41-Jähriger schlug Frau und Töchter
Jetzt verurteilt
14 Jahre lang musste im Raum Eisenstadt eine Frau unter der Gewalt ihres Ehemannes leiden. Er schlug auch seine Töchter.
Der 41-Jährige bekannte sich vor Gericht schuldig und entschuldigte sich unter Tränen bei seiner Frau.
© BVZ/Kirchmeir
Am 17. August 2024 waren die Schläge so schlimm, dass eine Tochter des 41-Jährigen ins Krankenhaus musste. Eine Verletzungsanzeige wurde erstattet, der Familienvater erhielt eine polizeiliche Wegweisung und musste sich am Montag, 20. Jänner 2025, wegen fortgesetzter Gewaltausübung, Körperverletzung und Nötigung am Landesgericht verantworten.
Von 2010 bis zur vorläufigen Trennung des Paares hatte der gebürtige Iraker, der bereits über die österreichische Staatsbürgerschaft verfügt, seine Frau verletzt und misshandelt. Die Frau berichtete, dass ihr Ehemann sie zirka alle zwei Monate geohrfeigt und an den Haaren gerissen habe. Sie erlitt Rötungen, Hämatome und Kopfschmerzen.
Die beiden Töchter wurden ebenfalls geschlagen. Am 17. August 2024 versetzte der Angeklagte einer Tochter mehrere Ohrfeigen gegen das Gesicht und schlug ihr mit dem Handy gegen die Schläfe. Auch soll er die Jugendliche getreten haben. Mit diesem Gewaltausbruch wollte der Vater erzwingen, dass die Tochter ihr Handy entsperrt. Aufgrund der Verletzungen musste die Jugendliche im Krankenhaus behandelt werden.
„Sie haben Ihrer Gattin 14 Jahre lang Ohrfeigen versetzt und sie an den Haaren gezogen und Ihre Töchter jeweils zwölf Mal geschlagen. Dazu kommen die Vorfälle im August. Wieso haben Sie das getan?“, fragte die Richterin den Angeklagten, nachdem sich dieser zu allen Vorwürfen schuldig bekannt hatte.
„Ich habe mir nicht zu helfen gewusst“, sagte der Angeklagte. „Wenn es mit Worten nicht ging, glaubte ich, dass ich mit Ohrfeigen etwas erreiche.“ Er habe auf diese Art Gehorsam erzielen wollen. „Ich erreichte aber nicht Respekt, sondern Angst“, zeigte sich der Angeklagte einsichtig.
„Wurden Sie selbst als Kind misshandelt“, fragte die Richterin.
„Mein Vater hat mich auch geschlagen“, gab der Angeklagte zu.
„Wie empfanden Sie es, als Sie als Kind geschlagen wurden?“, fragte die Richterin.
„Negativ“, berichtete der Angeklagte.
„Und was glauben Sie, wie Ihre Kinder es empfanden?“, hakte die Richterin nach.
„Negativ“, bestätigte der Angeklagte.
„Das Schlimme ist, dass Ihre Kinder das schon als normal empfanden, dass der Vater ausrastet, wenn man in der Schule schlechte Noten hat“, hielt ihm die Richterin vor.
Eine der Töchter hatte bei der auf Video aufgezeichneten Befragung Folgendes angegeben: „Bei schlechten Noten ist er ausgerastet. Oder wenn das Essen nicht passte. Bei Kleinigkeiten schreit er uns nur an. Wenn es ganz schlimm ist, schlägt er zu.“
„Ich wollte nicht, dass die Kinder schlechter sind... Sie müssen das verstehen...“, sagte der Angeklagte.
„Das kann ich nicht verstehen!“, erklärte die Richterin.
„Über einen so langen Zeitraum... was ich gemacht habe... bereue ich sehr“, stammelte der Angeklagte.
„Sie hatten 2020 ein Verfahren in Wien mit den fast identen Vorwürfen“, hielt die Richterin dem Angeklagten vor. „Das Verfahren wurde damals eingestellt, weil alle ihre Vorwürfe zurückgezogen haben“, sagte sie.
„Es gab mir zu denken, aber ich habe es nicht ernst genommen“, gab der Angeklagte zu. „Ich realisierte nicht, dass durch so eine Handlung die Familie auseinandergerissen werden kann.“
Seine Frau sei aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen, da habe er gemerkt, „dass sie es ernst meint“, so der Angeklagte. Er habe auch verstanden, dass die Kinder unter seiner Gewalt litten. „Deshalb bin ich zur Gewaltprävention gegangen“, berichtete er. „Ich lernte, dass man mit Watschen nichts erreichen kann.“
Die Richterin holte die Frau des Angeklagten in den Gerichtssaal, damit sich dieser bei ihr entschuldigen konnte. „Ich entschuldige mich nicht nur persönlich bei dir, sondern auch vor Gericht. Ich werde dich und die Kinder nie mehr schlagen“, beteuerte der Angeklagte. „Ich werde dich respektvoll behandeln“, versprach er unter Tränen.
„Ich nehme es an“, sagte seine Gattin.
Die Richterin verurteilte den 41-Jährigen zu sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung. Er erhielt außerdem die Weisung, das begonnene Anti-Gewalttraining fortzuführen. Der Angeklagte nahm dieses Urteil an.
Das Gewaltschutzzentrum Burgenland erreichen Sie unter:
Telefon: 03352 31420
Informationen finden Sie unter: www.gewaltschutz.at