Ruster Stadtarchiv bekommt ungarische Verstärkung

Geschichte

Seit knapp einem Jahr wird das Ruster Stadtarchiv unter dem Seehof durchforstet und nach wissenschaftlichen Standards archiviert. Das Duo hinter dem Projekt, Wolfgang Bachkönig und Martin Krenn, hat dabei nun vorübergehend einen dritten im Bunde.

Historiker Martin Krenn, Student László Glück und Chronist Wolfgang Bachkönig mit einem spannenden Zeitdokument.

Historiker Martin Krenn, Student László Glück und Chronist Wolfgang Bachkönig mit einem spannenden Zeitdokument.

© BVZ/Wagentristl, Peter Wagentristl

Schon alleine das Gemäuer ist historisch, in dem sich das Ruster Stadtarchiv befindet. Unterhalb des Ruster Seehofs, wo die Freistadt eines der bedeutendsten Archive des Burgenlands aufbewahrt. Das Triumvirat Historiker Martin Krenn, Student László Glück und Chronist Wolfgang Bachkönig machen das, was sie hier meistens tun: sie wühlen in alten Dokumenten, meist noch nicht sortiert. In diesem Fall ist es ein loser Zettel, der die Neugier der drei erweckt hat.

Aktenvermerk brachte die Archivare auf die Spur eines Mordes

Ein Aktenvermerk des „Kapitány “, des Polizeikommandanten, aus 1878 - der auf einen Mord hinweist. Das Problem: die dazugehörigen Akten könnten überall sein, auch in Ungarn. Denn das Burgenland war damals bekanntlich noch ungarisch, Rust ist zwar eine Freistadt, Gerichtsakten aus dem Nordburgenland finden sich aber auch in Sopron, Györ oder Moson.

Ruster Stadtarchiv bekommt ungarische Verstärkung

© BVZ/Wagentristl, Peter Wagentristl

Als wäre das noch nicht kompliziert genug, sind die Akten bis 1921 auch noch konsequent auf ungarisch verfasst und in Kurrentschrift handgeschrieben. „Das ist für uns natürlich unmöglich zu entziffern“, erklären Krenn und Bachkönig. Hier kommt der ungarische Neuzugang Laszlo Glück ins Spiel. Er beschäftigt sich als Forscher vor allem mit der Geschichte der ungarischen Freistädte im 17. Jahrhundert. Dazu zählt auch Rust.

Derzeit absolviert Glück im Rahmen seines Masterstudiums Archivwissenschaften am Institut für österreichische Geschichtsforschung in Wien ein Pflichtpraktikum - für das Ruster Stadtarchiv ein absoluter Glücksgriff. Für ein Monat steht er Krenn und Bachkönig nun mit Rat und Tat bei der korrekten Archivierung des Fundus unter dem Ruster Seehof zur Seite.

Ruster Stadtarchiv bekommt ungarische Verstärkung

© BVZ, Peter Wagentristl

Hier gibt es unzählige Schätze, allerdings meist nicht gerade leicht auffindbar: „Wir müssen die Schätze zuerst ausgraben, dann inventarisieren, sortieren und schließlich korrekt archivieren“, erklärt Bachkönig. Krenn, der an der Privaten Pädagogischen Hochschule (PPH) Burgenland in Eisenstadt lehrt, ergänzt: „Was einmal falsch eingeordnet wird, ist schwer bis gar nicht mehr auffindbar.“

Glück ist auch für die Zusammenarbeit mit Kollegne aus Ungarn, allen voran in Sopron, eine große Hilfe. Seine beiden Kollegen im Ruster Stadtarchiv hoffen nun, dass ihnen der neue ungarische Kollege auch nach dem Pflichtpraktikum in der ein oder anderen Form erhalten bleibt und mit Rat und Tat zur Seite steht.