Ausstellung: Transformationsprozesse in der Zuckerfabrik Siegendorf
Kultur & Geschichte
In der ehemaligen Zuckerfabrik in Siegendorf wird am 3. Mai 2026 um 14 Uhr die internationale Kunstausstellung „Nach dem Zucker — Transformationsprozesse an der Grenze“ eröffnet.
Die Zuckerfabrik nach der Abriss-Serie im Oktober 2019.
© BVZ-Archiv
Die von Barbara Holub kuratierte Schau beleuchtet durch Werke von sieben Kunstschaffenden sowie historischen Filmdokumenten die wechselvolle Geschichte und die ungewisse Zukunft des industriellen Areals an der Grenze.
Kuratorin Barbara Holub betont die historische Dimension des Ortes: „Einst kam das Luxusgut Zucker aus Übersee-Plantagen, in denen Sklaven die Arbeit verrichten mussten. Erst als Napoleon diesen frühen Welthandel ab 1807 mit seiner ‚Kontinentalsperre‘ drastisch beschränkte, begann man in Europa Zucker aus Rüben zu produzieren.“
Künstlerische Perspektiven auf den Wandel
Das Spektrum der gezeigten Positionen reicht von Ilona Némeths Arbeiten über stillgelegte Fabriken in Tschechien, der Slowakei und Ungarn bis hin zu Catrin Bolts Auseinandersetzung mit der heutigen Kaffee-Plantagenarbeit in Uganda. Gabriele Sturm präsentiert eine spezifische Recherche zur Siegendorfer Fabrik, während Isa Rosenberger die Transformation der Zuckerfabrik Enns in eine Kulturstätte thematisiert. Weitere Beiträge stammen von Paul Busk, Linda Luse und dem Kollektiv transparadiso, das sich künstlerisch auf Abfallmaterialien der Zuckerproduktion bezieht.
Vom Industriebetrieb zum Denkmal
Die Zuckerproduktion in Siegendorf begann im Jahr 1853 und prägte über 130 Jahre lang die Region, bis 1988 die letzte Kampagne endete und der süßliche Geruch der Rübenverarbeitung endgültig aus der Landschaft verschwand. Heute sind die Transportbänder längst abgebaut, doch die denkmalgeschützten Gebäude auf dem Areal bleiben als stumme Zeugen der Industriegeschichte erhalten.
Zusätzlich zu den Installationen werden Filme von Johannes Haider, Kolomann Watzek und Günter Welz gezeigt, welche die Erinnerungen an die burgenländische Zuckerindustrie sowie die „Genesis einer Kunstfabrik“ dokumentieren.