Weinakademie in Rust: „Begehrt wie Taylor Swift-Tickets“
Talk mit Josef Schuller
Die Weinakademie Österreich in Rust ist in der gehobenen Weinwelt, von London bis New York und Hongkong, renommiert und gilt als eine der besten Adressen, um eine Karriere in der Weinwirtschaft zu begründen. Geburtshelfer für diesen vinophilen Hotspot am Neusiedler See war ausgerechnet der Weinskandal, der für ein Erdbeben im Weinbau sorgte - und den Boden für die Erfolgsgeschichte des burgenländischen Weins ebnete. Darüber, über den Standort Rust und weitere vinophile Themen sprach die BVZ mit Master of Wine Josef Schuller, seit der Gründung 1989 Direktor der Weinakademie Österreich.
Josef Schuller der Weinakademie Österreich seit ihrer Gründung 1989 als Direktor vor.
© BVZ/Wagentristl
BVZ: Herr Schuller, ohne den Weinskandal von 1985 wäre die österreichische Weinwirtschaft wohl nicht, was sie heute ist. Wie sehen Sie das?
Josef Schuller: Der Weinskandal war ein großer Einschnitt, aber auch ein Auslöser für einen einzigartigen Wandel. Vor dem Skandal ging es oft nur um Ertrag, danach stand auf einmal Qualität im Fokus. Innerhalb weniger Jahre haben wir Deutschland überholt, die internationale Weinwelt blickte auf uns. Der Boom, der daraus entstand, war auch Grundlage für die Gründung der Weinakademie. Ich bin selbst nach dem Skandal ins Ausland gegangen und war erstaunt, wie sich in kürzester Zeit das Denken verändert hat. Winzer sprachen plötzlich über Verkostungen, internationale Vorbilder und Qualität. Auch die österreichische Wirtschaft profitierte. Nach der Öffnung des Ostens gab es Aufschwung, und die Menschen wollten ehrliche, hochwertige Produkte.
© Weinakademie Rust
Sie haben früh internationale Erfahrung in der Weinwirtschaft gesammelt, unter anderem bei Robert Mondavi in Kalifornien oder in Südafrika. Was haben Sie von dort mitgenommen?
Schuller:Das waren sehr eindrückliche Erfahrungen, ich durfte dort in diesen Jahren große Weinpersönlichkeiten kennenlernen, was mich auch sehr geprägt hat. Auch mein Konzept für die Weinakademie Österreich geht auf diese Erfahrungen zurück. Ich kam kurz nach dem Weinskandal nach Südafrika und wurde gleich mit Witzen begrüßt wie „You used to say Prost in Austria, now you say Frost“ - als Anspielung auf das Frostschutzmittel Glykol, mit dem einige Kriminelle damals ihre Weine panschten. Es waren keine guten Zeiten für den burgenländischen Wein - aber der Weinskandal und die darauffolgenden Umbrüche waren die Grundlage für den heutigen Erfolg des burgenländischen Weins.
Sich im Ausland weiterzubilden war für einen Burgenländer damals alles andere als üblich. Wie ist das heute?
Schuller: Damals war es ungewöhnlich, als junger Burgenländer Auslandserfahrung zu sammeln. Heute ist das Standard und hat zur enormen Professionalisierung unserer Weinbaubetriebe beigetragen.
Österreichische Weine sind heute in der internationalen Weinszene sehr präsent.
Schuller: Ja, und das ist ein großer Erfolg. Wir sind in der Spitzengastronomie fast überrepräsentiert. In Supermärkten sind wir wegen unserer Kleinheit weniger sichtbar, aber Sommeliers weltweit schätzen unsere Weine. Auch viele Natural Wines aus Österreich finden sich auf internationalen Weinkarten.

