So wird der Garten fit für die Saison

Darüber spricht das Land

Der grüne Daumen juckt? Höchste Zeit, den Garten aufzuwecken! Womit man mit gutem Gewissen beginnen darf, verraten zwei Experten für Obst- und Gartenbau.

Fachschullehrer Hannes Laszakovits zeigt den Schülern der landwirtschaftlichen Fachschule ein Edelreis, das im Kühlen überwintert wurde.

Fachschullehrer Hannes Laszakovits zeigt den Schülern der landwirtschaftlichen Fachschule ein Edelreis, das im Kühlen überwintert wurde.

© BVZ/Kirchmeir

Schüler der landwirtschaftlichen Fachschule in Eisenstadt kommen mit Jungzwiebeln in dicken Bünden von den Foliengewächshäusern der schuleigenen Versuchsanlage. Auch Radieschen haben sie schon geerntet. In vielen privaten Gärten des Burgenlandes beginnt das Gartenjahr gerade erst.

„Jetzt sollte man den Boden vom Winter befreien“, sagt Martin Novak, Obstbaumeister und Betriebsleiter in der Versuchsanlage. Im Herbst hat man umgestochen, jetzt muss man die Erdbrocken zerteilen. „Und dann ganz wichtig: Kompost streuen, damit die Pflanzen optimal Nährstoffe bekommen.“

Auch wenn bereits Paradeiser- und Gurkenpflanzen angeboten werden - im Freien setzen sollte man sie noch nicht. „Frostempfindliche Gemüsesorten wie Gurken, Zucchini, Mangold, Spinat, Paprika und Paradeiser sollte man erst nach den Eismännern Mitte Mai aussetzen“, sagt Martin Novak. Sonst könnte es passieren, dass die zarten Pflänzchen einen Kälteschock erleiden und die Produktion einstellen. Die wärmeliebende Gurke etwa tut dies bereits bei 10 Grad.

Grünes Licht gibt es jetzt, Mitte April, für Salat, Kohlrabi, Radieschen, Zwiebeln. Auch Kartoffel können gelegt werden. Salat hält, abgedeckt mit Vlies, sogar Frost aus. „Der beste Salat gedeiht, wenn der Unterschied zwischen den Temperaturen in der Nacht und am Tag besonders groß ist“, verrät der Experte. Hat es nachts null Grad, tagsüber 20, so entstehen schöne, dicke Salatköpfe.

So wird der Garten fit für die Saison

© BVZ/Kirchmeir

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„Warten“, sagt Martin Novak, „hat sich immer noch gelohnt.“ Wer Mitte Mai Erdäpfel setzt, erntet zum selben Zeitpunkt wie der Gärtner, der schon Mitte April mit dem Auslegen dran war.

So schützen Sie die Pflanzen gegen Hitze

Ein Thema im Burgenland ist die Trockenheit. „Südländische Sorten sind trockenheitsresistenter als unsere mitteleuropäischen Sorten“, informiert Martin Novak. Leider ist der südländische Samen schwer erhältlich. „Wenn man zum Beispiel in Kroatien in Urlaub ist, könnte man sich von dort Samen mitnehmen“, empfiehlt er. „Diese Züchtungen werden super.“

Was die Bewässerung betrifft, so sei es am besten, in der Früh zu gießen. „In der prallen Hitze verdunstet die Hälfte des Wassers und man schockt die Pflanzen“, erklärt Martin Novak. Wird in der Früh gegossen, kann das Blatt in den nächsten Stunden abtrocknen. Das schützt die Pflanze vor Mehltau und Pilzinfekten. Auch sei es sinnvoll, reichlich zu wässern - am besten mit Regen- oder Brunnenwasser - und dann einen Tag Pause beim Gießen zu machen.

Pflanzen mögen es gemütlich, erfährt man von Martin Novak. Deshalb ist es so wichtig, den Boden zu jäten und zu lockern. Wie bei uns Menschen: „Wenn wir gesund sind, arbeiten wir gut, wenn wir krank sind, bringen wir keine Leistung“, vergleicht der Gärtner. Zur biologischen Unkrautregulierung verwendet er verrottbares Salatpapier mit vorgestanzten Pflanzlöchern. So erspart man sich das „Heindeln“, die Erde bleibt darunter feucht und der Salat frei von Erde.

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Mit dem Bier die Schnecken schrecken

Im Kampf gegen Nacktschnecken, die sich im Folientunnel im Versuchsgarten schon die Radieschen gut schmecken lassen, empfiehlt Martin Novak Bierfallen: Mit Bier gefüllte Dosen, die man in der Erde versenkt. Der Geruch des Biers lockt die Schnecken an, diese ertrinken in der Flüssigkeit.

Allen Hobbygärtnern, die ein Hochbeet zuhause haben, ruft der Fachmann das Prinzip dieses rückenschonenden Anbaus in Erinnerung: Es gehe nicht nur darum, sich nicht bücken zu müssen, sondern darum, durch den besonderen Aufbau des Beetes Verrottungswärme zu erzeugen.

