Familie Serafin: In Liebe und Musik verbunden
KÜNSTLERPORTRAIT
Das gibt es in Österreich wohl nur einmal, dass einer Familie zwei burgenländische Intendanten entspringen. Natürlich wissen Sie, von wem die Rede ist: „Mr. Wunderbar“ Harald Serafin, der 20 Jahre lang den Seefestspielen Mörbisch vorstand, und dessen Sohn Daniel Serafin, der seit sechs Jahren das Amt des Intendanten der „Oper im Steinbruch“ St. Margarethen bekleidet. Und als Zuckerl für unsere Geschichte gesellte sich „Mrs. Wunderbar“, Inge Serafin, auch zum Interview.
Ingeborg und Harald Serafin besuchten die Premiere von "Der fliegende Holländer". Ihr Sohn Daniel Serafin zeichnet als Intendant verantwortlich für die Produktion. Nina Mayer (BVZ) hatt die Freude eines Interviews mit ihnen.
© Nina Mayer
Es ist eine liebevolle, enge Verbindung, die innerhalb der Familie Serafin herrscht. Davon zeugen schon die Kosenamen, die benutzt werden. Daniel Serafin nennt seinen Vater „Bärli“, Harald Serafin seine Gattin „Mausi“. Ein prägendes Element, das die Familie verbindet, ist die Musik.
Das war schon in Harald Serafins Kindheit so. Sein Onkel und seine Tante waren Sänger, seiner Mutter kam bei der Gesangskarriere die amouröse Verbindung zu Haralds Vater dazwischen. Dennoch sang sie ein Leben lang, unter anderem in den Pausen im Textilgeschäft der Familie. Das prägte.
Der Weg führte schon früh ins Burgenland
Noch fruchtbarer war dieser Boden in Daniel Serafins Kindheit, der von klein auf die Liebe zur Musik förmlich aufsaugte. Gesangsproben seines Vaters versuchte er bereits im Kindergartenalter, durchaus mit Erfolg, zu imitieren, im Volksschulalter verbrachte er mit seiner Mutter die Ferien in Mörbisch, wo sein Vater als Sänger auftrat und später als Intendant tätig war.
Natürlich wählte Daniel Serafin beruflich den musikalischen Weg. Er studierte Gesang und Schauspiel am Mozarteum Salzburg, am Konservatorium Wien sowie an der New Yorker Juilliard School, die er mit dem Bachelor of Music und dem Master of Arts abschloss.
Harald Serafin, der übrigens als Kleinkind mit seiner Familie aus dem sowjetisch besetzten Litauen fliehen musste, beugte sich kurz dem Wunsch seiner Familie und begann ein Medizinstudium, doch die Leidenschaft zur Kunst war zu groß, um nicht auf Gesang umzuschwenken. Natürlich war es die richtige Entscheidung und so tönte sein unverkennbarer Bariton auf großen Bühnen. Seine Leidenschaft galt besonders der Operette.

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Der Oper im Herzen verbunden
Daniel Serafin bediente als Sänger ein breites Repertoire. An den Wiener Kammerspielen und am Theater an der Wien war er Ensemblemitglied, weltweit trat er an großen Opern- und Konzerthäusern auf. Operetten- und Musicalrollen spielte er, seine Passion aber fand er in der Oper. Für Daniel Serafin hat sie den größten Stellenwert. Auf eine 500-jährige Geschichte kann sie zurückblicken und der Künstler ist sich sicher, dass ihr noch eine lange Zukunft beschert sein wird.
Dass er einmal im Burgenland landen würde, hätte Daniel Serafin nie gedacht. Die Wege des Schicksals kennt niemand, planen kann man, meist aber kommt alles anders. Die Unternehmensgruppe Esterhazy engagierte ihn und 2019 wurde er Intendant der „Oper im Steinbruch“ in St. Margarethen. In seinem Tun geht er auf. Er beschreibt das Singen als eindimensionalen, oft durch einen Dirigenten in Schranken gewiesenen Akt. Wenig künstlerische Freiheit sei gegeben, subjektive Wahrnehmung dominiert das Tun.

