Pensionisten ausgenommen „wie Weihnachtsgans“?

Betrugsprozess

„Wie eine Weihnachtsgans“ sollen zwei Männer von einer Haushaltshilfe und einem Kreditvermittler ausgenommen worden sein. Auch der Sohn der Haushaltshilfe und ein vorbestrafter Betrüger wurden angeklagt.

Die Haushaltshilfe und drei mutmaßliche Komplizen wurden wegen Betrugs angeklagt.

Die Haushaltshilfe und drei mutmaßliche Komplizen wurden wegen Betrugs angeklagt.

© BVZ/Kirchmeir

Ein über 70-jähriger Pensionist aus dem Bezirk Eisenstadt, der bereits zwei Schlaganfälle erlitten hatte, nahm 2022 kurz hintereinander Kredite über 30.000 und 65.000 Euro auf. Außerdem schloss er einen Leasingvertrag für ein Auto ab, das dann der Sohn seiner Haushaltshilfe bekam.

Das Geld aus den Krediten sollen sich die Haushaltshilfe des Mannes und ein Kreditvermittler geteilt haben. Auch der Sohn der Haushaltshilfe soll einen Teil davon erhalten haben. 40.588 Euro soll die Haushaltshilfe, die mit ihrem Sohn im Bezirk Mattersburg lebt, dem Pensionisten noch zusätzlich in Einzelbeträgen herausgelockt haben, indem sie ihm mehrfach eine Notlage vorgaukelte.

Ein vorbestrafter Betrüger wurde ebenfalls angeklagt. Er wurde vom Kreditvermittler als „Tippgeber“ in den Fall hineingezogen. Ein zweites Opfer, ebenfalls im fortgeschrittenen Alter, nahm 2022 einen Kredit über 25.000 Euro auf. Auch er wurde von der Haushaltshilfe betreut und soll von dem ausgeborgten Geld nichts gesehen haben. Im Gegenteil: Er wurde verpflichtet, fast 40.000 Euro zurückzuzahlen.

Einer der Angeklagten soll als Exekutor aufgetreten sein

Der 50-jährige Kreditvermittler, serbischer Staatsbürger mit Wohnsitz in Wien, soll, um die Forderung nach Geld zu unterstreichen, sogar in die Rolle eines Gerichtsvollziehers geschlüpft sein und gegenüber dem Pensionisten aus dem Bezirk Eisenstadt behauptet haben, er komme, um bei der Haushaltshilfe Schulden einzutreiben.

Die vier wegen schweren Betrugs angeklagten Personen nahmen am Dienstag, 3. Februar, am Landesgericht Eisenstadt auf der Anklagebank Platz. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, im Jahr 2022 die Gebrechlichkeit des ersten Opfers ausgenützt und den Pensionisten „wie eine Weihnachtsgans“ ausgenommen zu haben. 2023 starb der Mann. Das zweite Opfer lebt noch und wird als Zeuge vor Gericht aussagen.

Alle vier Angeklagten bekannten sich nicht schuldig.

Haushaltshilfe soll Zehntausende Euro bekommen haben

Im Mai 2022 wurde von dem Pensionisten aus dem Bezirk Eisenstadt ein Kredit bei einer Bank in Wien aufgenommen. Das Geld landete am Konto des Kreditvermittlers. Bei der Polizei hatte dieser zugegeben, 23.000 Euro an die Haushaltshilfe übergeben und 5.000 Euro an deren Sohn überwiesen zu haben.

„Das stimmt gar nicht“, behauptete der 50-Jährige jetzt vor Gericht. „Fünf Gorillas“ - er meinte die Polizisten - hätten ihn bei seiner Aussage unter Druck gesetzt.

Die Haushaltshilfe habe „ständig Geld gebraucht“, hatte der Kreditvermittler bei der Polizei angegeben. Vor Gericht sagte er, er habe ihr nur Geld für Zigaretten überweisen. „Aus Mitleid. Ich bin ein gutmütiger Mensch“, meinte er. Er selbst habe genug Geld, er sei als „Profimusiker“ bei „Jugo-Hochzeiten“ tätig, „schwarz“ allerdings, wie er eingestand. Offiziell ist der Mann nämlich Bezieher einer Berufsunfähigkeitspension.

Für zweiten Kredit wurde Pensionist nach Salzburg gebracht

Er soll dem Pensionisten vorgegaukelt haben, eine Firma als Kreditvermittler gründen zu wollen. Dafür brauche er 35.000 Euro. Der Pensionist wurde im Juli 2022 extra nach Salzburg zu einer Bank gebracht, die bereit war, ihm einen Kredit über 65.000 Euro zu gewähren. Mit einem Teil wurde der Kredit bei der Wiener Bank zurückgezahlt.

Bei der Polizei sagte der Kreditvermittler, er habe die restlichen 35.000 Euro mit nach Hause genommen. 15.000 Euro habe er dann nach Serbien gebracht, aber die Haushaltshilfe habe „Druck gemacht“ und gedroht, ihm die „Hände zu brechen“, deshalb habe er ihr mehrfach Geld zukommen lassen.

Der Pensionist soll auch gedrängt worden sein, einen Finanzierungsvertrag für ein Auto zu unterschreiben, mit dem dann der Sohn der Haushaltshilfe fuhr. Schuldig bekannte sich der 31-jährige Angeklagte dazu nicht. „Er hätte wegen schlechter Bonität keinen Kredit bekommen“, informierte dessen Anwältin. „Er hätte vorgehabt, die Raten zu bezahlen.“

Pensionist hatte vor seinem Tod noch eine Zeugenaussage gemacht

Doch die Stieftochter des Pensionisten habe auf eine Rückabwicklung des Autokaufs gedrängt. Noch vor seinem Tod sagte der Pensionist bei der Polizei aus. Er gab an, bedrängt worden zu sein und die Kredite für seine Haushaltshilfe aufgenommen zu haben. In Salzburg glaubte er, für einen Kredit in der Höhe von 10.000 Euro zu unterschreiben, er habe seine Lesebrille nicht mitgehabt und gar nicht gewusst, was er unterschrieb.

Im Dezember 2022 soll die Haushaltshilfe einen weiteren Pensionisten dazu gebracht haben, für sie einen Kredit aufzunehmen. Sie soll ihm ein gefälschtes Anwaltsschreiben gezeigt haben, in dem von einer Erbschaft die Rede war. Der Pensionist nahm, um ihr Zugang zu dem angeblichen Erbe zu verschaffen, 25.000 Euro auf. „Sie hat nichts zurückgezahlt“, warf die Staatsanwältin der Frau vor.

Da sich die Befragung der Angeklagten über mehrere Stunden erstreckte, wurde der Prozess vertagt. Beim nächsten Mal sollen Kriminalbeamte und ein Bankenvertreter befragt werden. Auch die Befragung des zweiten mutmaßlichen Betrugsopfers ist geplant.