Erster „Mental Health Talk“ der Telefonseelsorge Burgenland

Alleinsein an Weihnachten

Beim ersten „Mental Health Talk“ des Fördervereins der Telefonseelsorge Burgenland, wurden am Montagabend die Einsamkeit und der Erwartungsdruck an Weihnachten beleuchtet.

Katharina Bedenik, Telefonseelsorge-Leiterin Petra Lunzer und Gudrun Obermaier gestalteten den ersten Mental Health Talk.

Katharina Bedenik, Telefonseelsorge-Leiterin Petra Lunzer und Gudrun Obermaier gestalteten den ersten Mental Health Talk.

© Foto: BVZ/Daniel Freismuth, Daniel Freismuth

Es ist ein Thema, über das viele nur sehr ungern sprechen, aber viele im Burgenland betrifft: nämlich die seelische Belastung rund um die anstehenden Feiertage. Der Förderverein der Telefonseelsorge Burgenland hat daher am Montag in ihrem ersten „Mental Health Talk“ genau über dieses gesundheitliche Problemfeld gesprochen. Wer, wie viele Menschen, glaubt, Einsamkeit sei der Hauptgrund für die zahlreichen Anrufe an Weihnachten, liegt falsch.

Tatsächlich ist es oft das unerreichbare Idealbild, das am Ende die Enttäuschung auslöst: „In Weihnachtsfilmen, Liedern und in den sozialen Medien wird ständig vom harmonischen Weihnachtsfest mit dem gedeckten Tisch und der liebevollen Familie erzählt. Diese Faktoren prägen sich dann in unser Gedächtnis ein und geben vor, dass es genauso zu Weihnachten sein muss“, erklärt Psychologin Katharina Bedenik im Rahmen des Diskussionsabends. Die Psychologin betont, dass genau die soeben erwähnten Punkte nicht notwendig sind für ein schönes Weihnachtsfest: „Es dürfen auch neue Rituale begangen werden, wenn die alten nicht mehr passen. Auch darf das Weihnachtsfest einmal mit weniger Personen zelebriert werden, wenn dadurch familiäre Konflikte reduziert werden können.“

Jahresrückblick als Enttäuschungsfaktor

Die Zahl der Anrufe bei der Telefonseelsorge erreicht ihren Höhepunkt traditionellerweise in den Tagen zwischen Weihnachten und Silvester. Laut Telefonseelsorge können nämlich nicht nur die Feiertage selbst belastend sein, auch der Blick zurück auf das abgelaufene Jahr führt bei vielen zu einem inneren Druck und Selbstzweifel: „In den Tagen rund um dem Jahreswechsel rufen viele Menschen an, die verzweifelt sind, dass sie schon wieder nicht das erreicht haben, was sie sich vergangenes Silvester vorgenommen haben. Es kommt dann oft die Frage: Warum bringe gerade ich nichts auf die Reihe?“, schildert Petra Lunzer Leiterin der Telefonseelsorge Burgenland.

Während des Vortrages wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass man die eigenen Erwartungen reduzieren sollte. Der Erwartungsdruck kann dadurch gemindert und mehr Raum für ein realistischeres Weihnachtsfest und Leben geschaffen werden.

Die Tabu-Themen ansprechen

Dem Förderverein der Telefonseelsorge Burgenland ist es ein sehr wichtiges Anliegen wie diese und andere Tabu-Themen offen in der Gesellschaft anzusprechen. Genau das ist das Ziel des neu eingeführten Mental Health Talks. Er soll nicht nur informieren, sondern vor allem Mut machen, sich bei Bedarf Hilfe zu holen. Und das alles ohne Hemmschwelle.

Die Notrufstelle betont, dass niemand mit seinen Gedanken und Sorgen allein bleiben muss. Rund 80 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen ratsuchend diskret und offen zur Seite. Sie urteilen nicht, sondern hören aufmerksam zu und nehmen die Anliegen der anrufenden Personen ernst - und das seit mittlerweile 40 Jahren.

Regelmäßige Mental Health Talks

Der Mental Health Talk soll ab dem kommenden Jahr immer am ersten Montag im Monat die verschiedensten seelischen Belastungen behandeln. Der nächste Talk-Abend ist für den 2. Feber geplant. Die Hotline der Telefonseelsorge steht nicht nur zu den Feiertagen sondern das ganze Jahr über rund um die Uhr für jeden kostenlos und anonym unter der Nummer 142 zur Verfügung.