© BVZ/Wagentristl
Wie kam es, dass sich die Weinakademie Österreich ausgerechnet im beschaulichen Rust angesiedelt hat?
Jeder, der hier war, versteht es. Wir haben Top-Winzer, Weingärten, Hotels und Gastronomie direkt vor der Tür. Rust bietet ein einzigartiges Umfeld – einen richtigen Weincampus. Seit 20 Jahren ist Rust einer von nur drei Standorten weltweit für den Master of Wine-Kurs neben Napa (USA) und Adelaide (Australien). Wir haben das Image eines Taylor Swift-Konzerts: Sobald die Anmeldung für den Master of Wine-Kurs öffnet, ist der Kurs in Rust sofort ausgebucht. Aktuell gibt es drei österreichische Masters of Wine - Andreas Wickhoff, Roman Horvath und mich -, weitere stehen kurz vor dem Abschluss.
Wird Rust als Standort langfristig bestehen?
Schuller: Ja. Es gab nie ernsthafte Überlegungen, wegzugehen. Wir haben einen langfristigen Vertrag mit der Stadt. Die Zusammenarbeit ist hervorragend und wir profitieren von den kurzen Wegen und dem starken Netzwerk.
Wie haben Sie das historische Gebäude im Seehof Rust nutzbar gemacht?
Schuller: Das Gebäude war eine ehemalige Jugendherberge und sehr heruntergekommen. Der Umbau zum Seminarzentrum war herausfordernd, besonders wegen der Auflagen des Denkmalschutzes und der Barrierefreiheit. Fenster, Fassade, sogar der Eingang mussten streng nach Vorgaben gestaltet werden. Heute sind wir stolz auf das Ergebnis.

© Weinakademie Rust
Wie wird das Kursangebot der Weinakademie angenommen?
Schuller: Rund 500.000 Menschen haben unsere Kurse besucht. Rust ist unser Hauptsitz, wir bieten aber Kurse in ganz Österreich an, aber auch in Deutschland, der Schweiz und in Italien. In Wien sind wir eigentlich immer ausgebucht. Rust hat ein kleineres Einzugsgebiet, aber die Seminare sind nach wie vor sehr gefragt. Besonders spannend ist die Vielfalt der Teilnehmer: Es kommen Menschen von 20 bis 70 Jahren, vom Einsteiger bis zum Profi, und aus allen Ländern der Welt.
Wie geht die Weinakademie mit Trends wie alkoholfreier oder -armen Wein und Natural Wine um?
Schuller: Wir gehen mit offenen Augen durch die Weinwelt. Diese Trends werden in unseren Seminaren behandelt. Natural Wine, alkoholfreie Alternativen – all das wird analysiert und eingeordnet. Wenn solche Trends junge Menschen für Wein begeistern, ist das ein Gewinn. Aber man muss es natürlich in Relation setzen, darf solche Trends nicht ignorieren, aber auch nicht überbewerten.

© BVZ/Wagentristl, Peter Wagentristl
An wen richten sich die Kurse in der Weinakademie? Wem würden Sie einen Besuch unbedingt empfehlen?
Schuller: Das Kursangebot richtet sich sowohl an Weininteressierte ohne Vorerfahrung, als auch an Experten und jene, die es werden wollen. Vor allem die Weinakademiker-Kurse sind international sehr gefragt. Im letzten Semester hatten wir sogar einen Absolventenrekord, mit 93 Weinakademikern aus 17 verschiedenen Ländern aus ganz Europa aber auch aus Asien und natürlich auch aus dem Burgenland.
Herr Schuller, vielen Dank für das Gespräch.
Das Gespräch führte Peter Wagentristl
Fünf Kursmodule vom interessierten Weinfan ohne Vorbildung bis zum angehenden Weinakademiker. Das gesamte Kursangebot der Weinakademie finden Sie hier.
- Basisseminar
- Österreichisches Weintutorium (Basisiseminar + weinkulturelles Rahmenprogramm)
- Aufbauseminar 1 - Weinland Österreich
- Aufbauseminar 2 - Wines and Spirits International
- Weinakademiker Diploma/WSET Level 4 Diploma
Darüber hinaus gibt es auch noch die Master of Wine-Kurse, die neben Rust weltweit nur in Adelaide (Australien) und Napa (USA) angeboten werden.