Ausflugsziel mit Geschichte: „Ein Riss in der Vergangenheit“
Mörbisch
Zum 35. Jahrestag des Falls des Eisernen Vorhangs eröffnete in Mörbisch im Vorjahr der Gedenkpark „Riss in der Vergangenheit“. Ein Jahr nach der Eröffnung ist der Gedenkpark ein beliebtes Ziel für Radtouren historisch interessierter Burgenländer und Touristen.
Gedenktafeln unter dem Titel "Riss in der Vergangenheit" zeichnen den historischen Verlauf, der 1989 zum Fall des Eisernen Vorhangs führte, nach.
© BVZ/Wagentristl, Peter Wagentristl
Die Gedenkstätte an der Grenze zu Fertörakos erinnert an ein welthistorisches Kapitel, das 1989 mit dem Ende der Teilung Europas seinen Anfang nahm – und auch in Mörbisch und St. Margarethen deutliche Spuren hinterließ.
Die Ereignisse des Jahres 1989 haben die Welt verändert. Damals stand das realsozialistische System des Ostens unter enormem Druck. Wie Klaus Vietze von der Deutschen Botschaft, selbst Ost-Berliner, in seiner Rede bei der Eröffnung des Gedenkparks erklärte, habe im gesamten Ostblock große Unsicherheit geherrscht: „Niemand hat gewusst, wie es weitergeht.“
Solidarität mit Geflüchteten aus dem Osten
Der offizielle Kurs der Sowjetunion und ihrer Verbündeten zielte weiterhin auf Konfrontation mit dem Westen – doch die Realität war längst eine andere. Besonders in Ungarn öffnete sich das System langsam, und so kam es, dass bereits im Juli 1989 zahlreiche DDR-Bürger über Ungarn ins Burgenland flohen. Gendarmeriebeamte wie Stefan Biricz aus St. Margarethen berichteten von jenen Tagen, an denen Flüchtlinge über Felder und Wälder ins Burgenland gelangten.

© BVZ/Wagentristl, Peter Wagentristl
Neben Zeitzeugen wie Biricz und dem ungarischen Grenzbeamten Bella Arpad kommen beim „Riss in der Vergangenheit“ auch ehemalige Fluchthelfer und Geflüchtete zu Wort. Die Tafeln erinnern an ihr Schicksal. Viele Burgenländer opferten damals freiwillig ihren Urlaub, um Menschen bei der Flucht zu unterstützen – sei es durch Aufklärung oder durch das Zurückholen von persönlichem Besitz.
Es sind Geschichten wie von Michael Halwax aus Mörbisch, die in Erinnerung bleiben: Er verteilte 1989 Flugblättern mit Fluchthinweisen, die er vor dem Paneuropäischen Picknick verteilt habe. Die Informationen darauf hatten Signalwirkung – und trugen zum ungehinderten Massenansturm auf das Grenztor bei.
Vom Todesstreifen zum Grünen Band
Dass der Eiserne Vorhang so friedlich fiel, sei keinesfalls selbstverständlich gewesen, betonten mehrere Redner. Grenzposten wie Bella Arpad hätten auch anders handeln können. Der 19. August 1989 – Tag des Paneuropäischen Picknicks – wurde so zur symbolischen Zäsur, der die Migrationsbewegung immer stärker nach Mörbisch verlagerte.
Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs hat sich entlang der ehemaligen Grenzanlagen ein wertvoller Naturkorridor entwickelt – der „European Green Belt“. Wo einst Stacheldraht und Wachtürme dominierten, erstreckt sich heute ein Band ökologisch bedeutsamer Lebensräume vom Baltikum bis zum Balkan. Mörbisch ist als offizieller „Grünes Band“-Partner des Naturschutzbundes ein wichtiger Teil dieses europaweiten Netzwerks.
Im Rahmen des Gedenkprojekts wurde im Vorjahr auch die neue „GreenBelt“-Grenzmarke enthüllt. Sie erinnert nicht nur an die politische Teilung Europas, sondern macht auch auf die naturschutzfachliche Bedeutung der Region aufmerksam. Das Land Burgenland sieht sich dabei in besonderer Verantwortung für das UNESCO-Welterbe Neusiedler See und den angrenzenden Nationalpark – durch Flächenankäufe, Managementpläne und Bildungsinitiativen soll das Naturerbe langfristig gesichert werden.