Eisenstadt: 4 Schulen, 1 Leitung?
Lehrer wollen Mitsprache
Drei Eisenstädter Volksschulen werden bereits von einer Direktorin geleitet. Wie sind die Pläne für die in Bau befindliche vierte Schule?
Am Areal hinter dem E-Cube wird ein neuer Bildungscampus errichtet. Wer wird die hier entstehende vierte Volksschule in der Stadt leiten?
© Kirchmeir
Die Volksschulen Eisenstadt, St. Georgen und Kleinhöflein werden von einer Direktorin geleitet: Charlotte Toth-Kanyak, die zugleich Vizebürgermeisterin in Eisenstadt ist. Im September 2027 wird im neuen Bildungscampus in Eisenstadt eine weitere Volksschule eröffnet. Unter den Pädagoginnen und Pädagogen herrscht Rätselraten über deren Leitung.
"Wir wissen nicht, ob diese Frage bereits entschieden ist, die Berichte lassen aber vermuten, dass die Weichen für einen Schulcluster längst gestellt werden", schreibt eine Gruppe von Volksschullehrerinnen und -lehrern in einem Mail an die BVZ. Namentlich will sich niemand äußern, man befürchte berufliche Nachteile, heißt es auf Nachfrage der BVZ. Hinter der Initiative stünden mehr als zehn Pädagoginnen der Volksschulen Kleinhöflein und St. Georgen, äußerte sich die anonyme Quelle gegenüber der BVZ.
Nach aktueller Rechtslage, schreiben die Lehrer, muss bei einem Pflichtschulcluster mit mehr als drei Schulen der Zentralausschuss, also die Personalvertretung, zustimmen. Doch dieses Mitspracherecht soll, so ein Plan der "Reformpartnerschaft" aus Bund und Land, abgeschafft werden.
Mehr Spielraum für Clusterleitung?
"Gleichzeitig sollen Clusterleitungen mehr Entscheidungsspielraum erhalten", heißt es in dem Schreiben weiter, "etwa bei Lehrfächerverteilung, Diensteinteilung und dem Einsatz der Personalressourcen, und Lehrkräfte können an mehreren Standorten eingesetzt werden."
"Ende des letzten Schuljahres wollte die Bildungsdirektion in Eisenstadt einen Schulcluster bilden und die Leitung ausschreiben", informiert Personalvertreter Christoph Windisch, Vorsitzender des Zentralausschusses der Pflichtschullehrer. Weil sich in Schulkonferenzen Lehrer an zwei der bestehenden drei Volksschulen gegen den Cluster aussprachen, kam das Projekt nicht zustande.
Gewerkschaft sieht Cluster kritisch
"Die Gewerkschaft sieht Cluster eher kritisch, weil sich der Mehrwert nicht immer ableiten lässt", sagt Christoph Windisch. In Eisenstadt mache ein Cluster keinen Sinn. "In einer betroffenen Schule muss es sinkende Schülerzahlen geben, Eisenstadt explodiert aber gerade", sagt der Personalvertreter. "Wir sagen: Jeder Schule eine Leitung", erklärt Christoph Windisch. Lehrer würden vor Ort eine Chefin brauchen, Eltern eine Ansprechperson.
"Es mag sein, dass es da und dort Synergien gibt", sagt Alfred Handschuh als Vorsitzender des katholischen Familienverbandes zum Thema Schulcluster. Er sitzt auch im Elternbeirat im Unterrichtsministerium und im Landesverband der Elternvereine. Werden mehrere Schulen von einer Person geleitet, werde es für die dort beschäftigten Pädagogen schwieriger und für Eltern und Elternvereine mühsamer.
Elternvertreter hätte gerne "Gipfel"
"Ich würde mich freuen, wenn man einen Gipfel macht und Pädagoginnen und Pädagogen und die Elternvertreter zu einer offenen und ehrlichen Diskussion mit der Bildungsdirektion einlädt", sagt Alfred Handschuh.
