Deutschwestungarn und die Magyarisierung - Teil 2

Dorfblick St. Georgen

Im Zuge der Magyarisierung nahmen auch mehrere Bewohner aus dem Dorf ungarische Namen an. Bei einer Namensänderung musste entweder der ungarische Ortsname als neuer Name Verwendung finden oder zumindest der Anfangsbuchstabe des alten mit dem neuen Namen ident sein.

Der damals reichste St. Georgener: Johann Schweifer.

Der damals reichste St. Georgener: Johann Schweifer.

© Geschichte und Geschichten

Der spätere Schuldirektor Leopold Ferstl schrieb sich z. B. fortan Fersli. Christian Rauchbauer wurde Lehrer in Ödenburg und nannte sich Rado. Sein Sohn Polycarpus studierte Theologie und wurde Dekan an der Theologischen Fakultät in Budapest. Zur Magyarisierung gibt es einige Erzählungen im Dorf. Stephan Rauchbauer, bei der Kirche, hielt als Richter (Bürgermeister) eine impulsive Rede, die er mit einem feurigen „Eljen…?...no…fix….da Soch´n soll leben!!!“ beendete, anstatt „eljen a magyar, d.h. „ Der Ungar lebe hoch!“

Der reichste Mann im Dorf vor dem 1. Weltkrieg war Johann Schweifer, Halter Zeile. Er war Holzhändler, er besaß mehrere Häuser im Dorf und eine Villa am Ortsrand. Er wollte Abgeordneter in Ödenburg werden, wohin er regelmäßig mit seinem Pferdefuhrwerk fuhr. Sein ganzes Vermögen ging jedoch bei seinen diversen politischen Unternehmungen verloren, bevor er sein Ziel, Abgeordneter zu werden, erreichen konnte. Politischen Einfluss konnte im Allgemeinen nur der gewinnen, der sich mittels „Geschenken“ das Wohlwollen seiner Sympathisanten sichern konnte (z.B. ein Fass voll Wein zur freien Verkostung). Johann Schweifer nannte man deshalb „Wohl Ainl, Eljen Vaida oder Eljen Schweifer, weil er bei jeder Gelegenheit alle hoch leben ließ.

Rupert Zechmeister (1907-1984) schreibt in seinem Lebenslauf: „Als ich 6 Jahre alt war, ging ich in die 6 klassige Volksschule in St. Georgen. Da wir in Westungarn waren, durfte in den Schulen nur ungarisch gelernt werden. Es war für uns Kinder sehr schwer. Wir konnten zwar ungarisch rechnen, lesen und die Gedichte auswendig hersagen, aber verstanden haben wir nicht viel davon. Die Eltern konnten es uns nicht erklären, weil sie nicht ungarisch konnten.“

Deutschwestungarn und die Magyarisierung - Teil 2

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Veranstaltungshinweis

St. Georgener Schmuggelrouten 1919

Sonntag, 7. April 2024, 17 Uhr, Pfarrheim St. Georgen

Themenabend mit Schmuggelberichten und Geschichten, Interviews,

Videos, Filmen, Musik und szenischen Darstellungen.

Es erwartet sie ein spannender und interessanter Abend mit kleinen Imbissen und St. Georgener Weinen. Eintritt freie Spende.

Der Verein Dorfblick St. Georgen freut sich auf Ihr Kommen.