Weinfässer neu gedacht

Handwerk in Rust

Upcycling: Seit 10 Jahren fertigt der Ruster Markus Wiesinger aus Weinfässern Schönes für den Alltag und die außergewöhnlicheren Anlässe.

Handwerk. Markus Wiesinger erfüllte sich einen Traum und stellt nun Unikate her.

Handwerk. Markus Wiesinger erfüllte sich einen Traum und stellt nun Unikate her.

© BVZ/Furtner-Janisch

Der Ruster Markus Wiesinger hat sich auf die Arbeit mit einem nicht alltäglichen Material spezialisiert: Er schenkt aussortierten Holzweinfässern einen neuen Zweck. Seit zehn Jahren ist er nun mit seinem Konzept erfolgreich.

Damals war „Upcyycling“, also aus älteren Dingen neue Dinge zu fertigen, etwas Neues, und „das Medieninteresse recht groß“, erinnert sich Wiesinger. Seine Produkte, die er in einem kleinen Geschäft in der Ruster Altstadt, und über das Internet verkauft, bis nach Schweden und die USA, begeistern nach wie vor.

Angefangen hat alles im Jahr 2008 mit einem Regal aus einem Weinfass, das der gelernte Tischler für sich baute. Dann folgte ein Geburtstag. „Ich habe für einen Freund ein Schneidbrett aus einem Weinfass gemacht. Das hat vielen gefallen“, erinnert sich der gelernte Tischler. Er wollte etwas Eigenes produzieren, aber auch Einzelstücke.

So richtete er sich in Rust seine Werkstatt ein. Auch hier wurde wieder verwertet: „Ich wollte möglichst viel Tageslicht in der Werkstatt und daher eine Wand aus Glas machen. Die Fenster konnte ich von einer Glaserei holen, die sie entsorgt hätten“, erzählt er.

Er lebt also den Trend, auch in seinem Arbeitsalltag: Er verwendet Maschinen, die er für sein Start-Up bekommen hat: „Ich habe früher in der Cselley Mühle ausgeholfen und die Maschinen bekommen, als ich mich selbständig gemacht habe. Mit den Maschinen wurden auch die vormaligen Fenster für die Mühle gemacht“, so Wiesinger. Auch deshalb haben sie Bedeutung, wegen dem Kontext.

Farbe: Natürliche Prozesse

Die Entscheidung, mit gebrauchten Weinfässern zu arbeiten, traf er bewusst. „Mir war wichtig, dass das Material aus der Region ist und keinen weiten Weg hat. Sie stammen vor allem aus Rust, ich kaufe aber aus dem gesamten nördlichen Burgenland Fässer“, erzählt er. Sie fassen meistens zwischen 1.500 und 2.000 Liter und sind aus Eiche. „Ich konnte aber auch schon welche aus Robinie (Akazie) verarbeiten“, so der Fachmann. Robinie wurde vor allem in den 1970ern/80ern für Fässer genutzt, heute aber nicht mehr. Das bisher älteste Fass stammte aus dem Jahr 1936.

Die Arbeit ist aufwendiger, als mit vorbereitetem Holz aus dem Handel. „Die Fässer werden zunächst aufgearbeitet. Sie müssen Trocknen, dann zurecht geschnitten werden“, so der Ruster. Beim Zuschnitt achtet er darauf, mit dem Holz zu arbeiten. Daher haben die Schneidbretter nie die gleichen Abmessungen und sind auch nicht immer im rechten Winkel – Unikate eben.

Auch natürliche Prozesse spielen hier eine Rolle, wie er erklärt: „Der in den Fässern gereifte Rotwein hat das Holz teilweise gefärbt. Dies ist immer anders und nicht künstlich gemacht.“ Manchmal sind auch Minikristalle vom Weinstein noch im Holz, die im Licht glänzen oder Nägel im Holz haben es durch Oxidierung schwarz gefärbt. Zudem werden Herkunft und Baujahr des Fasses auf größeren Stücken wie die Schneidbretter mit einem Laser eingraviert.

Inspiration aus der Nähe

Aus den Weinfässern entsteht Verschiedenstes: Schneidbretter, Pfeffermühlen und Stifthalter, Sitzbänke, Beistelltische, kunstvolle Ohrringe und Anhänger zu Außergewöhnlicherem wie Geldbörsen oder Fliegen (für Herren) – ihm fällt immer etwas ein. Wichtig ist ihm auch, dass möglichst alles von dem Fass zu verwenden. So entstanden etwa Essstäbchen aus „übrig gebliebenen“ Holzstücken.

Neben der Arbeit mit dem Holz hat er auch den Siebdruck für sich entdeckt, mit dem er T-Shirts bedruckt – ebenfalls handgefertigte Unikate. Motive findet er in seinem Umfeld. Eine Analogfotografie, die sein Vater von Rust gemacht hat, ein Rennrad, ein Puch Mistral aus dem Jahr 1986, dass ein Freund auf dem Dachboden oder Designs von Menschen, die er auf seinen Reisen rund um die Welt traf - natürlich mit deren Einverständnis. Seiner Kreativität, die in der Familie liegt, sind dabei keine Grenzen gesetzt.