Wie ein „Unvergessliches Gespräch“ St. Georgens Identität prägte
Dorfblick St. Georgen
Das Verhältnis der Deutschen im ehemaligen westungarischen Raum zum ungarischen Staat war recht positiv gewesen, bis sich in der 2. Hälfte des 19. Jhdt. die nationalmadjarische Idee verstärkte.
Lehrer aus St. Georgen, Dir. Felix Höfer, 3. von links
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Die wohl nachhaltigste sozialpolitische Maßnahme für den westungarischen Raum, dem heutigen Burgenland und somit auch für St. Georgen war der starke Madjarisierungsdruck. Das Minderheitengesetz von 1868 war weitgehend auf dem Papier geblieben, eine Madjarisierungswelle, überwiegend von deutschstämmigen Beamten, Lehrern und Pfarrer getragen, ergriff das Land. Es galt als ungebildet und bäurisch, deutsch zu sprechen, während die Madjarisierung gleichbedeutend mit sozialem Aufstieg war. Im Wesentlichen blieben die Bauern des heutigen Burgenlands deutsch – wie auch die Wanderarbeiter, die in Wien und Niederösterreich Arbeit fanden. (Stadler R. Karl: Das Werden des Burgenlandes).
1906 wurde als amtlicher Name von St. Georgen „Lajtaszentgyörgy“ festgelegt und im Oktober ein neues Postamt im Haus von Stefan Rauchbauer, bei der Kirche eröffnet. Nach den Friedensverhandlungen von Saint Germain (September 1919) und der Ratifizierung des Vertrages von Trianon (Juli 1921) kam das Burgenland zu Österreich.
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Im März 1952 schrieb Felix Höfer, Lehrer und Befürworter der Vereinigung Deutsch-Westungarns mit Österreich: „Ich glaube das Folgende sollte der Vergessenheit entrissen werden: Es dürfte im Jahre 1911 oder 1912 gewesen sein, da standen unser 5 bis 6 Lehrer und Lehramtskandidaten - alle aus St. Georgen gebürtig – nach dem Gottesdienst vor der Kirche und plauderten. Da kam Höld-Vetter aus seinem Haus, das sich neben der Kirche befand, heraus. Wir grüßten ihn. Er dankte nicht und schien uns gar nicht zu bemerken. Plötzlich trat er mit einigen Schritten zu uns heran und sagte: „Schaumts enk, äs wollt´s Santiacher sein, und redt´s ungarisch, schaumts enk!“ Da erwiderte ich, als vielleicht der Älteste der Gruppe: „Recht haben´s Höld- Vetter, wir sollten deutsch reden.“ Ich schämte mich wirklich. Höld-Vetter war kein Politiker. Er strebte kein Abgeordnetenmandat, meines Wissens nicht einmal ein Gemeinderatsmandat an. Aus ihm sprach die Stimme des Volkes. Als ich mich im Jahre 1918 eindeutig für die Vereinigung Deutsch-Westungarns mit Österreich einsetzte, vertraute ich dem Höld-Vetter und damit dem Volk. Dem Geiste Höld-Vetters verdanken wir das Burgenland.“