„Ich habe das anonyme Schreiben der Pädagoginnen und Pädagogen gelesen“, sagt Bildungsdirektor Alfred Lehner. „Was geschrieben wurde, entspricht sachlich im Großen und Ganzen der Wahrheit.“ Völlig unverständlich sei ihm jedoch das Misstrauen gegenüber der Bildungsdirektion, die sich als Service- und Anlaufstelle für alle Schulpartner sehe.
„Wir sind stets bemüht, lösungsorientiert beste Rahmenbedingungen für die Bildung der jungen Menschen im Burgenland zu schaffen, auch beim angesprochenen Thema, in dem die regionale Bildungsplanung der Primarstufe in Eisenstadt optimiert werden soll.“
Derzeit bestehe in Eisenstadt ein Schulverbund, bei dem die Direktorin der Volksschule Eisenstadt mit der Leitung der Volksschulen in St. Georgen und Kleinhöflein mitbetraut wurde. Einen Direktorenposten neu auszuschreiben, sei seit einer Gesetzesänderung 2015 nur möglich, wenn mindestens zehn Vollzeitkräfte als Lehrer an der Schule beschäftigt sind. Diese Voraussetzung erfüllen die Volksschulen in St. Georgen und Kleinhöflein nicht.
Erster Cluster-Versuch scheiterte
Zur Optimierung der Rahmenbedingungen wollte die Bildungsdirektion den Schulverbund und die Volksschulen in Eisenstadt mit jenen in St. Georgen und Kleinhöflein „verclustern“. Dann hätte die Stelle der Schulleitung ausgeschrieben werden müssen. "Frau Toth-Kanyak hätte sich neu bewerben müssen, das hätte auch jeder andere tun können“, erklärt der Bildungsdirektor. Außerdem hätte die Cluster-Leitung aufgrund der Größe des Clusters noch eine Sekretariatsstelle und zusätzliche Dienstposten dazubekommen, , die vom Bund refundiert worden wären und dem Land sowie der Stadtgemeinde Eisenstadt keine Zusatzkosten verursacht hätten.
„Das wurde aber vom Kollegium in St. Georgen und in Kleinhöflein mehrheitlich abgelehnt“, sagt Alfred Lehner.
Der Plan der Bildungsdirektion sei jetzt, die neue Volksschule im Bildungscampus und die Eisenstädter Volksschule in der Bahngasse zu verclustern. „Laut bestehendem Gesetz ist diese Entscheidung der Bildungsdirektion überlassen“, sagt der Bildungsdirektor. Der Cluster ermöglicht auch, dass Studierende von der Pädagogischen Hochschule während des Unterrichts Praxiserfahrung sammeln.
Praxismöglichkeit für angehende Pädagogen
Eine eigene "Praxisschule" für die Pädagogische Hochschule Eisenstadt gibt es nämlich nicht. Eine Gesetzeslücke, weil es sich weder um eine Hochschule des Bundes, noch um eine private Einrichtung handelt. Die Pädagogische Hochschule gehört zu 50% dem Bund und zu je 25% Land und Diözese. Ein Schulcluster könnte den Praxisunterricht ermöglichen.
Wie soll es mit den Volksschulen St. Georgen und Kleinhöflein weitergehen? Bis März 2027 müsse feststehen, wie das nächste Schuljahr geplant wird. Voraussichtlich werde dann die jetzige Schulleiterin - also Charlotte Toth-Kanyak - mit der Leitung des neuen Clusters betraut.
„In den nächsten zwei Jahren müsste dann auch diese Stelle ausgeschrieben werden“, erklärt der Bildungsdirektor. Und dann könne sich jede und jeder für die Clusterleitung bewerben, der die Voraussetzungen mitbringe, nämlich die Vorqualifikation zum Masterlehrgang „Schule professionell führen“.