Joseph Haydn und die Italienerin

Eisenstadts großer Sohn

Eisenstadt feiert dieses Jahr seinen 100. Geburtstag als Landeshauptstadt. Grund genug, um auf einen der größten Söhne der Stadt zurückzublicken. Joseph Haydn, ein Weltklassekomponist, allen bekannt. Heute wollen wir hinter sein amouröses Abenteuer mit der italienischen Mezzosopranistin Luigia Polzelli blicken.

Nina Mayer (BVZ) neben dem Haydn-Denkmal in der Bürgerspitalgasse. Die Stotzingerin Heidi Tschank kreierte das aus Marmos und Bronze gestaltete Kunstwerk 2018. Es steht in unmittelbarer Nähe des Haydn-Gartenhäuschens.

Nina Mayer (BVZ) neben dem Haydn-Denkmal in der Bürgerspitalgasse. Die Stotzingerin Heidi Tschank kreierte das aus Marmos und Bronze gestaltete Kunstwerk 2018. Es steht in unmittelbarer Nähe des Haydn-Gartenhäuschens.

© Nina Mayer

Die Liebe. Sie ist wohl eine der stärksten Kräfte und Antriebsfedern, die wir kennen. Künstlern dient sie als Schaffensansporn. Wohl wenige Große, die keine Muse hatten. Ja, auch unser geschätzter Joseph Haydn gehörte zu ihnen.

Am 31.3.1732 wurde der kleine Joseph in Rohrau geboren. Rohrau liegt zwar in Niederösterreich, aber es sei ihm nachgesehen. Sein musikalisches Talent erkannte man früh. Man schrieb das Jahr 1740 als der musikalische Direktor des Stephansdoms durch die Provinz reiste, auf der Suche nach Chorknaben. Schwupps, war Haydn Junior eingepackt und er sang fortan in der Kirche. Kastrieren wollte man ihn, ob seiner wunderbaren Stimme, Gott sei Dank sagte der Papa „nein“.

Nach dem Stimmbruch schlug sich Joseph Haydn als freischaffender Künstler anfangs mehr schlecht als recht durch, musste sogar kurzzeitig als Kammerdiener tätig sein. Wahres Können wird erkannt, sein Ansehen wuchs. Engagements auf Bällen und anderen Festen folgten, dann die Anstellung als Musikdirektor beim Grafen Karl von Morzin auf Schloss Dolni Lukovice bei Pilsen.

Joseph Haydn und die Italienerin

© Wikipedia

Hätte er nur „nein“ gesagt

1760 heiratete er im Stephansdom Maria Anna Keller. Unter uns, eigentlich hätte es ihre Schwester werden sollen, aber Madame ging ins Kloster. Tja. Glück hat's keines gebracht. Die Ehe war äußerst unglücklich, um es nett zu formulieren, zudem blieb sie kinderlos.

1761 dann die Anstellung bei der wohlhabenden Magnatenfamilie Esterhazy. Bereits 1766 wird Joseph Haydn erster Kapellmeister. Viel hat der Musikus am Hofe gearbeitet, vor allem Eisenstadt war sein Schauplatz. Komponieren stand an der Tagesordnung, die Orchesterleitung hatte über, das Spielen von Kammermusik und das Arrangieren von Opern.

Fürst Paul Anton Esterhazy und vor allem sein Nachfolger Fürst Nikolaus I. schätzten als Musikkenner und Musikliebhaber die Arbeit des Genius und gaben ihm Raum für künstlerische Entwicklung.

Lass dem Künstler seine Muse!

Viel Raum. 1779 trat die 1760 in Neapel geborene Mezzosopranistin Luigia Polzelli in den Dienst der Esterhazys, im Schlepptau ihren Mann, ein Geiger seines Zeichens. Die beiden verband nur eines: ihre Mittelmäßigkeit im Können, weshalb der Fürst die beiden wieder entlassen wollte. Dieser aber hatte die Rechnung nicht mit seinem Hofkapellmeister Haydn gemacht. Gleich nach der Ankunft der Italienerin hatte es nämlich gefunkt zwischen Joseph und Luigia, Liebe auf den ersten Blick sozusagen.

Ein Leben lang sollte das amouröse Band halten, wenngleich...

Joseph Haydn und die Italienerin

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Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben...

In der Zwischenzeit hatte sich Joseph Haydn in Eisenstadt gut eingelebt. Sogar ein Haus erwarb er, nämlich in der heutigen Haydngasse. Friedlich ging's nicht immer zu. Zu Hause sowieso nicht, denn er wollte seine Gattin partout nicht mehr an seiner Seite, aber auch die Nachbarschaft hatte so ihre Tücken. Gleich mit zwei Nachbarinnen landete er vor Gericht.

Das war nämlich so: im Hause von Joseph Haydn hatte es gebrannt. Zwei Mal gleich. Renovierungen waren erforderlich, eine Zwischenmauer der Stein des Anstoßes. Die burgenländische „Wem gehört was“-Frage kam auf. Das brachte die eine Nachbarin so sehr in Aufruhr, dass sie eines Morgens um halb fünf Uhr begann, das neu errichtete Dach des Komponisten abzutragen. Kein häuslicher Friede-Freude-Eierkuchen.

