Häftling löste sich aus Fixierung und verletzte Justizwachebeamten

Antrag auf Unterbringung

Mehrfach konnte sich ein Häftling aus Fesselungen befreien. Er ging auf Justizwachebeamte los und verletzte einen von ihnen schwer. Jetzt wurde der psychisch Kranke in eine Anstalt eingewiesen.

Der 30-jährige Marokkaner meinte vor Gericht: "Ich war sauer."

Der 30-jährige Marokkaner meinte vor Gericht: "Ich war sauer."

© BVZ/Kirchmeir

Am 28. April 2024 hatte sich der 30-jährige Marokkaner, der damals den sechsten Tag in U-Haft war, in der Justizanstalt Eisenstadt über die Sprechanlage seines Haftraums bei den Justizwachebeamten gemeldet: Lautstark verlangte er nach einer Haarschneidemaschine.

Da diese gerade in Verwendung war, konnte sein Wunsch nicht erfüllt werden. Der Häftling wurde lauter, trat gegen das Waschbecken und schlug mit dem Kopf gegen die Türe des Haftraums. Er schleuderte Gegenstände durch den Raum und machte das Eingreifen der Justizwachebeamten erforderlich.

Diese brachten den Mann in einen Sicherheitshaftraum und zogen ihm ein grundsätzlich reißfestes Nachthemd an.

Häftling wollte sich mit Nachthemd erwürgen

Doch dem Häftling gelang es, das Nachthemd zu zerreißen, es sich um den Hals zu wickeln und Anstalten zu treffen, sich auf diese Weise das Leben zu nehmen.

Die Justizwachebeamten beobachteten den wütenden Mann über die Haftraumkamera und schritten neuerlich ein. Dem Häftling wurden Handfesseln angelegt. Er schlüpfte mit den Füßen durch die gefesselten Hände und schlug mit dem Kopf gegen die Wand.

Daraufhin wurden dem Mann Fuß- und Handfesseln angelegt, doch auch aus dieser Fixierung konnte er sich lösen. Mit der Kette der Fußfesseln versuchte er sich zu erdrosseln.

Selbst den Transportgurt zerriss der tobende Häftling

So wurde ihm zusätzlich ein Transportgurt angelegt. Zur Überraschung der Justizwachebeamten, die den Mann weiterhin über die Kamera beobachteten, gelang es ihm den Transportgurt zu zerreißen. Wiederum machte der Häftling Anstalten, sich zu erdrosseln, diesmal unter Verwendung des Transportgurtes.

Die Einsatzgruppe der Justizanstalt drang nun in den Sicherheitshaftraum ein. Der Häftling trat gegen die Justizwachebeamten, wobei einer einen Meniskuseinriss erlitt. Der Häftling drohte: „Ich mache euch fertig! Ich finde euch! Ich bringe euch um!“

Er wurde die psychiatrische Abteilung des Krankenhauses Eisenstadt gebracht und später in eine andere Psychiatrie verlegt.

Marokkaner benützte mehrere Alias-Identitäten

Vor Gericht gab der Marokkaner am 26. Februar 2025 an, dass er sich an den Vorfall erinnern könne. Die Richterin fragte ihn, warum er eine Vielzahl an Alias-Identitäten benützte. „Wegen der Asylverfahren“, sagte der Marokkaner. „Ich habe verschiedene Namen angegeben.“

Seit 2015 befinde er sich in Österreich. Gearbeitet habe er hier nichts. „Vom Staat bekam ich 40 Euro pro Monat“, sagte der Marokkaner.

„Ich wollte eine Rasiermaschine haben, aber das wurde abgelehnt. Ich war dann sauer“, schilderte der Mann den Vorfall vom 28. April 2024. „Sie legten mir die Handschellen an. Ich versuchte, die Kamera herunterzureißen“, sagte er. Suizid habe er nicht begehen wollen.

Das reißfeste Nachthemd habe er zerrissen, „weil ich Tabletten eingenommen habe“, so der Mann. Früher habe er nicht zur Aggressivität geneigt.

Im Strafregister des 30-Jährigen ist eine Vorstrafe eingetragen. Wegen einer körperlichen Attacke im Asylzentrum in Traiskirchen war er in einer Anstalt für entwöhnungsbedürftige Rechtsbrecher untergebracht worden. „Damals trank ich Alkohol“, sagte der Marokkaner.

Justizwachebeamter über Kraftentwicklung des Mannes verwundert

„Er wehrte sich, riss sich die Fesselung herunter, versuchte, sich selbst zu verletzen und hat auf uns hingetreten“, berichtete einer der Justizwachebeamten, die an dem Einsatz am 28. April 2024 beteiligt gewesen waren. Es sei „sehr verwunderlich“, dass es dem Häftling gelungen sei, Hemd und Gurt zu zerreißen.

„Wie er diese Kraftentwicklung aufbrachte, weiß ich nicht“, sagte der Justizwachebeamte.

Sachverständiger: „Das ist, als würden Sie auf den roten Knopf drücken“

Ein Sachverständiger hatte festgestellt, dass der Betroffene an einer akuten polymorphen psychotischen Störung leide, die unter anderem durch Suchtmittelmissbrauch ausgelöst worden sei. „Aus dem Nichts heraus kommt es zu massiver Aggressivität“, sagte der psychiatrische Sachverständige vor Gericht. „Das ist so, als würden Sie auf den roten Knopf drücken und die Rakete startet.“

Bei dem Vorfall am 28. April 2024 sei der Betroffene nicht zurechnungsfähig gewesen.

Der Marokkaner sei der Meinung, er sei völlig gesund, und nehme an keiner Therapie teil. „Er möchte auch keine Tabletten nehmen“, informierte der Sachverständige. Zudem sei der Mann in Freiheit obdachlos, er habe kein Einkommen und kein gesichertes Umfeld. „Man muss davon ausgehen, dass er weitere strafbare Handlungen setzen wird“, sagte der Sachverständige und empfahl eine Einweisung.

Der Schöffensenat folgte dieser Empfehlung und ordnete die Unterbringung des Mannes in einem forensisch-therapeutischen Zentrum an.