Der St. Georgener Kirtag in den Dreißigern, Fünfzigern und Sechzigern

Zeitreise

Der Kirtag, Georgi Tag, 23. April, war neben den hohen kirchlichen Feiertagen das herausragendste Ereignis im Jahresablauf. Der Hof wurde gesäubert, die Gasse bis zur Straßenmitte besonders genau gekehrt und vor allem wurde das ganze Haus außen neu g'weißn't, mit Kalkanstrich versehen.

Georgi-Kirtag: Ständchen vor dem Einzug in die Tanzhütte.

Georgi-Kirtag: Ständchen vor dem Einzug in die Tanzhütte.

© Jahrein-Jahraus

Bis in die 1950er Jahre wurde vor dem Kirtag die Tanzhütte im Wirtshaushof, die während des Jahres als Wagenschuppen diente, von der Dorfjugend mit Birken- und Buchenstauden umflochten und auf den Lehmboden verlegten Jugendliche einen Holzboden. Der blinde Motz-Vaida auf der Ziehharmonika und der Oberlehrer Berghofer waren vor dem Krieg die Tanzmusiker.

Bis in die 1960er Jahre spielte die Blechmusik am Kirtagstag um 15 Uhr vor dem Gasthaus drei Stücke, während die Jahrgangsburschen innerhalb eines von den Musikanten gebildeten geschlossenen Kreises miteinander tanzten. Dabei hielten sie in der hochgestreckten Hand eine Weinkaraffe. Nach dem Tanz reichten die Burschen den Musikanten den Wein. Danach erfolgte der gemeinsame Einzug in den Wirtshaushof, wo die Mädchen bereits auf die jungen Männer warteten. Diese durften die Tanzhütte nur nach Aufforderung durch einen Burschen betreten. Vor ihrem 18. Lebensjahr durfte ein Mädchen überhaupt nicht in die Tanzhütte mitgenommen werden. Die Tanzveranstaltung dauerte bis weit nach Mitternacht. Um die geschmückte Tanzhütte standen die neugierigen Frauen (neigirichen Weiwa) und beobachteten die Tanzpaare. Es war vom höchsten Interesse zu erfahren, welcher Bursche sich mit welchem Mädchen anfreundete und überhaupt …Wer mit wem…„Das nach Hause Begleiten“ des Mädchens bildete natürlich den größten Reiz,….nicht nur weil es finster war.

Jedes Jahr kamen die gleichen Schausteller „Ringlspüla“ zum Kirtag ins Dorf. Die Familie Jandraschitz aus Girm - Deutschkreutz baute die größten Belustigungen auf. Das Unternehmen Hirsch aus Kittsee stellte Ringelspiel, Schaukel, Schießbude und Standln auf. Diese Schaustellerfamilie kommt noch immer jedes Jahr nach St. Georgen.

„Bis in die 1930er Jahre gab es nur ein Ringelspiel. Es war mit Pferden und Wagen ausgestattet und wurde von Buben händisch betrieben. Als Lohn durfte nach jedem 10. Umdrehungsstück ein Treiber auf einem Pferd mitfahren. Die ersten Kettenringelspiele wurden mit Elektromotoren betrieben. Lebkuchen, Met und türkischer Honig gab es nur am Kirtag zu kaufen. Liebespaare schenkten einander als Aufmerksamkeit Herzen und Reiter aus Lebkuchen.“ (Josef Stiglitz)

Der St. Georgener Kirtag in den Dreißigern, Fünfzigern und Sechzigern

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