So funktionierte die Weingarten- und Feldarbeit im alten St. Georgen

Dorfblick St. Georgen

Das Stroh war in der Landwirtschaft das wichtigste Bindematerial um Reben an den Stecken anzubinden, aber auch Gemüse und Blumen zu fixieren. Das Anbinden der jungen Rebtriebe im Juni war meist Frauenarbeit.

Rosina Beck zeigt die Knotentechnik bei der Verwendung von  Strohbandeln

Rosina Beck zeigt die Knotentechnik bei der Verwendung von Strohbandeln

© Foto: Dorfblick, Upscaling: NeroAI

Roggenstroh „Troad“ war am stabilsten und wurde daher als Bindestroh (Bandel oder Strohbandel) für Gerste, Hafer und Weizengarben verwendet. Nach dem 29. Juni, Peter und Paul, war der noch nicht ganz ausgereifte Roggen die erste Körnerfrucht, die geerntet wurde. Noch vor Beginn der Getreideernte musste dieses Bindestroh gemäht und aufbereitet werden. Der Schnitt des Roggens für die Strohbandelherstellung erfolgte meist durch Familienangehörige und zwar ausschließlich mit der Sense. Weil auf einem Acker das Getreide ungleichmäßig lang wächst oder auch niedergedrückt sein konnte, musste man selektieren und nur die hochgewachsenen unkrautfreien Halme wurden abgemäht.

Das vorgesehene Getreide, das als Bindestroh verendet wurde, ließ man noch auf dem Feld ausdreschen. Jenes Roggenstroh, das für die Bindearbeiten im Weingarten von Frühling bis August verwendet wurde, brachten die Bauern als Garben nach Hause. Sie droschen es dann im Stall mit der Handdrischel und banden es zu Kreuzbürdeln zusammen. Kreuzbürdel nannte man mehrere Strohbüschel, die mit 2 Händen umfasst werden konnten. Sie wurden jeweils zueinander verkehrt zusammengelegt, mit einem Strohband zusammengebunden und auf dem „Pi“ Stallboden bis Jänner/ Februar gelagert. Ende der 1940er Jahre kamen „Papierbandel“ auf den Markt.

In den 1950er Jahren wechselte man zu einem verbesserten aus Hanf gefertigten Produkt. Erst Ende der 1950er Jahre, mit dem Einsetzen der Mähdrescher benötigte man während der Getreideernte keine Bänder mehr. Eine weitere wichtige Weingartenarbeit war die zweite Weingartenspritzung und das Entfernen des Unkrautes (Weinchat-Schän). Am Acker erfolgte mit der „Haun“ (herzförmige Harke) das händische „Anhäufeln“ bei den Erdäpfeln und dem Kukuruz. Diese Arbeiten waren notwendig für das weitere gesunde Wachstum der Pflanzen. Da die leicht freilegbaren Erdäpfelknollen durch das Sonnenlicht grün und somit giftig wurden, mussten sie mit Erde zugedeckt, „angehäufelt“ werden. Der Kukuruz bildete durch das „Anhäufeln“ stärkere Wurzeln aus und wurde somit standfester.