So toll wie traurig: Architektur-Expo im Jüdischen Museum Eisenstadt

Jugendstil

Mit der Ausstellung „Jüdische Architektur in der Donaumonarchie“ richtet das Jüdische Museum Eisenstadt den Fokus auf rund ein Dutzend jüdische Architekten, die das Stadtbild Wiens und anderer Orte nachhaltig im Jugendstil geprägt haben – und doch oft weitgehend unbekannt geblieben sind. Ihre Lebenswege endeten vielfach tragisch: in Lagern, im Exil oder durch Suizid nach der Machtübernahme der Nazis.

Der Historiker und Fotograf, Professor Peter Schubert, mit seiner Gattin Ruth vor seinem Foto eines Gebäudes von Marcell Komor. Der Budapester Architekt wurde von den Nazis bei einem Todesmarsch 1944 in Deutschkreutz erschossen.

Der Historiker und Fotograf, Professor Peter Schubert, mit seiner Gattin Ruth vor seinem Foto eines Gebäudes von Marcell Komor. Der Budapester Architekt wurde von den Nazis bei einem Todesmarsch 1944 in Deutschkreutz erschossen.

© BVZ/Kaiser

Die Frage, ob denn einer der Architekten einen Burgenland-Bezug habe, bringt auch den ausgewiesenen Jugendstil-Experten und Ausstellungs-Kurator Peter Schubert leicht ins Schwitzen. Jugendstil-Bauten waren Ausdrucksform des städtischen Bürgertums, davon gab es in ganz Deutsch-Westungarn großteils nur eines Ödenburg. Im heutigen Burgenland würden sich zwar Anklänge in Mattersburg finden, aber das sei natürlich nicht zu vergleichen mit den Monumentalbauten Wien, Budapests oder Pressburgs.

Ob es denn keine Architekten aus dem heutigen Burgenland gegeben habe, die sich dem Jugendstil verschrieben hätte? In der Lustgasse im Jugendstilbezirk Wien-Josefstadt habe sich einer verewigt, allerdings kein großer Name, der sich weltweit in Architektur-Atlanten wiederfände.

Also gar kein Burgenland-Bezug? „Da wäre Marcell Komor“, räuspert der Professor sich, „der wurde als Jude bei einem Todesmarsch von Nazis in der Gegend von Deutschkreutz erschossen.“

Man bekommt im Jüdischen Museum eben immer die volle Gefühlspalette mit. Und die kommt nun mal nicht ohne Betroffenheit aus, die ausgestellten Biografien erzählen ja nicht nur von künstlerischer Brillanz, sondern auch vom gesellschaftlichen Ausschluss: Arthur Baron etwa, der mit dem Schiff nach Palästina floh, wurde von britischen Behörden auf die Insel Mauritius deportiert, wo er 1944 im Lager verstarb – ein Einzelschicksal, das mit einem Film zur „Exodus“-Thematik auch dokumentarisch eingebettet ist.

Ernst Epstein wiederum beging Selbstmord nur einen Tag nach dem Inkrafttreten der NS-Rassengesetze. Isidor Giesskann überlebte als einer der wenigen das Konzentrationslager Theresienstadt. Und Theodor Schreier, der unter anderem die Synagoge in St. Pölten plante, wurde im KZ ermordet – seine Synagoge überlebte dank Denkmalschutz und konnte originalgetreu rekonstruiert werden.

Die ausgestellten Werke reichen von heute kaum bekannten Wohnbauten bis zu bekannten Objekten wie dem Haus der Anker-Uhr oder den Sophien-Sälen (Ernst Gotthilf), dem Camera Club Gebäude von Leopold Fuchs oder dem Nestroyhof von Oskar Marmorek. Letzterer, ein Zionist und enger Freund Theodor Herzls, soll sich auch bei einer Expedition zur jüdischen Besiedlung für Tel Aviv eingesetzt haben.

Viele der Bauten wurden lange übersehen oder verkannt – mit Reaktionen wie „Drinnen ist es schöner“ oder „Wieso fotografieren Sie das?“ sei er von Passanten bedacht worden, als er die Fotos für die Ausstellung machte.

Insofern ist ein Besuch in der Ausstellung nicht nur spannend, lehrreich, traurig und doch schön, sondern - wie immer im Jüdischen Museum - auch ein Statement gegen das Vergessen.

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