Fotoaktion „Ich still, wo ich will“ in Eisenstadt

Aufmerksam gemacht

Wenn Mütter ihre Babys und Kleinkinder an öffentlichen Orten stillen, sollten sie keine verwunderten Blicke mehr ernten. Dafür tritt eine fotojournalistische Kampagne ein, die jetzt auch Eisenstadt erreichte.

Stillen in der Öffentlichkeit sollte selbstverständlich sein, sagen die Mütter. Christiane Raffeiner (2.v.l.) fotografierte die Aktion in Eisenstadt.

Stillen in der Öffentlichkeit sollte selbstverständlich sein, sagen die Mütter. Christiane Raffeiner (2.v.l.) fotografierte die Aktion in Eisenstadt.

© Christiane Raffeiner, Kind und Kamera

„Es sollte zur Normalität werden, dass Frau stillen kann, wo sie will und wo das Kind es braucht“, sagt Iris Enz aus Eisenstadt. Am Donnerstag, 1. Oktober 2026, war sie mit anderen Müttern in der Landeshauptstadt unterwegs und setzte damit ein Zeichen für die Kampagne „Ich still, wo ich will“.

Begleitet wurde die Gruppe von Christiane Raffeiner. Die geborene Südtirolerin lebt mit ihrer Familie in Purbach. Sie hat sich auf Familienfotografie rund um Geburt und Wochenbett spezialisiert.

Iris Enz genoss es, ihren Sohn ganz unkompliziert beim Bummel durch Eisenstadt zu stillen.

Iris Enz genoss es, ihren Sohn ganz unkompliziert beim Bummel durch Eisenstadt zu stillen.

© Christiane Raffeiner, Kind und Kamera

„Ich finde es wunderbar, wenn Frauen einfach stillen können, ohne sich Gedanken darüber zu machen“, sagt Christiane Raiffeiner. Sie hat vorab in einigen Innenstadtgeschäften nachgefragt, ob stillende Mütter willkommen sind. In diesen Geschäften und an mehreren öffentlichen Plätzen wurden am 1. Oktober kollektive Stillpausen eingelegt.

„Wir wurden im Stadtkind, im GEA und im Weltladen sehr herzlich empfangen“, freut sich die Initiatorin der Aktion.

„An manchen Orten erntet man verwunderte Blicke, wenn man das Kind stillt“, berichtet Iris Enz. Kinder haben aber auch Hunger, wenn sie gerade nicht zuhause sind. Der ungewöhnlichste Ort, wo sie bislang gestillt hat? „Im Bankfoyer, schon zweimal!“, lacht Iris Enz.

Sophie Fromwald stillt ihren Sohn, solange er es braucht.

Sophie Fromwald stillt ihren Sohn, solange er es braucht.

© Christiane Raffeiner, Kind und Kamera

Sophie Fromwald aus Leithaprodersdorf unterstützt die Aktion, „weil Stillen generell von der Gesellschaft falsch gesehen wird“, nämlich insofern, als mit acht, spätestens zwölf Monaten damit Schluss sein sollte. Sie tritt dafür ein, Kinder so lange zu stillen, wie sie es brauchen. „Eigentlich sollte es heißen: Super, dass du noch stillst!“, sagt Sophie Fromwald.

Der ungewöhnlichste Ort, wo sie bislang gestillt hat? „In der Kirche, bei der Taufe von Freunden.“

Tanja Steindl will, dass Stillen als selbstverständlich akzeptiert wird.

Tanja Steindl will, dass Stillen als selbstverständlich akzeptiert wird.

© Christiane Raffeiner, Kind und Kamera

Tanja Steindl aus Purbach möchte, „dass jede Mama sich frei fühlen und überall stillen kann, wo sie möchte, ohne Äußerungen von Menschen zu bekommen“. Erstaunte Blicke habe sie immer wieder geerntet, zuletzt, als sie ihren Sohn in einem Schuhgeschäft stillte.

Der ungewöhnlichste Ort, wo sie bislang gestillt hat? „In Kroatien beim Lidl, auf Zuckerpackerln sitzend!“ An der Kassa gab es einen Stau und ihr Sohn hatte Durst.

Beim Stadtbummel das Kind stillen? Das ist ganz normal, sagen die Mütter.

Beim Stadtbummel das Kind stillen? Das ist ganz normal, sagen die Mütter.

© Christiane Raffeiner, Kind und Kamera

Fotoaktion „Ich still, wo ich will“ Im Rahmen der aktuellen Initiative fand die erste Fotoaktion zum Stillen im öffentlichen Raum im Februar 2026 in München statt. Initiatorin Sigrid Böhm hatte dazu aufgerufen und Unterstützung durch die Fotografin Anika Krickl und die Autorin Britta Fuchs gefunden. Innerhalb kurzer Zeit schlossen sich Fotografinnen, Hebammen und Mütternetzwerke in Deutschland, Österreich und der Schweiz an, um lokal eigene Fotoaktionen umzusetzen. Eine solche fand nun auch in Eisenstadt statt. Die Kernziele der Aktion:
  • Sichtbarkeit schaffen: Stillende Mütter gehören selbstverständlich zum Straßenbild, in Parks, Cafés, Museen und öffentliche Verkehrsmittel.
  • Normalisierung fördern: Enttabuisierung des Stillens als natürliche Nahrungsausnahme, Grundrecht und Teilhabe-Thema.
  • Mütter stärken: Ermutigung zu selbstbestimmtem Handeln ohne Scham, Angst oder Rechtfertigungsdruck.
  • Bewusstsein schärfen: Diskriminierung aufdecken und Raum für echte Bedürfnisse von Familien einfordern.