Landwirtschaft 2026 zwischen EU, Freihandel und der Zukunft am Hof

„Jahr der Entscheidungen“

Die Landwirtschaftskammer Burgenland (LK) zog in ihrer jüngsten Pressekonferenz Bilanz über das Agrarjahr 2026 und richtete einen dringenden Appell an die Politik in Brüssel und im Land. Unter dem Titel „Ein Jahr der Entscheidungen“ standen die Themen europäische Agrarpolitik, internationale Handelsabkommen und die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit im Fokus.

Blickten gemeinsam auf die kommenden Herausforderungen im Agrarbereich: Hannah Bruckner (Landesleiterin-Stv. Landjugend), Maximilian Weiss (Landesleiter Landjugend), LK-Vizepräsident Werner Falb-Meixner, LK-Präsident Nikolaus Berlakovich, Landesbäuerin Christine Riepl und LK-Kammerdirektor Martin Burjan (v. l.).

Blickten gemeinsam auf die kommenden Herausforderungen im Agrarbereich: Hannah Bruckner (Landesleiterin-Stv. Landjugend), Maximilian Weiss (Landesleiter Landjugend), LK-Vizepräsident Werner Falb-Meixner, LK-Präsident Nikolaus Berlakovich, Landesbäuerin Christine Riepl und LK-Kammerdirektor Martin Burjan (v. l.).

© BVZ/Kaiser

LK-Präsident und Vizepräsident des europäischen Landwirtschafts-Dachverbandes COPA, Nikolaus Berlakovich, sprach von der strategischen Bedeutung der Ernährungssicherheit für die EU, zeigte sich jedoch besorgt über aktuelle Pläne aus Brüssel: „Die Vorschläge, die dazu auf den Tisch gekommen sind, haben uns nicht gefreut. 60 Prozent mehr für die Verteidigung und 20 Prozent weniger für die Landwirtschaft – das ist ein falsches Signal.“ Er erinnerte an die größten Bauerndemos, die Brüssel und in weiterer Folge auch das Burgenland gesehen haben, und betonte, dass es um die generelle Wettbewerbsfähigkeit gehe.

Berlakovich kritisierte Handelsabkommen wie Mercosur scharf und wies auf die ungleichen Standards hin, etwa den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in Südamerika, die in Österreich seit 20 Jahren verboten sind. Auch die brasilianischen Behörden würden den Hormoneinsatz bei Zuchttieren nicht ausreichend kontrollieren können.

Wettbewerbsverzerrung und Selbstversorger-Status in Gefahr

Vizepräsident Werner Falb-Meixner, der seit 1969 einen Betrieb führt, unterstrich das: „Handel ja, aber unter fairen und gleichen Rahmenbedingungen,“ forderte Falb-Meixner und wies darauf hin, dass ein Ackerbauer, der früher im Bezirk Neusiedl mit 20 Hektar überleben konnte, heute 100 Hektar benötige – ein klarer Trend zu weniger, aber größeren Betrieben. So seien die derzeit 1.770 Haupterwerbs- und über 5.000 Nebenerwerbsbetriebe zwar deutlich weniger als noch vor 20 Jahren, würden aber gleich viel, wenn nicht sogar mehr, Ertrag liefern.

Ein weiteres Problem sei die Düngerpolitik mit der geplanten CO2-Steuer auf Einfuhr von Dünger, deren Aussetzung die LK fordere. „Wir sind in Österreich mittlerweile nicht mehr Selbstversorger und müssen Getreide importieren. Eine CO2-Steuer auf Dünger macht das noch schlimmer,“ so Berlakovich.

Positives berichtete Berlakovich über den neuen 5-Jahres-Vertrag mit dem Land, der Effizienzsteigerungen beinhaltet und eine Erhöhung der Mittel auf drei Millionen Euro (inklusive Inflationsausgleich) vorsieht. Kammerdirektor Martin Burian beleuchtete die internen Bemühungen der LK, sich mit einem „Zukunftsdialog“ effizienter und zukunftsfitter aufzustellen, um neue Erkenntnisse aus Recht und Wissenschaft an die Mitglieder weiterzugeben.

Stärkung der Bäuerinnen und Weiterbildung

Landesbäuerin Christine Riepl nutzte die Pressekonferenz als Auftakt zum „Jahr der Bäuerin“. Sie hob hervor, dass 50 Prozent der weltweit produzierten Lebensmittel von Frauen erzeugt werden, diese aber oft weltweit bei Landzugang und Rechten benachteiligt seien. Es gehe um ein Miteinander auf Augenhöhe, die Stärkung der sozialen und rechtlichen Absicherung sowie der Pflege- und Bildungsarbeit. Vor allem Bäuerinnen seien die treibende Kraft hinter der Diversifizierung der Höfe, etwa bei Urlaub am Bauernhof oder Green Care.

Für die Jugend richtete Maximilian Weiss, Landesleiter der Landjugend Burgenland, einen Appell an die junge Generation: „Landjugend kann man nicht verstehen, muss man fühlen. Tuts was\! Gemeinsam was zu erschaffen ist das Universalkonzept für ein erfülltes Leben.“ Er betonte die Verbindung von Innovation (Networking) und Tradition (Maibaumstellen, Osterfeuer).