Gehörlose feierten Gottesdienst im Haus der Begegnung
Gehörlosenseelsorge
Das Haus der Begegnung in Eisenstadt war am Samstag wieder Treffpunkt für Gehörlose. Beim Gehörlosengottesdienst der Gehörlosenseelsorge Burgenland kommen die Menschen zusammen und haben die Gelegenheit sich untereinander auszutauschen.
Gehörlosengottesdienst im Haus der Begegnung
© Foto: BVZ/Daniel Freismuth, Daniel Freismuth
Kein Orgelspiel, keine gesungenen Lieder. Wer nun glaubt, dass ein Gehörlosengottesdienst sehr still abläuft, der hat sich geirrt. Wie ein klassische Heilige Messe steht ein Priester diesem Gottesdienst vor – mit dem einzigen Unterschied: in einfacher Sprache und gebärdensprachlicher Begleitung.
Wichitger Treffpunkt für Gehörlose
Das Treffen im Haus der Begegnung beginnt mit einer Kaffeejause in der Cafeteria. Die Leute freuen sich, altbekannte Gesichter wieder zusehen. Für Gehörlose ist dieses Treffen sehr wichtig. Schließlich ist es ein Ort, an dem sich Gehörlose begegnen und sich in ihrer Muttersprache, nämlich der Gebärdensprache, unterhalten können. Und das ganze ohne Barrieren. „Freundschaften werden gepflegt und neue Kontakte geknüpft.
Für einige ist es daher eine der wenigen Gelegenheiten, mit anderen Gehörlosen in Kontakt zu kommen und einen gesamten Tag unter gleichgesinnten zu sein.“ schildert Gabriele Leser - Pastorale Mitarbeiterin für die Gehörlosenseelsorge im Burgenland.
Rund 300 Gehörlose im Burgenland
Die Menschen kommen aber nicht nur aus dem Burgenland. Auch aus Graz, dem benachbarten Niederösterreich und Wien reisen Gehörlose zu ihrem Gottesdienst an. Im Burgenland geht man davon aus, dass rund 300 Personen gehörlos und weitere 600 Personen schwersthörig sind. Es handelt sich dabei aber um einen Schätzwert, da Gehörlosigkeit bei einer Volkszählung nicht angegeben wird.
Zurück zur Heiligen Messe. Diese findet in der hauseigenen Kapelle im Haus der Begegnung statt. Zelebrant ist Pfarrer i. R. Karl-Heinz Mück. Damit die Botschaften des Evangeliums eins zu eins bei der Gemeinschaft ankommen, wird die Predigt mit Bildern untermalt. Die Lesung und die Fürbitten werden von gehörlosen Gläubigen vorgetragen. Sogar das Vaterunser und das Glaubensbekenntnis wird gemeinsam in Gebärdensprache gesprochen. Einzig und allein auf den Gesang wird verzichtet.
Burgenland in Sachen Gehörlosen-Aktivitäten Schlusslicht
Mehrmals im Jahr gibt es Treffen vom Gehörlosenseelsorgeraum Burgenland mit Gottesdienst und gemütlichem Beisammensein. Für viele ist es ein Fixpunkt im Kalender, erklärt Gebärdensprachdolmetscherin Stefanie Euler von der Servicestelle Hand in Hand: „Im Vergleich zu anderen Bundesländern hat das Burgenland für Gehörlose noch sehr viel aufholbedarf. Bis auf die Angebote der Seelsorge gibt es keine Treffen explizit für Gehörlose.“
Viele von ihnen, vor allem jüngere, verlegen daher ihren Hauptwohnsitz nach Wien. Dort ist das Angebot an Veranstaltungen und Jobs größer als im Burgenland.
Immer ehrenamtlich mit dabei ist auch die 86-jährige Wienerin Maria Schwendenwein. Sie hat den Gehörlosenseelsorgeraum Burgenland von Stunde null an begleitet. In der Gehörlosen-Community ist sie eine Persönlichkeit. Das hängt auch damit zusammen, dass die meisten burgenländischen Gehörlosen in Wien die Gehörlosenschule besuchen und dadurch schon in der Jugendphase mit Frau Schwendenwein in Kontakt kommen.
Abgerundet wurde das Treffen mit einem gemeinsamen Mittagessen und gemütlichem Ausklang in einem Gasthaus. Der nächste Gehörlosengottesdienst findet am 13. Dezember um 11 Uhr in der Kapelle im Haus der Begegnung statt.