Hallelujah für einen großen Poeten

Jüdisches Museum

„Blue Raincoat Project“ widmete am Donnerstag dem großen Poeten Leonard Cohen im Österreichischen Jüdischen Museum in Eisenstadt einen berührenden musikalischen Abend. Gedichte, unvergessliche Lieder und ein begeistertes Publikum machten die Hommage zu einem Erlebnis voller Emotionen.

Howard Nightingall, Jeff Geiger, Robert Gumpi, Esther Heiss, Herbert Langsner, Margret Galler, Klemens Hölzenbein

Howard Nightingall, Jeff Geiger, Robert Gumpi, Esther Heiss, Herbert Langsner, Margret Galler, Klemens Hölzenbein

© Nina Mayer

Es gibt Lieder, die begleiten uns ein Leben lang. Sie erinnern uns an Menschen, die wir geliebt und vielleicht sogar verloren haben, an Augenblicke, die für immer in unseren Herzen verankert sind, und an Gefühle, für die uns Worte fehlen. Leonard Cohen verstand es, solche Empfindungen in Poesie zu verwandeln. Am Donnerstagabend ließ die Wiener Band „Blue Raincoat Project“ seine unverwechselbare musikalische Welt wieder lebendig werden.

Anlässlich des bevorstehenden zehnten Todestages des kanadischen Künstlers widmeten fünf Musiker dem am 7. November 2016 verstorbenen Leonard Cohen einen Abend, der unter die Haut ging. Cohen war weit mehr als ein Singer-Songwriter: Er war vor allem ein Poet, ein Suchender zwischen Liebe und Verlust, Spiritualität und Zweifel, Ernsthaftigkeit und feiner Ironie.

Herbert Langsner begeistert als Sänger und Bandleader mit seiner unverwechselbaren Stimme und seiner tiefen Verbundenheit zur Musik und Poesie Leonard Cohens.

Herbert Langsner begeistert als Sänger und Bandleader mit seiner unverwechselbaren Stimme und seiner tiefen Verbundenheit zur Musik und Poesie Leonard Cohens.

© Nina Mayer

Melancholische Klangwelt

Bandleader Herbert Langsner, Journalist und Sänger, scheint Cohen wie aus dem Gesicht geschnitten. Auch stimmlich kommt er dem großen Vorbild nahe. Die Liebe zur Musik und ihre melancholischen, spirituellen Seiten sind für Langsner, dessen Vater Jude war, eine Herzensangelegenheit. Den Weg auf die Bühne fand das Projekt erst spät: Beim ersten Konzert im Rahmen der Langen Nacht der Kirchen 2024 kamen zur Freude der Musiker gleich 300 Gäste.

Im Jüdischen Museum entfalteten nun Klassiker wie „Suzanne“, „Dance Me to the End of Love“ und natürlich „Hallelujah“ ihre ganze emotionale Kraft. Gemeinsam mit Margret Galler, deren Stimme wunderbar mit jener Langsners harmonierte, entstand ein feinfühliger Dialog voller Wärme. Jeff Geiger und Robert Gumpi sowie Klemens Hölzenbein an der Perkussion begleiteten die Lieder mit spürbarem Herzblut.

Margret Galler verleiht der musikalischen Hommage an Leonard Cohen mit ihrer Stimme eine ganz besondere emotionale Tiefe.

Margret Galler verleiht der musikalischen Hommage an Leonard Cohen mit ihrer Stimme eine ganz besondere emotionale Tiefe.

© Nina Mayer

Tausend Küsse tief

Zwischen den musikalischen Darbietungen verlieh Schauspieler Howard Nightingall Cohens Gedichten seine Stimme. Texte wie „A Thousand Kisses Deep“ und „Slowly I Married Her“ eröffneten weitere Zugänge zu einem Künstler, dessen Worte noch lange nachhallen. Besonders eindrucksvoll geriet „Take This Waltz“: Die Musik erfasste den Raum, das Publikum sang mit. Bei „Hallelujah“ wurden schließlich auch Tränen sichtbar – ein bewegender Moment, in dem sich wohl so manche persönliche Erinnerung mit der Musik verband.

Mit französischen Klängen, darunter „Les Deux Guitares“, spannte der Abend den Bogen über Cohens eigenes Werk hinaus zu weiteren großen Liedermachern wie Charles Aznavour und Georges Moustaki. Als zum Abschluss „Bella Ciao“ erklang, wich die Melancholie einer beinahe südländischen Leichtigkeit. Es wurde mitgesungen, gelacht und die Musik gefeiert.

Anlass des Abends war auch die Vernissage der Fotoausstellung „Hinter Stacheldraht im karibischen Exil“, die sich mit dem Schicksal des jüdischen Flüchtlings und Fotografen Alfred „Fred“ Fischer beschäftigt. Kurator Dr. Christian Cwik gab Einblicke in die Entstehung der Ausstellung. Museumsdirektorin Dr. Esther Heiss freute sich über das volle Haus.

Leonard Cohen ist seit fast zehn Jahren tot, doch seine Lieder erzählen weiterhin von unseren Sehnsüchten, Zweifeln und unserer menschlichen Fähigkeit zu lieben.

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