St. Georgen: Die Milchversorgung, bevor es moderne Kühlschränke gab

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Kühlschranktür auf, Milchpackerl raus und schon rinnt das weiße, kühlende, proteinhältige Getränk in das Glas. Die Milch kommt aus dem Packerl oder der Glasflasche, bzw. dem Kühlregal im Supermarkt. Wir wissen, so war es nicht immer und viele erinnern sich an ihre Kindheit, als sich noch viele Familien selbst mit Milch versorgten.

 Beim Melken: Franziska Hahnekamp, Am Platzl. Foto: Geschichte und Geschichten

Beim Melken: Franziska Hahnekamp, Am Platzl. Foto: Geschichte und Geschichten

© zVg Dorfblick

Im landwirtschaftlich geprägten Dorf stand in fast jedem Bauernhaus mindestens eine Milchkuh (Muh-Kuili) im Stall. Gemolken wurde während, bzw. nach der morgendlichen und abendlichen Fütterung. Das Melken war Frauensache. Die Melkerin saß auf dem „Möla-Schaummü“ (Melkschemel) und melkte vom Euter in einen „Seichter“, ein ovales Blechgefäß mit 10 Liter Fassungsvermögen, das zwischen die Beine gestellt wurde. Eine Kuh gab am Tag ca. 15 bis 20 Liter Milch. Nach dem Melken seihte man die frische, noch kuhwarme Milch durch ein über ein Gefäß gespanntes Leinentuch ab.

Vor dem zweiten Weltkrieg hatten auch die Waldjäger Kühe. Johann Wagner trug täglich mit einer „Kraxen“ (Rückentrage) die Milch vom Wilden Jäger ins Dorf. Danach brachte man die Milch entweder zur Milchsammelstelle („Müli-Apparat“) oder sie wurde „ab Hof“ verkauft. So hatte jedes Bauernhaus seine Stammkunden, die entweder am Vormittag oder am Abend mit einer Milchkanne „Mülikaunl“ ihren Tagesbedarf abholten. Das Milchholen war meist die Aufgabe der Kinder. Vor der Milchsammelstelle war immer viel los, man tauschte Neuigkeiten aus und erfuhr den aktuellen Dorftratsch. Ein beliebter Bubensport war das „Über dem Kopf Schwingen“ der vollen Email Milchkannen. Dabei kam es auch vor, dass die Kanne zu Boden fiel und die Milch ausfloss. Das Gelächter der Zuschauer blieb natürlich nicht aus und ebenso die entsprechende Strafe zu Hause.

Einen Teil der rohen, fetthaltigen Kuhmilch stellten die Bauern in einen kühlen Raum und schöpften nach einigen Tagen, den auf der Oberfläche abgesetzten Rahm (Obers) ab, um daraus Butter herzustellen. Größere Mengen von Rahm füllte man in das Butterfass oder einen Butterstampfer. Kleine Mengen von Butter erzeugten die Frauen durch schütteln von Rahm in einem verschlossenen Glas. Die Butter, welche nicht im Haushalt verwendet wurde, konnte zu einem guten Preis am Wochenmarkt in Eisenstadt verkauft werden. Die entrahmte Milch ließ man „sauer“ werden, um daraus Topfen herzustellen.

Im Jahr 2001 gab es im Dorf nur mehr bei Michael Lichtscheidl, Am Platzl und bei Johann Hahnenkamp, Georgistraße einen „Milch Ab Hof Verkauf“. Auf Grund der strengen Hygienevorschriften wurde diese Art von Milchverkauf eingestellt. Die veränderte Dorfstruktur, kaum noch Ackerbau und keine Viehzucht und das große Angebot von Milch und Milchprodukten in den Lebensmittelgeschäften, führte in den 1980er Jahren zur Auflösung der Milchsammelstelle.

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