„Der Mensch ist guat, nur die Leut san a Gsindl“ (Nestroy)
Laientheater
Nun ist er da, der Höhepunkt des Faschings und damit auch die von vielen mit großer Vorfreude erwarteten Vorstellungen des jährlichen Faschingstheaters der Laientheatergruppe Leithaprodersdorf.
Evi Cecil und Doris Serdar glänzten in Nestroys "Die früheren Verhältnisse".
© Nina Mayer
Von Faschingssamstag bis Faschingsdienstag konnte man drei Vorstellungen des heurigen Faschingstheaters der Theatergruppe Leithaprodersdorf erleben. Kein Platz frei in der Kulturhalle des Dorfs, so groß war der Andrang.
Es war eine abendfüllende, bunte Mischung aus einer Nestroy-Posse, Sketches und Schwänken, die das Publikum zu Lachsalven und Klatschmarathons hinreißen ließ. Besonders beeindruckte das erste Stück. Nestroys „Die früheren Verhältnisse“ stand am Programm.
Ein Zitat von Johann Nepomuk Nestroy, der wie kaum ein anderer, für Witz, Ironie und bissige Gesellschaftskritik bekannt ist, sei erwähnt: „Der Mensch ist guat, nur die Leut san a Gsindl“. In diesem Stück bewahrheitete es sich wieder mal. Jeder war sich selbst der nächste, nur auf seinen Vorteil bedacht.
Sei's die hochwohlgeborene Frau, die den Gatten ehelichte, weil er ein vermeintlicher reicher Holzhändler war, eine Tatsache, die sie sogar über seinen Hohlkopf hinwegsehen ließ. Sei's der vermeintliche Holzhändler, der eigentlich früher mal die Position eines Hausknechts bekleidete, ein Schwachpunkt, von dem niemals jemand erfahren sollte. Sei's die neue Köchin oder der Hausknechtanwärter. Jeder hatte seine Geheimnisse, jeder wollte sein, was er nicht war.
Ausgelebte Emotionen, ausgezeichnet gespielt.
© Nina Mayer
Endet Handy- und Internetsucht in einem „Dinner for One“?
Michael Graf, der Leiter der Laientheatergruppe, der mit viel Herzblut die Produktionen auf die Beine stellt und immer wieder Beeindruckendes offeriert, erlebte man natürlich wieder als Hausmeisters Mirko, eine Paraderolle, die in keiner Faschingsvorstellung fehlen darf.
Mit Augenzwinkern nahm man die allumgreifende Handy- und Internetsucht auf die Schaufel, aber auch pikante, vielleicht selbst noch nicht entdeckte, Vorlieben für Dessous für den Mann. Da durfte es statt der weißen Feinrippernen schon ein durchsichter Body sein, der belugt und schließlich erworben wurde.
Versicherungen wurden verkauft, natürlich zum Nachteil des Kunden und die Bankangestellten bekamen auch ihr Fett ab. Unterschlagungen wohin man nur blickte, am Schluss war der Bankräuber fast zu bedauern. Das Abschlussstück - eine in Englisch vorgetragene Version von „Dinner for One“.
Wieder einmal eine beachtliche künstlerische Leistung der Laientheatergruppe Leithaprodersdorf, auf den Brettern, die die Welt bedeuten!