Esterházy Husaren in Loretto: Gelebte Geschichte seit 26 Jahren
Traditionsverein
Am Samstag feierten die Esterházy Husaren in der Basilika Loretto ihr 25-jähriges Jubiläum. Höhepunkt war die Ernennung neuer Husaren und Weihe einer neuen Standarte.
Markus Nitzky Bürgermeister Loretto, Dorottya Kickinger, Hans Ackerbauer, Adam Kickinger i.T. Rittmeister und Obmann und Dr. Gerald Schlag feierten 25 Jahre Esterházy Husaren Loretto.
© Dorottya Kickinger
Was einst einmal die Leibgarde des Fürsten Esterhazy war und die Grenzen vor Gegnern gesichert hat, ist heute ein Verein zur Erforschung und Förderung des ehemaligen fürstlichen Esterhazyschen Regiments. Geründet wurde der Traditionsverein im Jahr 2000 von Fürst Anton II. Esterházy de Galantha und Rittmeister Zoltán Kickinger aus Loretto. Letzterer hat sich über viele Jahre mit der Geschichte der Esterházy Husaren beschäftigt. Sein historisches Wissen und zahlreiche Recherchen haben zur Entstehung des Vereins maßgeblich beigetragen. "Das Wichtigste für meinen Vater war immer die Gemeinschaft und sein Goldstück, die Pferde, in Verbindung mit dem Reiten", erklärt der Obmann des Vereins Adam Kickinger. Sein Vater Zoltán Kickinger ist aber 2025 verstorben. Daher verschob man die Feier zum 25-Jahr-Jubiläum des Vereins auf heuer.
Der Traditionsverein Esterházy Husaren in Loretto besteht seit dem Jahr 2000.
© Esterházy Husaren Loretto
Wer waren die Esterházy Husaren wirklich?
Die echten Esterházy Husaren wurden im Jahr 1741 unter Fürst Paul Esterházy II. aufgestellt. Die Husaren waren damals echte Kavaliersoldaten. Als berittene Soldaten erfüllten sie Aufgaben wie Aufklärung, Sicherung und schnelle Angriffe. Ihre Quartiere hatten die Husaren-Truppen mit ihren Kommandanten in Eisenstadt, Hornstein, Forchtenstein und Pöttsching. Eine besondere Stellung nahm hingegen der Stab der Husaren ein: Er ließ sich in Kleinhöflein nieder – und damit in unmittelbarer Nähe der fürstlichen Residenz Esterházy.
Angelobung neuer Husaren
Zurück in die Gegenwart: Bei ihrem Jubiläumsfestakt in der Basilika in Loretto wurden drei neue Husaren ernannt. "Im Rahmen dieser feierlichen Ernennung muss jeder neue Husar einen Nagel in die Regimentsstandarte schlagen. Zuvor haben sie bereits ein Probejahr als Husar absolviert", sagt Obmann Adam Kickinger.
Aktuell besteht der Verein aus rund 30 Personen im Alter zwischen 20 und 80 Jahren. Davon sind neun berittene Husaren. Der Esterhazy Husaren-Verein ist Mitglied im Dachverband der wehrhistorischen Gruppen von Wien, Niederösterreich und dem Burgenland. Dabei sind sie der erste Husarenverein Österreichs gewesen.
Jubiläumsausstellung
Im Rahmen des Jubiläums wurde außerdem ein Erinnerungsraum gestaltet. Unter dem Titel „Erinnerungen an 25 Jahre Esterházy-Husaren“ geben historische Fotografien, Zeitungsberichte und persönliche Erinnerungsstücke Einblicke in die Entwicklung des Vereins und seine zahlreichen Aktivitäten im In- und Ausland.
Neue Standarte geweiht
Besonders stolz sind die Vereinsmitglieder auf ihre selbst angefertigte Standarte, die am Samstag feierlich geweiht wurde. Der Verein ließ sie nach historischen Vorlagen aus dem Jahr 1666 nachbilden, wie Obmann Adam Kickinger erklärt: "Von der Herstellung der Fahnenstange über das Bemalen des Stoffes bis hin zum Zusammennähen wurde jeder Arbeitsschritt in Eigenregie durchgeführt".
Walter Greisinger, Renate Perker und Erich Greisinger freuten sich schon sehr auf den Jubiläumsfestakt.
© Dorottya Kickinger
Aufwendige Handarbeit
Als Grundlage dienten historische Bücher mit Abbildungen der Originalvorlagen, an denen sich die Mitglieder bei der detailgetreuen Nachbildung orientierten. Auf der einen Seite ist das Esterházy-Wappen zu sehen, auf der anderen ein Marienbild, das die christliche Bedeutung der Fahne in jener Zeit widerspiegelt.
Neben selbst angefertigten Standarten bauten Vereinsmitglieder auch historische Schilder und Reiterlanzen nach. Der Husaren-Verein aus Loretto zeigt damit, wie viel handwerkliches Talent, historische Recherche und Leidenschaft in seiner Arbeit stecken.
Mit Säbel, Pelzmütze und Pferd
Mit ihren Uniformen, den charakteristischen Pelzmützen und den prächtigen Säbeln prägten die Husaren über Jahrhunderte das Bild der europäischen Kavallerie. Ihre Geschichte erzählt aber nicht nur von militärischen Auseinandersetzungen, sondern auch von einer besonderen Reitkultur und den engen historischen Verbindungen zwischen Österreich und Ungarn.
Barockreiten als Grundlage
Für ihre Reitvorführungen verwenden die Esterházy Husaren spanische Andalusier. Das ist eine barocke Pferderasse, die sich für schnelle Wendungen und Reitkämpfe eignet. Diese anspruchsvolle Reitkunst erfordert intensives Training und ein harmonisches Zusammenspiel zwischen Reiter und Pferd, denn die Kämpfe werden direkt vom Pferd aus geführt", so Kickinger.
Für ihre Reitkämpfe setzten die Esterházy Husaren aus Loretto auf spanische Andalusier.
© Esterházy Husaren Loretto
Deshalb holt sich der Verein auch regelmäßig Tipps bei erfahrenen Mentoren. So zum Beispiel von Richard Hinrichs, Präsident des Barockreitverbandes in Deutschland. Das Barockreiten bildet nämlich die Grundlage für die Reitkunst der Esterházy Husaren.
Empfang beim Papst
Besonders in Erinnerung bleibt dem Traditionsverein das Jahr 2004: In Kooperation mit den echten Esterházy-Husaren der französichen Armee unternahmen die Vereinsmitglieder aus Loretto einen historischen Ritt von Lyon nach Rom. Im Vatikan wurden sie dann sogar von Papst Johannes Paul II. bei einer Audienz empfangen.
Wer die Begeisterung für Pferde, historische Gewänder und die Geschichte vergangener Regimenter teilt, ist bei den Esterházy-Husaren Loretto herzlich willkommen. Der Verein freut sich jederzeit über neue, engagierte Mitglieder, die Interesse daran haben, die traditionsreiche Geschichte der Husaren kennenzulernen, aktiv mitzuwirken und das historische Erbe gemeinsam weiterzuführen.