nach eigenen Worten "Urgestein bei der Raaberbahn", führte durch den Festakt, und begrüßte Bundesminister Peter Hanke zu seinem "ersten Besuch" vor Ort.
Von Raaberbahn-Generaldirektor Szilard Kövesdi bekam der Minister eine Raaberbahn im Modellformat.
© BVZ / Kirchmeir
Dem widersprach der Verkehrsminister in seiner Festrede: "Im Sommer durfte ich den Bahnhof Wulkaprodersdorf schon öfter benützen", verriet er den Gästen und lobte die Raaberbahn für die Optimierung der Mobilität.
Stefan Wittmann hatte als Technikleiter des österreichischen Betriebes der Raaberbahn das ambitionierte Infrastrukturprojekt geleitet. Herzstück sei der Personentunnel, sagte er. Als Herausforderung erwies sich während der Bauarbeiten die schlechte Bodenqualität. "Der Untergrund musste stabilisiert werden, 15.000 Kubikmeter Aushubmaterial wurden entfernt, 12.000 Auswechslungsmaterial wieder eingebracht", informierte der Projektleiter.
Der 78 Meter lange Personentunnel verbindet Park&Ride-Anlagen und Bahnsteige.
© BVZ / Kirchmeir
Verbaut wurden 2.500 Tonnen Beton und 75.000 Kilo Stahl, 600 Quadratmeter Glasflächen wurden verbaut. Und das alles bei laufendem Betrieb und in etlichen Nachtschichten, wie Stefan Wittmann erzählte. In der gesamten Bauzeit habe der Bahnbetrieb nur einmal für eine Woche eingestellt werden müssen, das sei eine logistische Meisterleistung.
Landeshauptmann Hans Peter Doskozil gestand, dass "Bahnhöfe und Autobahnraststätten für mich etwas Besonderes sind, weil dort so viele Menschen mit komplett unterschiedlichen Interessen zusammen kommen".
Er habe sogar an einer Autobahnraststätte heiraten wollen, seine Frau habe aber abgelehnt.
Der stellvertretende Vorstandsdirektor der Raaberbahn AG, János Perényi, verwies auf die mehr als 150-jährige Geschichte der Raaberbahn mit Hauptsitz in Ungarn und auf den Stellenwert der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit als Grundlage für die Mobilität.
Und er erinnerte daran, dass am Tag genau vor 70 Jahren die Revolution in Ungarn begonnen habe. Als diese im November 1956 blutig niedergeschlagen wurde, habe Österreich über 200.000 Flüchtlinge aus Ungarn empfangen. "Dafür danke ich", sagte János Perényi.
Bischof Ägidius Zsifkovics begrüßte die Gäste in deutscher, burgenlandkroatischer und ungarischer Sprache und erzählte, dass er 17 Jahre lang als Wulkaprodersdorfer Pfarrer die Geschichte der Gemeinde mitgestaltet und die Entwicklung des Bahnhofs hautnah mit erlebt habe. Das Projekt lobte er als "Beitrag nicht zur Begonierung sondern zur Klimafreundlichkeit und Schöpfungsverantwortung".