Die Bailerin: Soziale Medien hypen Trausdorfer Greißlerei
BVZ-Serie: Altes Handwerk
Seit jeher galt eine Greißlerei als Mittelpunkt dörflichen Lebens. Nahversorger, Informationsquelle ersten Rangs, sozialer Halt. Die Kombination dieser Bedeutungen hat Kerstin Bailer - liebevoll „Die Bailerin“ genannt - so sehr beeindruckt, dass sie beschlossen hat, eine solche in Trausdorf zu eröffnen.
Kerstin Bailer sorgt in Trausdorf für frischen Wind
© Nina Mayer, Nina Mayer
Bürgerlich heißt die 42-jährige Kerstin Bailer. Cool schaut sie aus. Knallrote Haare, deren Farbe und Frisur aber laufend wechseln, Tätowierungen, weltoffener Blick aus strahlenden Augen, denen auch ein Hauch kämpferischer Natur zu entnehmen ist. Man ahnt: sie kann sich auf die Füße stellen, im Einsatz für sich, aber auch im Einsatz für andere Menschen, die Nähe und Hilfe brauchen.
Das war nicht immer so, erzählt Kerstin. Nach dem Abschluss der Handelsschule hat sie viel ausprobiert. In einem medizinisch-technischen Handelsunternehmen hat sie gearbeitet, in einer Trafik, anderen Einzelhandelsunternehmen. Die Wende brachte ihre Tätigkeit als Verkäuferin im Eisenstädter Bioladen. Dort wurde sie gefördert, dort konnte sie „wachsen“ und zum ersten Mal in ihrem Leben ihren wahren Wert erkennen.
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Charmant retro mit Social Media
2020 beschloss sie sich selbstständig zu machen , handelte schnell und eröffnete mitten im Lockdown im November 2020 in Trausdorf ihre Greißlerei „Zur Bailerin“. Charmant ist der Laden, Vintage ist angesagt, die 50er und 60er-Jahre lassen grüßen.
Das Konzept funktioniert, weil es anders aufgezogen wird, als üblich. Kerstin ist eine Powerfrau und setzt auf die sozialen Netzwerke, crazy, die widersprüchlich erscheinenden Gegensätze, interessant durchaus, reizvoll unfraglich. Facebook, Instagram und TikTok dienen als Kanal für's Marketing. Kein Tag ohne morgendlichem Post, dem man Produkte, Angebote und Neuigkeiten entnehmen kann.

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Ländliche Gesprächstherapie
Nicht zu vergessen, da besonders wichtig, der What's App Status. Wer, wo, was, wie, wann - alles erfährt man auf diesem Weg. Den Kunden gefällt es. Vorbestellt wird ebenfalls über diese Kanäle, kommuniziert auch. Dem persönlichen Gesprächsgenuss darf man sich dann im Retro-Verkaufsraum hingeben, in dem die Zeit stehengeblieben zu sein scheint und wo sich Kerstin durchaus als Therapeutin sieht.
Der Mensch ist ein soziales Wesen, dessen Ausleben ist essentiell. Einsamkeit führt unweigerlich zu seelischen Krankheiten. Dem entgegenzuwirken hat sich die Bailerin vorgenommen. Zeit für ihre Kunden - wohl das größte Geschenk. Obwohl: das Wort „Kunden“ fühlt sich für die im Moment Rothaarige gar nicht richtig an, vielmehr präferiert sie die Titulierung „Freunde“. Zu Weihnachten wird die besagte Zeit knapp.

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Was das Herz begehrt
Oktober bis Dezember sind ganz starke Monate, unter anderem durch das Herrichten unzähliger Geschenkkörbe für das christliche Fest. Wählen kann Kerstin bei der Bestückung aus einem großen Sortiment. 80 Lieferanten bedienen sie mit Waren unterschiedlichster Art.
Gebäck, Käse, Wurst, Gemüse, Obst, Frischfleisch kann man käuflich erwerben. Sogar den Moorochsen hat sie im Sortiment. Nudeln, Weine, Säfte, Aufstriche, ihre Donnerstags-Mehlspeisen, die begehrten Freitags-Strudeln, deren Genuss auf süße oder pikante Weise das Kochen am Wochenendbeginn erspart. Sogar Dekorationen und Schmuck gibt es, als Geschenk oder um sich selbst eine Freude zu machen.
Die Bailerin setzt voll und ganz auf Regionalität. Immer mehr kristallisierte es sich in den letzten Jahren heraus, dass den Kunden wichtiger ist, dass die Produkte aus der nahen Umgebung kommen, als dass sie bio sind. So gibt es beispielsweise Osliper Gebäck, Leithaprodersdorfer Gemüse, Wiesener Obst und so weiter und so heiter.

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Zeit ist kostbarer als Geld
Kerstin ist ein Herzensmensch. Ihr ist es gelungen, die Greißlerei ins 21. Jahrhundert zu katapultieren, Menschen im Dorf wieder eine Anlaufstelle auch sozialer Natur zu bieten und dabei Zufriedenheit und Glück vor Geldanhäufung zu stellen. Auf dass man sich weiter ebenso an ihren täglichen Social Media Storys erfreuen kann, wie an einem 60er-Jahre Retro-Plauscherl und einem Einkauf im Laden der „Bailerin“. Pläne hat sie noch viele, aber dazu ein anderes Mal mehr.
Infos finden Sie auf folgender Homepage: www.zurbailerin.at