Als untere Schicht nimmt man grobes pflanzliches Material, dann werden die Schichten immer feiner, bis oben mit Pflanzenerde abgeschlossen wird. „Durch die Verrottungsenergie werden die Wurzeln erwärmt und die Pflanzen wachsen schneller“, sagt Martin Novak. „Eigentlich müsste man ein Hochbeet jedes Jahr ausräumen und frisch befüllen.“

Beim Stabilisieren der Paradeiserpflanzen verwendet der Pflanzenspezialist statt Stabstützen nur mehr Schnüre. Jede Pflanze erhält eine Schnur, diese wird mit einem Gestell oberhalb verbunden. „Schnürln“ nennt man diese Methode. Wächst die Pflanze, so windet man sie nach und nach händisch um die Schnur, die den nötigen Halt verleiht. „Das habe ich daheim im Gemüsegarten auch schon probiert, das ist besser als alle Steckenarten“, sagt Martin Novak.

Wer im Vorjahr unerfreuliche Bekanntschaft mit Fraßschäden der Grünen Reiswanze machte, wird vielleicht an diesem Tipp interessiert sein: „Man kann die Eigelege zerstören, die man ab Mitte August auf Blattunterseite findet und die wie eine Weintraube aussehen. Diese Gelege muss man zerdrücken, dann hat man keine Nachkommen.“

Veredelung: Eine Frage des Schnitts

Vom Gemüsegarten wenden wir uns dem Obstgarten zu. Fachlehrer Hannes Laszkovits zeigt an einem Apfelbäumchen, wie man mittels Rindenpfropfen selbst eine Veredelung vornehmen kann. Dazu muss im Dezember oder Jänner ein einjähriger Trieb bei einem anderen Baum geschnitten werden, zum Beispiel bei einer zweiten Apfelsorte, die man gerne auf den Baum aufpropfen möchte.

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„Edelreis“ nennt man die Triebe, die man bis zur Verwendung im Frühling kühl und dunkel lagern muss. Am Baum, der veredelt werden soll, schneidet man dann einen Ast ab, säubert den Rand.

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Am Edelreis führt man gegenüber von einer Knospe den Veredelungsschnitt durch. „Wichtig ist, dass der Schnitt plan ist und man viel von den Kambiumschichten freilegt, die dann verwachsen können.“

Am vorbereiteten Aststumpf setzt man einen oder mehrere Einschnitte in die Rinde. Die Rindenflügel werden leicht angehoben. „Die ideale Zeit für diese Veredelungsmethode ist jetzt in den nächsten zwei Wochen“, sagt Hannes Laszakovits. Denn gerade jetzt löst sich die Rinde am besten.

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Man schiebt das Edelreis hinein. Mit einem Gummiband, auch Bast kann verwendet werden, presst man die Teile aufeinander. Dann wird die Stelle luftdicht verpackt, wozu man Malerkreppband verwenden kann. Abschließend wird das Edelreis nach drei Knospen abgeschnitten und alles mit Obstbaum-Wundverschlussmittel behandelt.

Veredeln kann man bei Bäumen, die eng miteinander verwandt sind. Gut klappt das zum Beispiel bei Kriecherl, Ringlotten, Zwetschken und Marillen. „Alle vier könnte man auf einem Baum haben“, verrät Hannes Laszakovits.

Mit Lauge die Läuse nicht lausen lassen

Was das Schneiden der Obstbäume betrifft, so darf man ruhig immer mit der Baumschere durch den Obstgarten gehen. So sollten aktuell bei Marillenbäumen vom Pilz „Monilia“ befallene dürre Ästchen entfernt werden. „Sonst stecken sie die restlichen Früchte an“, warnt der Obstbaum-Experte.

Der „Kräuselkrankheit“ bei Pfirsichen sei kaum beizukommen. Da helfe es, auf robustere Sorten, etwa den weißfleischigen Weingartenpfirsich, auszuweichen.

Zur Bekämpfung der Blattläuse empfiehlt Hannes Laszakovits Seifenlauge. Dazu nimmt man am besten Schmierseife und gibt 30 Milliliter davon auf einen Liter Wasser. Mit einer Sprühflasche wird die Pflanze wöchentlich besprüht, bis die Blattläuse verschwunden sind.

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Wer jetzt im Frühling alte vertrocknete Früchte in den Obstbäumen entdeckt, sollte diese unbedingt abnehmen. „Da sind Pilzsporen drauf und wenn es regnet, infizieren sich die unteren Früchte mit derselben Krankheit“, informiert der Experte.

Zur Bekämpfung von Schädlingen sind Nützlinge ideal geeignet. „Diese muss man gar nicht extra kaufen, sondern den Garten so gestalten, dass sie Unterschlupf finden. Sie siedeln sich von alleine an, man braucht nur einen Garten, der nicht ganz so streng gepflegt wird, sondern mit blühenden Pflanzen und Kräutern Bedingungen schafft, wo sich Nützlinge wohlfühlen.“

Warum der Kirschlorbeer Probleme macht

Der Naturschutzbund Österreich hat den Kirschlorbeer zum Neophyten des Jahres gewählt. Mit dem echten Lorbeer hat die beliebte Heckenpflanze nichts zu tun. Sie breitet sich stark aus und verdrängt heimische Arten.

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Alle Pflanzenteile sind giftig und somit ein Risiko für Kinder und Haustiere. Die Blüten sind für viele Bestäuber ungeeignet, die Beeren werden nur von wenigen Vogelarten gefressen, als Nistplatz hat die Pflanze kaum eine Bedeutung.

Der Naturschutzbund ruft dazu auf, Kirschlorbeer-Hecken schrittweise durch heimische Gehölze zu ersetzen. In der Schweiz ist der Verkauf von Kirschlorbeer übrigens seit 2024 verboten.