Nikotinfrei: „Es muss klick machen“

Darüber spricht das Land

Jeder Vierte konsumiert täglich Nikotin. Viele wollen raus aus der Sucht - aber wie kann das gelingen? Die BVZ hat sich anlässlich des Weltnichtrauchertages (31. Mai) die Erfolgschancen angeschaut - und sie stehen gar nicht mal schlecht.

Geraucht wird weniger, dafür steigt die Sucht nach Nikotinbeuteln - vor allem unter jungen Menschen.

Geraucht wird weniger, dafür steigt die Sucht nach Nikotinbeuteln - vor allem unter jungen Menschen.

© Shutterstock/Andrey_Popov, Andrey_Popov

Besonders alarmierend ist der Nikotinkonsum unter burgenländischen Jugendlichen. Eine Länderauswertung für das Burgenland aus dem Jahr 2025 ergab, dass 54 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler bereits einmal Nikotin in irgendeiner Form konsumiert haben. Am stärksten verbreitet sind E-Zigaretten, die von neun Prozent der Jugendlichen täglich konsumiert werden. Sechs Prozent rauchen täglich Zigaretten, sieben Prozent konsumieren Nikotinbeutel.

Für den Nikotinkonsum Erwachsener liegen keine Burgenlandzahlen vor, österreichweit konsumieren 24 Prozent der Menschen Rauchwaren, elektronische Inhalationsprodukte oder rauchfreie Nikotinerzeugnisse. 6 Prozent konsumieren täglich E-Zigaretten oder Tabakerhitzer, häufig werden diese zusätzlich zu Zigaretten verwendet.

Auch in der BVZ-Redaktion qualmte es

„Ich habe immer wieder probiert, mit dem Rauchen aufzuhören“, erzählt Richard Vogler, Redaktionsleiter der BVZ in Mattersburg. „Um 22 Uhr habe ich die letzte Zigarette geraucht, wenige Stunden später war das Verlangen schon wieder so stark, dass ich um 5 Uhr morgens zur Trafik lief und mir das nächste Packerl holte.“

Eineinhalb Packungen Zigaretten rauchte er täglich, jahrelang. Und dann hat es tatsächlich funktioniert: Am 6. Jänner 2025 gelang ihm der Ausstieg aus der Sucht - wenn auch nur teilweise: Mit den Zigaretten ist tatsächlich Schluss, dafür konsumiert der Journalist jetzt Nikotin in Vapes. „Dampfen“ nennt er das.

Warum er diesmal den Ausstieg aus dem Tabakkonsum schaffte, weiß er selbst nicht genau. „Es muss klick machen“, sagt Richard Vogler. Zwei Wochen lang nahm er zur Unterstützung Nikotinkaugummi und -pflaster.

Schmeckt besser ohne „Tschick“

Die körperlichen Effekte des Verzichts auf Zigaretten waren rasch spürbar: „Ich habe mich vitaler gefühlt und der Geschmackssinn kam zurück“, erzählt der 54-Jährige. Unter Entzugserscheinungen wie Schlafstörungen oder Schweißausbrüchen habe er nicht gelitten.

Unter anderem hatte ihn eine Ärztin ermuntert, mit dem Rauchen aufzuhören. „Die Häufigkeit von Prostatakrebs ist bei Rauchern sehr hoch“, hat Richard Vogler erfahren. Kommt er heute in einen Raum, wo geraucht wurde, dann fällt ihm das auf. „Die Menschen, die ich früher mit meinem Zigarettenrauch belästigt habe, tun mir leid“, blickt er reuevoll zurück.

„Rauchen ist einfach nicht gesund“, sagt er und könnte sich gut vorstellen, dass der Staat zur Abschreckung den Preis für eine Packung Zigaretten auf 15 Euro anhebt.

Rauchfrei auf Kassen-Kosten

Wer wie Richard Vogler mit dem Rauchen aufhören will, kann es alleine probieren oder einen der kostenlosen „Nikotinfrei-Kurse“ der ÖGK buchen, die von Proges durchgeführt werden. Der nächste Kurs beginnt am 11. Juni bei der Österreichischen Gesundheitskasse in Eisenstadt und es sind noch Plätze frei (Infos auf www.oegk.at).