Joseph Haydn und die Italienerin

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Joseph Haydn und die Italienerin

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Natürlich war es die Schönheit, was sonst!

Der arme Joseph Haydn. Er war nämlich ein ganz ein Lieber. Von heiterem, fröhlichem Gemüt sorgte er immer für gute Arbeitsstimmung. Für Freunde und Kollegen setzte er sich ein, auch wenn die Folgen für ihn unangenehm waren. Von kleiner Statur war er, sein Gesicht von einer Pockenerkrankung von Narben übersät. Später in seinem Leben, bei einem Aufenthalt in London, sollte er sich wundern, warum so viele Frauen ihm nicht von der Pelle rückten. Nun gut, wir können es ahnen.

Aber noch war er in Eisenstadt. Und verliebt in Luigia. Eine klassische Schönheit war sie auch nicht, überzeugen konnte sie mit ihrem einnehmenden Wesen. Ihr schmales, längliches Gesicht hatte einen dunklen Teint, kastanienbraun die Haarpracht, schlank die Statur, dunkel-leuchtend die lebendigen Augen. Joseph verfiel ihr lebenslänglich.

Joseph Haydn und die Italienerin

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Und alles nur, weil ich dich liebe...

Wie gesagt, war die aus einer Künstlerfamilie stammende Mezzosopranistin nicht mit Talent gesegnet, Rollen zweiten Ranges konnte man aber verantworten. Joseph Haydn liebte: extra für sie schrieb er Ersatzarien, bearbeitete bestehende Stücke für ihre Tonlage um, machte ihr viele teure Geschenke.

1790 starb Fürst Nikolaus I. Sein Nachfolger, leider ein Musikbanause, der die esterhazysche Musikkapelle auflöste. Luigia und ihr Mann gingen nach Wien, Joseph nach England. Die Liebe zwischen Joseph Haydn und Luigia Polzelli bestand weiter. Dann der Tod ihres Mannes. Luigia setzt Joseph davon in Kenntnis. Seine Antwort: „Vielleicht wird jene Zeit kommen, die wir zwei uns so oft gewünscht haben, dass sich vier Augen schließen. Zwei sind geschlossen, aber die anderen beiden... - genug davon.“

Ja, es war tatsächlich so, dass sich Joseph Haydn den Tod seiner Frau gewünscht haben soll, genauso, wie es Luigia ihren Mann betreffend getan hatte. So groß, der Wunsch des Komponisten, wieder zu heiraten, und zwar eine Frau, die er liebte und mit der das Zusammenleben keine Qual war. Zur damaligen Zeit war man oft an unglücklichen Beziehungen gekettet, man stürzte sich in Affären, die über viele Jahre gepflegt wurden, manche bis zum Tod.

Wenn du mir, dann ich dir

Für Joseph Haydn muss es die große Liebe gewesen sein. Im Alter von 69 Jahren war Haydn noch immer in Luigia verliebt. Man soll's nicht für möglich halten.

Dann „seine Erlösung“. Die verhasste Ehefrau stirbt, der Weg für die Liebe mit Luigia scheint nach einem gelebten Leben endlich offen zu stehen. Zeilen voller Hoffnung folgten: „Teure Polzelli, vielleicht wird jetzt der Zeitpunkt kommen, den wir uns so oft herbeigesehnt haben!“

Tja, Madame hatte das Warten anscheinend zu lange gedauert. Sie sieht ihre Erfüllung nicht mehr in den Armen des Komponisten. Von berechnender Natur erpresst sie aber ein Testament. Haydn, von träumerischer, idealistischer Natur, denn die Hormone können's nach so vielen Jahre wohl nicht mehr gewesen sein, willigt ein, sieht er darin doch die Hoffnung auf den Weg zur Vermählung.

Ein wahrer Gentleman

Noch am Todestag seiner Gattin verfasste er folgendes Testament: Im Falle seines Ablebens soll Luigia die stattliche Rente von 300 Gulden pro Monat erhalten. An die Italienerin schrieb er: „Ich schätze und liebe dich wie am ersten Tag und bin immer betrübt, wenn ich nicht im Stande bin, mehr für dich zu tun.“

Ganz auf den Kopf gefallen war das Musikgenie dann aber doch nicht. Irgendwann dämmerte ihm, dass er abgezockt wurde. Er änderte sein Testament. Wer nun glaubt, dass er Luigia leer ausgehen ließ, irrt. Sechs Wochen lang bekam sie 100 Gulden, dann jährlich und auf Lebensdauer 150 Gulden. Luigias Dank war, dass sie einen anderen heiratete, nämlich einen nicht sehr wohlhabenden Sänger.

Das ist das End' vom Lied und der G'schicht und alles, was von der Liebe blieb.

Joseph Haydn und die Italienerin

© Nina Mayer, Bwag