Historisch: SPÖ überholt ÖVP in Eisenstadt
Landtagswahl-Analyse
SPÖ legt zu, ÖVP verliert deutlich, FPÖ mit starkem Anstieg; zwei erfolgreiche Heimspiele von Grün und „Hausverstand“.
Damit hätten die Wenigsten gerechnet: Die SPÖ holt 17 Prozent auf und damit Platz eins in der Landeshauptstadt.
© Land Burgenland; BVZ/Gastegger
Beginnen wir mit dem Ergebnis, das sicher alle freut: Eine Wahlbeteiligung in der Landeshauptstadt von 76,16 Prozent bedeutet eine Steigerung um 3,56 Prozentpunkte im Vergleich zu vergangenen Landtagswahl. Manche Sprengel (Ergebnisse folgen) berichten der BVZ sogar von einer Wahlbeteiligung um die 90 Prozent.
Gewinner gibt es beim Eisenstädter Resultat eigentlich mehrere: Die SPÖ konnte ihren Stimmenanteil deutlich steigern und kam auf 36,33 Prozent (3.079 Stimmen). Im Vergleich zu 2020 bedeutet dies einen Zuwachs von 2,77 Prozentpunkten bzw. 453 zusätzlichen Stimmen. Das ist mehr als ein Achtungserfolg, das ist Platz eins in der Stadt. Wann das das letzte Mal der Fall war, ist schwer zu recherchieren, das Archiv der Landesamtes reicht online nur bis ins Jahr 1991 zurück, bis dahin war das Rennen um den symbolischen Platz eins nicht einmal knapp.
SPÖ: „Bestätigung für den burgenländischen Weg“
„Dieses historische Wahlergebnis ist ein überwältigender Erfolg für die SPÖ in Eisenstadt. Wir sind zutiefst dankbar für das große Vertrauen der Bevölkerung. In mehr als der Hälfte aller Wahlsprengel sind wir als klare Wahlsieger hervorgegangen und haben die ÖVP deutlich überholt. Dieses Ergebnis ist eine klare Bestätigung für den erfolgreichen burgenländischen Weg von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil – ein Weg, der die Anliegen der Menschen in den Mittelpunkt stellt“, freut sich SPÖ-Klubobmann Christoph Fertl.

© Foto zVg SPÖ
Möglich machte das eine unerwartet herbe Niederlage der Stadt-ÖVP: Mit einem Verlust von 13,84 Prozentpunkten und insgesamt 911 Stimmen weniger kam die Volkspartei nur noch auf 26,42 Prozent (2.239 Stimmen). Bei der letzten Wahl 2020 hatte die ÖVP noch 40,26 Prozent erreicht.
ÖVP: „Landestrend hat sich auch auf die Stadt ausgewirkt“
„Das Ergebnis ist für uns natürlich enttäuschend. Es ist zur Kenntnis zu nehmen. Offensichtlich hat der generelle Trend im Burgenland sich auch auf die Stadt ausgewirkt. Da hat auch mein persönliches Vorzugsstimmenergebnis – wo ich ja die meisten Vorzugsstimmen in der Stadt bekommen habe – auch nichts geändert“, analysiert Bürgermeister Thomas Steiner (ÖVP) gegenüber der BVZ.
Er erinnert aber auch die Erfolge, als er Spitzenkandidat der ÖVP bei der Landtagswahl 2020 war: „Eine Landtagswahl hat ihre eigenen Regeln und Gesetze. Wir waren bei der 2020 um 10 Prozent über dem Burgenland Ergebnis der ÖVP. Jetzt sind wir nur 4,5 Prozent darüber. Eine Landtagswahl ist hauptsächlich bestimmt von Landesthemen, sicher hat auch die Bundespolitik mitgespielt und da und dort wird es auch lokale Themen geben. Aber wir werden diese Ergebnisse sehr ernst nehmen, analysieren und auch unsere Schlüsse daraus ziehen.“

© zVg Stadtgemeinde
Zu den vielen Stimmen in seiner Partei, die sich seine Rückkehr an die Parteispitze wünschen, sagt er zuerst zurückhaltend: „Fakt ist, dass Christian Sagartz vom Landesparteivorstand gebeten worden ist mit dem Landeshauptmann Gespräche über eine mögliche Koalition zu führen. Jeder der mich kennt weiß, ich bin Bürgermeister von Eisenstadt mit großer Leidenschaft, mein Herz hängt zu 100 Prozent an Eisenstadt und genau hier ist mein Platz.“
FPÖ: „Es zahlt sich aus, hart zu arbeiten und zu rennen“
Einen regelrechten Höhenflug verzeichnete die FPÖ, die ihren Stimmenanteil mehr als verdoppeln konnte. Die Freiheitlichen erzielten 19,59 Prozent (1.660 Stimmen), was einen Zuwachs von 10,55 Prozentpunkten und 953 Stimmen im Vergleich zur letzten Wahl bedeutet.

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Bernhard Skaumal, Stadtpartei-Chef der FPÖ-Eisenstadt, zum für ihn mehr als erfolgreichen Wahlausgang: "Seit ich die Stadtgruppe vor zwei Jahren übernommen und damit mein Politengagement im Burgenland gestartet habe, zeigt sich, dass es sich auszahlt, hart zu arbeiten und aktiv zu sein. Wir haben das Team neu aufgestellt, viele Gespräche an Türen und Stammtischen geführt und ich konnte die Menschen kennenlernen. Die Tatsache, dass ich auf Platz 2 im Bezirk gelandet bin, verdanke ich dieser harten Arbeit – und wir machen weiter. Ich sehe, dass wir bei der nächsten Gemeinderatswahl 2027 gewinnen können. Ein großes Dankeschön an alle, die mich unterstützt haben. Es ist wirklich etwas Besonderes, die Früchte der harten Arbeit zu ernten."
Heimspiel: Top-Resultate für Grüne und Hausverstand
Die Grünen mussten zwar leichte Verluste von 1,61 Prozentpunkten hinnehmen, erreichten aber mit 12,20 Prozent (1.034 Stimmen) das beste Ergebnis im ganzen Burgenland. Anja Haider-Wallner, die erstmals als Spitzenkandidatin angetreten war, freut sich über den Sieg bei ihrem Heimspiel: „Ich freu mich riesig über das Ergebnis in Eisenstadt - in meinem Heim-Sprengel haben die Grünen sogar 23 Prozent der Stimmen gewonnen! Ein großes Danke für 936 Vorzugsstimmen auf der Landesliste im Wahlkreis Eisenstadt-Umgebung und 750 auf der Wahlkreis-Liste!“

© BVZ/Kaiser
Die NEOS konnten sich ebenfalls verbessern und kamen auf 3,60 Prozent (305 Stimmen), was einem Zuwachs von 1,25 Prozentpunkten und einem fast doppelt so starken Ergebnis im Vergleich zum Landesresultat entspricht.
Neu auf dem Wahlzettel war die Liste "Hausverstand" des langjährigen FPÖ-Eisenstadt-Obmanns Géza Molnár. Er konnte bei seinem Heimspiel in Eisenstadt mit 1,85 Prozent (157 Stimmen) einen Achtungserfolg erzielen.