St. Georgen: Hochzeiten anno dazumal

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Das Heiraten unterlag bis in die 1950er Jahren einer strengen Tradition. In den Bauernfamilien wurden die Ehen fast immer von den Eltern ausgemacht, geschäftsmäßig beschlossen und die Aussteuer vertraglich festgehalten. Geheiratet wurde meist in den Wintermonaten.

Hochzeitsfoto Michael und Franziska Leberl, 1964

Hochzeitsfoto Michael und Franziska Leberl, 1964

© Jahrein-Jahraus

Michael Leberl und seine Frau Franziska aus Müllendorf heirateten 1964, es war eine Liebesheirat, da sich die Tradition damals schon gelockert hatte. Sie erzählen von ihrer Hochzeit vor über 60 Jahren: „Das gemeinsame Treffen vor unserer Hochzeit geschah immer im Freundeskreis. Wir gingen spazieren, Schnee- und Maiglöckerl pflücken und verbrachten die gemeinsame Zeit immer mit Freunden. Das war damals so üblich. Die Hochzeit fand in meinem Elternhaus in St. Georgen statt.

Die Hochzeitsknechte, die Beistände und wir als Brautleute gingen in die Häuser, um die 100 Gäste einzuladen. Um sie alle verköstigen zu können, wurden ein Schwein, ein Rind und auch ein Kalb geschlachtet. Die Hochzeitsköchin Maria Zoffmann begann mit ihren Helferinnen Wochen vorher die Hochzeitsmehlspeise zu backen. Das Essen wurde ausschließlich auf unserem Küchenherd aus dem Jahr 1890 zubereitet. Die Zimmer mussten wir teilweise ausräumen, um für die Tische der Hochzeitsgesellschaft Platz zu machen. Nach all den Vorbereitungen kam dann der Tag unserer Hochzeit. Fesch waren wir schon!

Michaels Anzug wurde eigens geschneidert, so wie mein Kleid. An seinen Anzug steckte ich einen frischen Rosmarinzweig und in meinem Brautkranz waren Myrten eingearbeitet. Am Vormittag trafen die Gäste ein, wo es zum Frühstück ein Gulasch gab. Nachdem Michael bei meinem Vater um meine Hand anhielt, und er mich übergeben hat, setzte sich der Hochzeitszug mit Musikbegleitung Richtung Kirche in Bewegung, wo die feierliche Trauung stattfand. Wieder zurück im Haus war die Tür verschlossen. Franzi musste anklopfen, um eingelassen zu werden. Unser polnischer Knecht kannte den Brauch nicht und setzte sich rührend für Franzi ein, wie man nur so unfreundlich zu ihr sein konnte. Das brachte ihm Gelächter ein. Schließlich wurde die Tür geöffnet und das Festmahl begann.

Im Laufe des Abends folgten die damals üblichen Hochzeitsbräuche, z.B. „Das Kranzel-Abtanzen“. Die Braut bekam ein Kopftuch, eine Schürze und einen Kochlöffel, der Bräutigam einen Fiata, einen Hut und eine Pfeife. Zwischendurch mussten die Gäste nach Hause um die Tiere zu füttern. Gefeiert wurde bis in den frühen Morgen. Das legendäre „Kosottn“ (Musikanten begleiten die Gäste nach Hause, wo nochmals ausgiebig getrunken wurde) bildete den Abschluss.“

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