Eine Trainerin, die beim Institut für Gesundheitsförderung und Prävention eine entsprechende Ausbildung absolviert hat, vermittelt den Teilnehmenden Strategien, wie man es schaffen kann, sein Leben ohne Nikotinkonsum zu gestalten.

„Da geht es zum Beispiel darum, für typische Konsumsituationen Alternativen zum Nikotinkonsum zu finden“, sagt Marion Wurm, Proges-Projektkoordinatorin im Burgenland. Ist etwa das Verlangen groß, zur gewohnten Tasse Kaffee eine Zigarette zu rauchen, so kann es helfen, den Kaffee aus einer neuen, extra für die nikotinfreie Zeit gekauften Tasse zu trinken oder den Sitzplatz zu wechseln.

Mehr als jeder Zweite schafft den Absprung

Die Abstinenzquote der Teilnehmenden bei den „Nikotinfrei-Kursen“ bewegt sich zwischen 50 und 60 Prozent, berichtet Bernhard Stelzl von der Österreichischen Gesundheitskasse. Unter den Teilnehmenden sind gleichermaßen Frauen wie Männer vertreten, die meistens im Alter von 40 bis 55 Jahren entscheiden, sich um ihr Rauchverhalten zu kümmern. „Das ist erwartbar, weil hier die Folgen des Tabak- und Nikotinkonsums bereits offensichtlich sind“, sagt der ÖGK-Sprecher.

Der Großteil der Teilnehmenden konsumiere Tabakzigaretten. „Aber es sind auch immer öfter Personen dabei, die E-Zigaretten, Tabakerhitzer oder Nikotinbeutel konsumieren“, sagt Stelzl. Daher sei das Programm auf „nikotinfrei in 6 Wochen“ umbenannt worden.

„Nach den sechs Wochen wird man vom Rauchfrei-Telefon angerufen und gefragt, wie es geht“, informiert Marion Wurm. Das Rauchfrei-Telefon kann man auch ohne Kurs kontaktieren, die Beratung ist unter 0800 810 013 wochentags von 10 bis 18 Uhr erreichbar.

Nichtrauchen zahlt sich aus

Uschi Reiterer bietet ab September 2026 in Eisenstadt wieder eine Softlaser-Akupunktur zur Nikotinentwöhnung an. Angewendet wird diese spezielle Akupunktur am Ohr. „Dadurch wird das Belohnungszentrum im Gehirn stimuliert, mehr Endorphine werden ausgeschüttet“, erklärt Uschi Reiterer. Werden Glückshormone freigesetzt, falle es leichter, auf Nikotin zu verzichten, das ebenfalls an den Rezeptoren im Belohnungszentrum andockt.

„Die Erfolgsquote dieser Regulationstherapie liegt bei 75 bis 80 Prozent“, sagt Uschi Reiterer. Eine zweistündige Sitzung sei dafür erforderlich. Die Therapeutin bietet auch Raucherentwöhnung mittels Hypnose an. „Dabei werden im Unterbewusstsein Haftungen und Verbindungen mit dem Rauchen aufgelöst“, erklärt sie.

Richard Vogler ist froh, den Ausstieg aus der Zigarettensucht geschafft zu haben - auch aus finanziellen Gründen: 300 Euro hat ihn der Kauf von Zigaretten im Monat gekostet, das Vapen belastet sein Budget nur mit 50 Euro.

Nikotinfrei werden - was hilft?

Tipps für Eltern:Wichtig ist eine klare Haltung - Nikotin ist nicht harmlos und macht schnell abhängig. Zu Hause kann die Regel helfen: Hier wird nicht geraucht. Auch Vapes sind nicht harmlos, sie können abhängig machen und den ersten Schritt in die Nikotinsucht darstellen.

Hilfe im Burgenland: Erwachsene können sich an den Psychosozialen Dienst und Jugendliche an die Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychothterapie wenden.

Hilfreiche Online-Infos: https://rauchfrei.at/ und https://www.oegk.at/cdscontent/?contentid=10007.885216 von der ÖGK. Speziell für Jugendliche: https://www.feel-ok.at/de_AT/jugendliche/themen/tabak/tabak.cfm