Gedenken an das „jüdische Rust“
Gedenkinitiative Rust
Die Gedenkinitiative Rust arbeitete die Schicksale der letzten Juden im Ort auf und präsentierte die Lebensgeschichten am Dienstag im Seehof.
Die Gedenkinitiative Rust mit Frank und Renate Lissy-Honegger, Victoria Schreiner, Mario Horvath und Georg Seiler sowie Johannes Reis vom Jüdischen Museum Eisenstadt und Bürgermeister Gerold Stagl.
© BVZ, Peter Wagentristl
Das Publikumsinteresse war beim zweiten Event der Vortragsreihe der Gedenkinitiative Rust sichtbar groß: Im Seehof blieb kaum ein Sessel leer, fast 80 Menschen lauschten den Vorträgen zum „jüdischen Burgenland“ und dem „Jüdischen Rust“.
Den Anfang machte Johannes Reis mit einem historischen Überblick über die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung im Burgenland. Im zweiten Teil präsentierte die Gedenkinitiative um Victoria Schreiner, Frank und Renate Lissy-Honegger, Mario Horvath und Georg Seiler die in mühevoller Recherche zusammengetragenen Lebensgeschichten der letzten Ruster Juden.
Fast alle Schicksale nahmen dabei ein tragisches Ende: Mord, Verfolgung und Vertreibung war auch in Rust die erste Konsequenz der Machtübernahme durch die Nazis im Jahr 1938. Eine der geschilderten Lebensgeschichten war jene der Familie Weisz: Alfred Weisz war Vize-Kommandant der Ruster Feuerwehr. Bis drei Tage nach Machtergreifung der Faschisten, dann wurde er von seinem Kommandanten aus dem Dienst entlassen - noch bevor der offizielle Befehl dazu erlassen wurde, mit einem durchaus empathischen Schreiben („Mein aufrichtigster Dank für deinen Einsatz zum Schutze der Bevölkerung“). Alfreds Sohn Kurt war der letzte in Rust geborene Jude, der mit dem anwesenden Zeitzeugen Herrn Wenzel (99 Jahre) gemeinsam den Kindergarten besuchte. In die Volksschule gingen die beiden aber nicht mehr zusammen, der Schulbesuch war zu diesem Zeitpunkt für Juden bereits verboten. Die ganze Familie wurde vermutlich in polnischen Vernichtungslagern ermordet.