Weinlese 2025: „Der beste Jahrgang des Jahrtausends“?
Lesebeginn
Während der (Rot-)Weinmarkt schon bessere Zeiten gesehen hat, schaut es im Weingarten aktuell äußerst erfreulich aus. Die heimische Weinwirtschaft zeigt sich begeistert von der bevorstehenden Weinlese: hohe Qualität in großer Menge - wird 2025 ein „Jahrtausendjahrgang“?
Weinbau-Präsident Andreas Liegenfeld, Wein Burgenland-Obmann Herbert Oschep und Winzer Georg Prieler gaben am Dienstag einen Ausblick auf die derzeit startende Weinlese im Burgenland.
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Bei einer Pressekonferenz in Schützen am Gebirge gaben Wein Burgenland-Obmann Herbert Oschep, Weinbaupräsident Andreas Liegenfeld und Winzer Georg Prieler einen Ausblick auf die bevorstehende Weinlese. Schauplatz war Prielers Weingarten in der Riede Steinweingarten, wo die Lese unmittelbar bevorsteht.
Herbert Oschep: Weintourismus als Schlüssel
Herbert Oschep betonte die Bedeutung des Weintourismus: Dieser sei für das Burgenland „essentiell geworden“. Neben der Stärkung des Ab-Hof-Verkaufs gehe es auch um Gastfreundschaft – viele Betriebe seien am Wochenende für Gäste geöffnet. Veranstaltungen wie das Martiniloben, das im Vorjahr rund 70.000 Besucherinnen und Besucher anlockte oder Kellerwanderungen und Ortsweinverkostungen gehören dabei zu den Frequenzbringern.
Den Absatzproblem auf den internationalen Märkten aufgrund des weltweit sinkenden Weinkonsums sieht Oschep drei burgenländische Rezepte entgegenstellen: „Hohe Qualität, vernünftige Preise und Weintourismus.“ Eine bessere Verbindung zum Wein könne man kaum aufbauen, als wenn Gäste vor Ort oder gar am Weingut wohnen, entlang der Weingärten radeln und die Winzer ihre Weine persönlich vorstellen.
Andreas Liegenfeld: „Von nichts zu viel, von nichts zu wenig“
Weinbaupräsident Andreas Liegenfeld wollte den Begriff „Jahrhundertjahrgang“ nicht mehr strapazieren: „Das wäre heuer eigentlich ein Jahrtausendjahrgang.“ Warme, sonnige Spätsommertage und kühle Nächte hätten für eine besondere Aromaausbeute gesorgt. Die Trauben seien gesund, prall und schön.
Jahrgang 2025 liegt schon jetzt voll im Trend
Der eher kühle, regenreiche Juli und die kühlen August-Nächte sorgen dafür, dass die Weine heuer wohl genau im Trend liegen werden: Nicht zu oppulent, kein zu hoher Alkoholgehalt, sondern leicht und elegant, mit Frucht, Trinkfluss und spannender Säure.

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Das Vorjahr sei - nach einem verregneten Frühsommer - doch sehr heiß und trocken gewesen, was bei einigen Lagen und Sorten zu Trockenstress geführt hat. „Das hat bei den Rebstöcken an der Substanz gezehrt“, betont Prieler: „Heuer haben sich die Rebstöcke wieder erholen und Reserven schaffen können.“
Auch die Menge dürfte heuer passen. Erwartet werden rund 650.000 Hektoliter Wein im Burgenland.
Kühle Nächte, coole Weine
Winzer Georg Prieler sprach von einem arbeitsintensiven Jahr: „Der Jahrgang lässt uns atmen.“ Trotz Herausforderungen – etwa Peronospora – sei man im Weingarten gut durchgekommen: „Es ist wie beim Rasenmähen: so oft wie heuer musste man selten mähen. Ähnlich war es auch im Weingarten, man muss heuer schon dranbleiben.“ Und Liegenfeld: „Man musste schon etwas tun im Weingarten - die Faulen werden heuer bestraft.“

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Besonders gut entwickelt hätten sich Burgundersorten oder auch der autochthone Furmint sowie Aromasorten (Sauvignon Blanc, Traminer, Muskateller), die von den kühlen Nächten profitieren. „Die Säurestruktur und die Reifeparameter sind vielversprechend. Jede Sorte und jede Region kann ihre Handschrift zeigen“, so die drei Weinexperten. Bei spätreifen Sorten wie Cabernet oder Blaufränkisch müsse die Entwicklung in den kommenden Wochen noch abgewartet werden.
Preise im Traubenhandel mittel bis schlecht
Angesprochen wurde auch die Situation der Vertragswinzer. Liegenfeld unterstrich die Bedeutung langjähriger Partnerschaften: „Man schaut aufeinander, dadurch ergeben sich auch bessere Preise.“
Bei großen Traubenhändlern liegen die aktuellen Kilopreise bei rund 70 bis 80 Cent für Weißweintrauben - „das ist noch in Ordnung“, so Liegenfeld.

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Für rote Trauben dürfen sich Winzer bei Traubenhändlern aktuell nicht mehr als 40 Cent erwarten - ein gutes Geschäft ist das für die Produzenten nicht gerade. Dem Erlös stehen nämlich ein ganzes Jahr harter Arbeit im Weingarten und hohe Kosten für Maschinen, Spritzmittel und mehr gegenüber. Nur vom Verkauf roter Trauben überlebt ein Betrieb heutzutage nicht mehr.
Neue Trends gegen volle Keller
Das Überangebot bei Rotwein stellt aktuell die ganze Weinwelt vor Herausforderungen. Alternative Verarbeitungsarten und Kampagnen wie „Cool Red“ sollen gegensteuern. Das Österreichische Weinmarketing (ÖWM) stellt dabei aktuell kühl getrunkene Rotweine in den Fokus - ein Trend, der gut anzukommen scheint und „auf unser Bestreben angestoßen wurde“, betont Liegenfeld. Neben den „Cool Reds“ darf man sich heuer wohl auch auf einige Rosés und weißgepresste Rotweine freuen, die speziell immer beliebter werden.

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Weintourismus als Saisonverlängerung
Oschep und Liegenfeld hoben die Rolle des Weintourismus hervor: Radfahren, Kultur, Kulinarik und Wein würden heute stärker zusammengedacht. „Der Wein verlängert die Saison – vom Wein Opening bis zum Martiniloben“, so Liegenfeld. Fördermöglichkeiten für Verkostungstische oder Pop-up-Veranstaltungen sollen zusätzliche Sichtbarkeit schaffen.
Als Beispiel nannte Oschep auch den myBurgenland Shop, der zeigt, wie sich Tourismus- und Weinprojekte verbinden lassen. Er ist zugleich Geschäftsführer der Weintourismus Burgenland GmbH.