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Immer Neues einfallen lassen
Als Intendant und Leiter der Produktion hat man die Möglichkeit bunt zu gestalten, kann sich kreativ in all seinen Facetten und Vorstellungen ausleben, um Produktionen zu ermöglichen, die das Publikum begeistern und in ihren Bann ziehen. Wichtig sei es aber, mit der Zeit zu gehen, damit man nicht „mit der Zeit geht“. Altes Publikum wertzuschätzen, aber neues dazuzugewinnen, das ist es, worauf es ankommt.
Verglichen wurden Harald und Daniel Serafin nie. Erstens bedienen die beiden unterschiedliche Genres, zweitens sind sie komplett unterschiedliche Charaktere, die beide unbeirrt ihren eigenen Weg gegangen sind.
Ein Charmeur, der seinesgleichen sucht
Ein Weg führte Harald Serafin zu Dancing Stars. Als charmanter Juror flogen ihm dort die Herzen aller zu. Selbst für wenig tanzbegabte Paare hatte er ein liebes Wort übrig, oft lautete dieses „wunderbar“. Das gefiel, amüsierte und brachte Harald den Titel „Mr. Wunderbar“ ein. Durchaus passend. Meist lacht der Charmeur, immer hat er einen Scherz auf den Lippen, nie ist er um ein Kompliment verlegen, dafür liebt man ihn. Ein Charmeur der alten Schule, da geht einem wahrlich das Herzerl auf!
Otto Schenk erkannte sein komödiantisches Talent früh und machte ihn zum singenden Bonvivant der Operette. Eine Freundschaft, die ein Leben lang hielt. In seiner Intendantenzeit bei den Seefestspielen Mörbisch bekleidete er zur Freude des Publikums stets selbst eine Rolle und sorgte dabei mit seiner unverkennbaren Stimme und seinem Humor für großes Hallo.
Aber auch Herzschmerz nahm man ihm ab. Unvergessen sein „S'ist einmal im Leben so, andren geht es ebenso, was man möcht' so gern, liegt so fern“. Das „Weiße Rössl“ war nur eines seiner unzähligen Stücke, die er auf die Bühne brachte.

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Auch „Mausi“ hat's probiert
Ob „Mausi“ Inge Serafin auch singt? Leidenschaftlich, aber falsch, wie sie selbst zugibt. Im Chor ließ sie ihren Sopran begeistert ertönen, doch der Chorleiter war nicht so begeistert wie Inge selbst. Ein Jammer! Macht nix, meint die lachend. Ich habe in meiner zweiten Ehe den Platz gefunden, an den ich gehöre. Dankbar ist sie, in einer musikalischen Familie leben zu dürfen, unglaublich stolz auf ihre beiden erfolgreichen Männer.
Als Eltern kann man die Basis vorbereiten, einen nahrhaften Boden bereitstellen. Ohne Talent und persönliches Engagement nützt aber all das auch nichts. Daniel Serafin wurde das Talent geschenkt und er entfaltete es nach eigenen Vorstellungen. Gegenseitiges Verständnis in der Familie hat es immer gegeben, ging's mal turbulent zu, war Humor immer ein guter Berater.
Das Wagnis mit Wagner
Auch in diesem Jahr sind Daniel Serafins Eltern mit dabei. Unsagbar freuen sie sich schon auf das musikalische Feuerwerk, das ihr Sohn zünden wird. Seine Wahl, Wagner zu wagen, heißen sie gut. Übrigens werden zum ersten Mal im Steinbruch Wagnerklänge zu hören sein. Jedes Jahr „Aida“ oder „Carmen“ sei keine Option, ist der St. Margarethen-Intendant überzeugt. Daran lässt sich irgendwann nicht mehr wachsen.
Es kommen Zeiten im Leben, da muss man eine Zensur machen, ein bestehendes System durcheinanderbringen, um es nicht durch Langeweile zu zerstören. Dem Publikum zeigen, dass es mehr gibt, das man gemeinsam entdecken kann. Also Wagner. Es gilt sich einzulassen, dann wird man in einen Bann gezogen, der einem Sog gleichkommt.

© Nina Mayer, Nina Mayer
Ein kleiner Vorausblick
Und nächstes Jahr? Auf Giacomo Puccinis „Tosca“ darf man gespannt sein. Serafin spannt den Bogen zu Mörbisch, wo Intendant Alfons Haider mit einem „Käfig voller Narren“ sein Publikum unterhalten wird. Auch Tosca gleiche einem Käfig voller Narren, lacht Serafin. Liebe, Herzschmerz, Eifersucht, Verzweiflung, das nie enden wollende Spiel. Bestimmt wird Daniel Serafin wieder einen Weg finden, dieses dem Publikum schmackhaft zu machen.
Anregungen hat er seinem Vater schon in dessen Intendantenzeit in Mörbisch gegeben. Zwei Kunstbegeisterte, zu schade, würden sie sich nicht austauschen und intellektuell befruchten. Natürlich gibt es wie in jeder anderen Familie auch Diskussionen, aber auf, man muss das Wort bemühen, wunderschöne Weise spürt man die Liebe zwischen Vater und Sohn, die beim Interview gemeinsam lachten und sich liebevoll an der Hand nahmen.
Rückblick und Vorschau
So dürfen wir gemeinsam mit Harald Serafin zurückblicken auf seine wunderbare künstlerische Karriere. Viele von uns haben ihn im Zuge der Seefestspiele Mörbisch kennengelernt, denen er mit seinen Operetten Seele verliehen hat.
Mit Daniel Serafin dürfen wir uns an seinem jetzigen und zukünftigen Tun freuen, dürfen seinen inszenierten Opern beiwohnen und uns einlassen in dramatische, musikalische Welten von Liebe, Leidenschaft und Tragik. Das richtige Leben lässt grüßen!