St. Georgener auf Schilfgras-Ernte: Die abenteuerliche „Zaschernte“

Dorfblick St. Georgen

Das Donnerskirchner „Zasch“, Schilfgras, das im sumpfigen Gelände rund um den Neusiedler See wächst, wurde im Juni gemäht. Die Erntezeit in Oggau erfolgte in den Spätsommermonaten. Früher kauften die St. Georgener vom Fürsten Esterhazy „Zasch“, um es als Einstreu zu verwenden, da es kaum einen Nährwert besaß. Während der Russenzeit waren ja die Fürsten enteignet, darum wurde dieses „Zasch“ direkt bei den Russen gegen Lebensmittel und Wein eingetauscht.

 Die von den St. Georgenern genutzten „Zaschenwiesen“ in Oggau und Donnerskirchen. Foto: Jahrein-Jahraus

Die von den St. Georgenern genutzten „Zaschenwiesen“ in Oggau und Donnerskirchen. Foto: Jahrein-Jahraus

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Ludwig Lichtscheidl, Koglweg, erinnert sich an die aufregende „Zaschernte“ mit seiner Familie im Jahr 1953: „Das Wetter war günstig für den Zaschschnitt. Mein Vater hatte vorher mit den Russen schon ausgehandelt, dass wir am darauf folgenden Tag nach Oggau fahren konnten. Von unserer Tante bekamen wir einen Ochsen, den wir gemeinsam mit unserem Pferd als zweites Zugtier vor den Wagen spannten. Weiters besorgte er eine Mähmaschine und einen zweiten kleineren Wagen, den er an den großen anhängte.

Meine Eltern, Bruder, Tante, Cousins und ich fuhren am Nachmittag bis nach Schützen, wo wir auch übernachteten. Zeitig in der Früh rumpelten wir mit unserem Gefährt nach Oggau und ließen die Beine zwischen den Leitersprossen „durchglangeln“. Um zu unserer Wiesenfläche zu gelangen, mussten wir durch einen Oggauer Meierhof fahren. Viele Leute waren dort und auch russische Soldaten mit scharfen Hunden. Die waren von unseren herunterhängenden Beinen irritiert und stürzten auf unseren Wagen zu. Voller Schreck zogen wir unsere Beine hoch. Nach den Formalitäten bei der russischen Schreibstelle, ging es raus zum Seegelände. Da der Boden sehr sumpfig war, mussten wir zuerst mit dem kleinen Wagen eine kleinere Menge abmähen und dann auf den größeren umladen.

Es kam immer wieder zu Streitereien mit anderen Leuten, da jeder möglichst viel Schilfgras haben wollte. Auch an diesem Tag und so schmissen die anderen aus Zorn unseren vollbeladenen Wagen um, während wir mit dem kleineren im Sumpf waren. Meine Mutter musste nun Wache halten, da es aber so glühend heiß war kroch sie unter den Wagen. Darunter wurde es ihr aber von den Dämpfen des Sumpfbodens furchtbar übel. Auch der Heimtransport verlief schwierig, da uns das glatte Gras ständig vom Wagen rutschte und wir es immer wieder von der Straße einsammeln mussten“.

Zum letzten Mal kauften die St. Georgener Ende der 1950er Jahre diesen Grünschnitt.

St. Georgener auf Schilfgras-Ernte: Die abenteuerliche „Zaschernte“

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