Weinkellerarbeiten im guten, alten St. Georgen
Dorfblick St. Georgen
Die erste Kellerarbeit des Jahres war das „Wein-Abziehen“, d.h. das Trennen des Weines von den abgesetzten Schweb- und Trübstoffen, dem „Lager“.
Hier lagert das "flüssige Gold" der Burgenländer.
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Zu diesem Zweck musste zuerst eine Pipe „Bidn“ in das Loch des Fass-Türls eingeschlagen werden, damit der Wein in ein Gefäß ausfließen konnte. Kleine Fässer ohne Fass-Türl wurden mit dem Schlauch abgezogen, d.h. man steckte einen Schlauch in das obere Spundloch und saugte über das tiefer liegende Schlauchende den Wein ab. Das leere Fass drehte man anschießend um, und das „Lager“ (Schweb- und Trübstoffe) konnte herausfließen.
Bei einem großen Fass zog man das Lager mit einer Stange, an der ein ovales Querholz befestigt war, heraus. Sobald das Fass sauber war, krochen die Buben durch das Fass-Türl hinein, um es vom Weinstein zu säubern. Der Weinstein wurde an die Weinhändler verkauft. Er wurde zu Weinsteinsäure verarbeitet und säurearmen Weinen zugesetzt. Die gereinigten Fässer rieb man mit dem „Fassl-Fetzen“ trocken, verschloss das Türl mit „Inslatt/Inslett“, einem speziellen Türwachs („Tirlfettn“) wieder. Außen befestigte man das Türl mit einem Querholz, über das noch ein Eisenteil mit einer Schraube angebracht wurde.
Das Heranreifen des Weines wurde durch ständiges Verkosten kontrolliert, dazu trafen sich Freunde, Verwandte und Nachbarn in den Weinkellern. Dabei hat es immer auch „sonderbare Erlebnisse“ gegeben, wie Michael Leberl über eine Erzählung (Jänner 2006) von zwei Weinbauern berichtete: „Im Keller von Emmerich H. verkostete er und sein Freund Stefan H. die Weine. Aus einem Fass kamen zwei verschieden färbige Weine zum Vorschein. Der von oben mit dem Weinheber entnommene Wein war rot, wie es auch sein sollte, denn im Fass war ja auch Rotwein. Die zweite Probe entnahm der über die Pipe, die im unteren Drittel des Fasses angebracht ist und diese Probe war weiß!
Wie war es möglich, aus einem Fass Rotwein und auch Weißwein zu entnehmen. Nachdem er alle Arbeiten in seinem Kopf noch einmal abrollen ließ, konnte er das Rätsel lösen. Beim Abziehen, beim Trennen vom Lager, stiftete (Auffüllen des Fasses) er das mit Rotwein gefüllte Fass mit Weißwein von unten mit einer Pumpe auf. Durch den weinschonenden Vorgang hat sich die kleine Menge Weißwein mit dem übrigen Rotwein nicht vermischt. So war es möglich, zwei verschieden färbige Weine aus einem Fass zu verkosten.“
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