Pyjama, Pop und Politik: So feiert Eisenstadt Ball

Ballnacht

Wenn die Orangerie im Herzen des Eisenstädter Schlossparks ihre Lichter einschaltet, die Gläser klingen und man schon beim Eintreten das Gefühl hat, heute passiert noch etwas Unerwartetes, dann weiß man: Es ist Ball der Eisenstädter. Am Freitag war es wieder so weit.

Wie jedes Jahr eröffnete Hausherr Thomas Steiner die Karaoke-Session.

Wie jedes Jahr eröffnete Hausherr Thomas Steiner die Karaoke-Session.

© Nina Mayer

Dieser Ball hat sich längst einen Ruf erarbeitet. Nicht als steifes Pflichtprogramm, sondern als einer der charmantesten, lustigsten und herzlichsten Bälle des Burgenlandes. Einer, bei dem man sich kennt und aufeinander freut.

Bürgermeister Thomas Steiner lud – und Eisenstadt folgte. Die Gästeliste las sich wie ein fein kuratiertes Gesellschaftsporträt der Stadt. Neben zahlreichen Gemeinderätinnen und Gemeinderäten sowie Bürgermeisterinnen aus den umliegenden Orten beehrte auch Nationalratsabgeordneter Christoph Zarits die Ballnacht. Man tauschte Umarmungen statt Visitenkarten, lachte mehr als man repräsentierte und wusste: Das wird eine lange Nacht.

Für die musikalische Grundversorgung sorgten die „Soundkisten“, die rasch bewiesen, dass sie wissen, wie man einen Ballsaal in Bewegung versetzt.

Doch das wahre Herzstück des Abends kam später. Karaoke. Jener Programmpunkt, auf den sich alle freuten und vor dem niemand sicher war, denn kaum griff man zum Mikrofon, war man ein anderer.

DJ Philipp saß souverän am Pult und erfüllte mutig sämtliche Wünsche – auch jene, die man am nächsten Tag vielleicht lieber vergessen hätte. Der richtige Ton wurde gesucht, manchmal auch gefunden, oft kreativ umspielt. Gesangstalente schlummerten weiter im Verborgenen, andere wurden unfreiwillig geweckt. Der Spaßfaktor allerdings war schlicht unschlagbar.

Und dann kam sie, die legendäre Mitternachtseinlage. Jenes fixe Highlight, bei dem man sich jedes Jahr denkt: Das können sie nicht toppen.

Die Rathäusler bewiesen eindrucksvoll, dass politisches Tagesgeschäft und komödiantisches Talent einander keineswegs ausschließen. Die Bühne wurde gerockt – teils als Village People, teils überraschend leicht bekleidet, teils im Pyjama.

Besonders in Erinnerung: Bürgermeister Thomas Steiner höchstpersönlich, gemeinsam mit seinem Vize Istvan Dehli, im Schlafanzug. Oberhäuptling, Pyjama, Standing Ovations. Mehr Eisenstadt geht nicht. Das Publikum war begeistert, amüsiert, sichtlich angetan von der Selbstironie, die man nicht proben kann.

Der Ball der Eisenstädter ist kein Ball, der sich wichtig nimmt. Er ist ein Ball, der Freude macht. Er verbindet Politik und Gesellschaft, Humor und Herzlichkeit, Tanzschritte und schiefe Töne. Und er zeigt Jahr für Jahr, dass Stil und Spaß keine Gegensätze sind, sondern ein ziemlich gutes Paar abgeben.