Bitte, Chrisi Reinprecht, spiel uns was!

Künstlerportrait

Es gibt Menschen, die machen unsere Welt zu einem besseren Ort. Einer davon ist der Mörbischer Christopher Reinprecht. Wegen einer Muskelerkrankung dient ihm ein Rollstuhl als Fortbewegungsmittel, der ihn aber nicht darin hindert ein erfülltes, glückliches Leben, geprägt von künstlerischem Tun, zu führen.

Christopher Reinprecht ist Musikant mit Leib und Seele. Am Keyboard spielt er Schlager genauso wie Rock 'n' Roll und sorgt damit auf jedem Fest für gute Unterhaltung.

Christopher Reinprecht ist Musikant mit Leib und Seele. Am Keyboard spielt er Schlager genauso wie Rock 'n' Roll und sorgt damit auf jedem Fest für gute Unterhaltung.

© Nina Mayer

48 Jahre ist Christopher Reinprecht alt. Seine Kindheit verbrachte er in Mörbisch, besuchte zuerst die Schule in Rust, später in Wien. Physiotherapie stand an der Tagesordnung. Unterkriegen ließ sich der unglaublich sympathische Mann nie. Situationen gehören gemeistert, jammern kennt er nicht. Eine bewundernswerte Lebenseinstellung, an der man sich ein Beispiel nehmen sollte.

Seit 30 Jahren wohnt Christopher während der Woche in einer Wohngemeinschaft von „Rettet das Kind“ und schenkt seine Kreativität der Werkstatt derselben Organisation. Montags bis freitags heißt es dort von in der Früh bis nachmittags arbeiten. Sein Tun macht Christopher Reinprecht Spaß, hat er doch unglaubliches Talent im Umgang mit Holz. Dekorationen aller Art, wie Laternen, Gartenstecker und ähnliches fertigt er an, zaubert mit Hilfe einer Laubsäge filigrane Kunstwerke.

Bei Weihnachts- und Ostermärkten, aber auch wochentags während des gesamten Jahres, kann man die handgefertigten Produkte in der Neusiedler Straße 60 käuflich erwerben.

Bitte, Chrisi Reinprecht, spiel uns was!

© Nina Mayer

Einer, der die Welt besser macht

Hat er frei, trifft man Christopher des Öfteren in der Eisenstädter Hauptstraße, wo er es liebt, Veranstaltungen zu besuchen. Immer hat er ein liebes Wort und ein bezauberndes Lächeln für sein Gegenüber parat, wodurch es ihm gelingt, dass es seinen Gesprächspartnern nach einem Plausch mit Christopher besser geht als davor. Welch unendlich wertvolle Gabe!

Christopher Reinprechts Herz gehört der Musik. Bereits als Kind ließ er keine Operette auf der Seebühne in Mörbisch aus, kennt alle Stücke auswendig. Franz Bauer-Theussl war langjähriger Dirigent der Seefestspiele Mörbisch. Früh erkannte er das musikalische Talent des Kindes und forderte die Eltern auf: „Meine Güte! Lasst Christopher musikalisch erziehen!“ Als Motivation schenkte er ihm einen originalen Dirigentenstab von ihm. Eine große Freude für den Jungen.

Musikant im Herzen

Christopher fährt mit seinem elektrischen Rollstuhl selbst zu den Vorstellungen zur Seebühne oder auch schon mal baden an den Strand. 30 Minuten benötigt er dafür, kein Problem oder Hindernis für den Musikanten, der ein wahrer Künstler am Keyboard ist. Wie es dazu kam? Bereits als Kind wusste er: „Ich werde Musikant!“

Von ganzem Herzen wünschte er sich eine Musiklehrerin und siehe da, der Wunsch ging in Erfüllung. Sabine Gabriel unterrichtete ihn, trat mit ihm als das Duo „Keykiss“ gemeinsam auf. Zum Beispiel in der Mörbischer Kirche. Pfarrer Treu war eine enge Bezugsperson von Christopher und sorgte dafür, dass sein junger Freund bei Festen und Feiern im Gotteshaus die musikalische Untermalung bieten konnte.

Aber auch bei anderen Festen sorgt Christopher für Stimmung. Zum Beispiel bei „Gans Mörbisch“ im letzten Jahr. Schlager und Rock 'n' Roll liebt er, „Let's twist again“, spielt er genauso wie „Er hat ein knallrotes Gummiboot“ oder Seminos „Rot, rot, rot, rot sind die Rosen“. Noten braucht er keine, alles spielt er nach Gehör.

Bitte, Chrisi Reinprecht, spiel uns was!

© Nina Mayer

Musik heilt die Seele

Musik bedeutet für Christopher Reinprecht Glück. Ist er traurig, heitert sie ihn auf, ist er glücklich, vermag Musik ihm dieses Gefühl nach außen zu transportieren. Als Kind spielte er im „No Problem Orchester“, einer Formation aus Menschen mit Handicap, elektronisches Schlagzeug. Viel kam er dadurch bei Auftritten mit diesem in der Welt herum. Belgien, Deutschland und Italien waren nur einige Länder, die bereist wurden.

Apropos reisen: Im August geht es mit der „Rettet das Kind“-Familie nach Bibione. Fünf Tage lang gilt es dann den Sommer in vollen Zügen zu genießen, Eis zu essen und im Meer zu baden. Sehr freut sich Christopher schon darauf, denn alle gemeinsamen Urlaube der letzten Jahre waren ein Erlebnis, Bulgarien ebenso wie Tunesien oder Ägypten.

Sogar im Eisenstädter KUZ hatte er unlängst einen Auftritt. Im Zuge der Aufführung des Musicals „Cloud“ wurden moderne Tänze vorgeführt.

Bitte, Chrisi, spiel etwas für uns!

So darf man sich schon sehr freuen, wenn Christopher Reinprecht demnächst wieder mit seinem musikalischen Können und seinem sonnigen Gemüt jede Veranstaltung zu einer schöneren werden lässt, denn das ist das Einzige, das im Leben zählt. Freude und Liebe in die Welt bringen, viel mehr liegt nicht in unserer Macht!

Bitte, Chrisi Reinprecht, spiel uns was!

© Nina Mayer