Feminismus ist auch Männersache

Kolumne

Online-Chef Peter Wagentristl schreibt diesmal in seiner (sehr) unregelmäßig erscheinenden Kolumne aus einer männlichen Perspektive über den Weltfrauentag und freut sich schon auf einen Shitstorm alter weißer Männer, denn es kommt auch das Wort „gendern“ vor - mit positivem Bezug!

Der Autor dieser Zeilen, hier beim Schnuppern an einem Oleander, mit einer anderen Einschätzung zum Weltfrauentag als seine blumige Kollegin Nina Mayer.

Der Autor dieser Zeilen, hier beim Schnuppern an einem Oleander, mit einer anderen Einschätzung zum Weltfrauentag als seine blumige Kollegin Nina Mayer.

© prünsn

Als Online-Fuzzi habe ich zwangsläufig einen Überblick darüber, was auf bvz.at so passiert - und damit auch einen ziemlich guten Einblick, was im Burgenland vor sich geht. „Da schau her, dort tut sich auch einmal was“, denk ich mir dann oft, wenn etwa einmal eine Meldung aus Mogersdorf eintrudelt oderin Markt Neuhodis jemand ein Musikvideo veröffentlicht.

Und viel zu oft denke ich mir: „Nicht schon wieder!“ Nämlich dann, wenn die männlichen Minderwertigkeitskomplexe statt in Selbstkritik in Gewalt gegen Frauen münden.

Feminismus ist auch Männersache

© VGA

Alleine seit 1. Feber waren es auf bvz.atzwölf Artikel über (sexualisierte) Gewalt gegen Frauen.Dabei werden nicht alle Übergriffe gemeldet, nicht jede Anzeige führt zur Anklage, nicht jeder Gerichtsprozess landet in der BVZ. Die Dunkelziffer liegt viel, viel höher.

Am liebsten würde ich beim Lesen solcher Artikel den Laptop einschlagen. Ziemlich dämlicher und typisch männlicher Bewältigungsmechanismus. Vielleicht habe ich – ebenso typisch männlich – auch einfach nie gelernt, emotionale Belastungen vernünftig zu verarbeiten.

Und all die dummen Verhaltensmuster, die man als Mann eben lernt, muss man aktiv, in ziemlich schmerzlicher Selbstreflexion hinterfragen. Immer und immer wieder. Dann kommt man vielleicht drauf, dass die beiläufige Bemerkung über die Kollegin, der Small Talk an der Bar, wie man sitzt (Manspreading) oder wie man schreibt (gendern) aus männlicher und weiblicher Perspektive doch sehr anders beurteilt wird. „DefMa“, also Definitionsmacht, heißt das in der feministischen Theorie. Was Belästigung ist, entscheidet nicht der Belästiger, was Diskriminierung ist, definiert die Diskriminierte.

Übrigens: die Täter bei Femiziden sindzu 93 Prozent (!) der Ex, der Partner oder Verwandte. Wer hier rassistische Narrative spinnt, hat das Problem nicht verstanden. Oder will es nicht verstehen.

Als Mann wird man nicht geboren, als Mann wird man sozialisiert. In diesem Sinne: alles Gute zum internationalen Frauentag, liebe Mitmänner. Der geht nämlich auch uns etwas an.

BVZ-Kolumnistin Nina Mayer vertritt im Gegensatz zu Kolumnist Peter Wagentristl den Standpunkt, „dass das immer stärker ausgeprägte Emanzentum etwas zerstört“ und „Männer in die Defensive geraten“: