Martina Stöffelbauer: Kunst im Saustall

Künstlerportrait

Die leidenschaftliche Malerin und Yoga-Lehrerin verschlug es der Liebe wegen in die 500-Seelengemeinde Loretto. Hier findet sie abseits des Trubels die nötige Ruhe und Inspiration für das Schaffen ihrer Bilder.

Martina Stöffelbauer in ihrem Garten, den sie im Sommer als Freiluftatelier benutzt

Martina Stöffelbauer in ihrem Garten, den sie im Sommer als Freiluftatelier benutzt

© Nina Mayer

Ursprünglich von einem Bauernhof in Stadt Haag in Niederösterreich stammend, ging es für Martina Stöffelbauer vorerst wegen eines Studiums in die Bundeshauptstadt Wien. Kriminalsoziologie erkor sie zu ihrem Schwerpunkt an der Universität aus und dieses Wissen wendet sie bis heute im Innenministerium an.

2004 war sie zu Besuch bei ihrer Schwester, die leider vor einigen Jahren bei einem Autounfall ums Leben kam. Kurzerhand drückte diese ihr und den anwesenden Kindern eine Leinwand und Farben in die Hand, um gestalterisch tätig zu werden. Das war der Beginn ihrer künstlerischen Leidenschaft und für dieses „Entdeckenlassen“ ist Martina ihrer Schwester bis heute dankbar, fand sie darin doch einen Weg, ihre Gefühle zu kanalisieren und nach außen zu transportieren.

War das erste Bild eine Kuh, folgten gleich darauf Frauenakte. Stöffelbauer lud Freundinnen zu sich in die Wohnung, die bereitwillig Modell standen. An viele lustige Stunden erinnert sich die Künstlerin gerne zurück. An Kursen die bildende Kunst betreffend nahm sie nie teil, es fehlte einfach die Zeit.

Martina Stöffelbauer: Kunst im Saustall

© Nina Mayer

Die Kunst des Ausruhens ist ein Teil der Kunst des Arbeitens

In einer anderen Sparte nahm sie sich diese aber. Um ihr Studium zu finanzieren kellnerierte sie in einem Lokal in Wien, das einer Inderin gehörte. Von dieser wurde sie zu einem Yoga-Nachmittag im Garten einer Freundin mitgenommen. Beeindruckt vom tiefen Entspannungsgefühl danach, absolvierte Martina Stöffelbauer zuerst die Ausbildung zum „Staatlichen Sportinstrukteur“ und danach eine zur Yogalehrerin in Indien, der Wiege dieser Entspannungstechnik.

So wollten es die Wege des Zufalls, dass die Bewohnerinnen von Loretto nun die Möglichkeit haben, ursprüngliches Yoga in von Martina geleiteten Kursen auszuüben, um Energie zu tanken und im Anschluss ihr weibliches Tratschbedürfnis bei geselligem Beisammensein zu befriedigen.

Martina Stöffelbauer: Kunst im Saustall

© Nina Mayer

„Kunst gibt es nur für und durch andere“ (Jean-Paul Sartre)

Zurück zur Malerei: Ihre erste Ausstellung fand 2012 im Innenministerium statt. 2014 war Stöffelbauer Projektverantwortliche für den Malwettbewerb „Kunst gegen Gewalt“, bei dem Schüler, Studierende und Künstler gebeten wurden, Werke zum Thema Gewalt gegen Frauen einzureichen. 2019 und 2022 stellte sie am Fleischmarkt in Wien in einem Künstlercafé zusammen mit Andreas Bandeon aus. Besonders interessant aber war eine anschließende Kooperation mit Ernst Geiger. Die beiden führte der Beruf zusammen.

Als oberster Kriminalbeamter Österreichs war er für die großen Verbrechen des Landes zuständig, zum Beispiel auch für den Fall Jack Unterweger. Von diesen Delikten inspiriert, verfasste er ein Buch. Beim 48er-Tandler in Wien offenbarte er in einer Lesung Kostproben von diesem, die Martina Stöffelbauer mit künstlerischen Werken theatralisch unterstrich.

Martina Stöffelbauer: Kunst im Saustall

© Nina Mayer

„Natur allein ist unendlich reich und bildet große Künstler“ (Goethe)

Im Burgenland, genauer gesagt in Loretto, lebt Martina Stöffelbauer seit dem Jahr 2000. Nicht nur die Liebe hat sie veranlasst hierherzuziehen. Die Eltern ihres Mannes besitzen in dem Dörfchen einen Bauernhof und schwer fiel die Entscheidung nicht, ob das Paar in Zukunft gemeinsam Wien oder Loretto ihre Heimat nennen sollte.

In zwei Räumen des ehemaligen Schweinestalls stellte sie unlängst beim Tag der offenen Ateliertür ihre Werke aus. Gut kam das bei den Besuchern an. Ländlich, romantisch, rustikal, gepaart mit einer Weinverkostung und vorgetragener Poesie. Das ist es, wonach das Herz sich sehnt. Entschleunigung, Landleben, Kultur.

Genauso gefällt Martina Stöffelbauer ihr Leben und so will sie es weiterführen. Ein bisserl Stadtluft beim Arbeiten, der Lebensmittelpunkt in Loretto, wo ihr Herz und ihre Seele auf Reisen gehen und sich entfalten können.