Im FreuRaum gehen noch heuer die Lichter aus

Nach 5 Jahren

Nachdem die finanzielle Lage schon länger angespannt war und nun das AMS für 2025 keine Förderungen mehr zuschießt, muss das sozialwirtschaftliche Gastro-Projekt FreuRaum in Eisenstadt noch vor Jahresende schließen.

Schlüsselübergabe im "FreuRaum": Der stellvertretende Obmann Michael Gumpinger, Gastro-Leiter Johannes Schwarcz-Enzinger und Obmann Michael Pannos mit Leiterin und Mitgründerin Anja Haider-Wallner (v.l.).

Schlüsselübergabe im "FreuRaum": Der stellvertretende Obmann Michael Gumpinger, Gastro-Leiter Johannes Schwarcz-Enzinger und Obmann Michael Pannos mit Leiterin und Mitgründerin Anja Haider-Wallner (v.l.).

© Foto: BVZ/Kaiser

2019 erblickte der FreuRaum in der Fanny Elßler Gasse das Licht der Welt. Das Gasthaus wird genossenschaftlich und nach sozialwirtschaftlichen Grundsätzen geführt: Langzeitarbeitslosen soll hier der Wiedereinstieg ins Berufsleben ermöglicht werden und Menschen, die es am Arbeitsmarkt besonders schwer haben – Alleinerzieherinnen, Arbeitslose über 50 oder Migrationsgeschichte – bekamen in der Vergangenheit im FreuRaum eine Chance. Gekocht wurde dabei (bis zum Obleute-Wechsel im Vorjahr) ausschließlich vegetarisch oder gar vegan.

Betrieb läuft noch mindestens bis Ende November

Ein soziales Vorzeigeunternehmen also, das von Anfang viele Unterstützer fand. Nicht nur von öffentlicher Seite, auch im Kulturbetrieb. Starthilfe gab es von AMS bis Josef Hader.

Letzterer hielt dem FreuRaum die Treue und spielte noch im Vorjahr gegen die angespannte finanzielle Lage des Betriebs an. Vom AMS wurden die hier gebotenen „Transitjobs“ gefördert, was den Betrieb überhaupt erst möglich machte. Für diese ist ab 2025 allerdings Schluss und damit auch für den FreuRaum als Restaurant, Idee und Genossenschaft.

Im FreuRaum gehen noch heuer die Lichter aus

© Nina Mayer, Nina Mayer

Wann genau die Lichter ausgehen, hängt davon ab, ob man einen Nachmieter für die Immobilie findet, der hier weiter kochen will. „Ende November, Anfang Dezember ist Schluss“, erklärt FreuRaum-Obmann Michael Pannos. Er stellt auch klar: „Die Genossenschaft wird ausgelöst, wir werden auch kein neues Projekt starten.“

Für die Entscheidung des AMS, den Fördervertrag für Transitarbeitsplätze mit dem FreuRaum nicht mehr zu verlängern, zeigt Pannos Verständnis: „Wenn mit dem Geld andernorts mehr Menschen der Weg zurück ins Arbeitsleben ermöglicht werden kann, macht das durchaus Sinn.“

Gastro als hartes Pflaster, besonders in Eisenstadt

„Wir haben unseren kalkulierten Umsatz nicht erreicht und damit unseren Teil des Vertrags nicht erfüllt“, so der Obmann reflektiert.

Dass man den eigenen Ansprüchen nicht gerecht wurde habe zwei Gründe, die sich gegenseitig verstärken. Die Gastronomie sei wirtschaftlich ein hartes Pflaster – und die Pflastersteine in der Eisenstädter Innenstadt seien besonders hart. „Das ist nicht nur für den FreuRaum so und liegt auch nicht daran, dass wir ein sozioökonomisches Unternehmen sind. Man muss sich nur bei den anderen Betrieben umhören. Wenn in der FuZo am Abend zehn Menschen unterwegs sind, können davon keine fünf Betriebe leben.“ Wenn man noch dazu nicht mit dem Auto zufahren könne, erschwere das die Lage zusätzlich.

Im FreuRaum gehen noch heuer die Lichter aus

© Foto zVg FreuRaum

Pannos' Fazit zusammengefasst: Zu wenig Menschen, zu wenig Parkplätze, zu wenig Umsatz. Über zu wenig Unterstützung von öffentlicher Seite könne er nicht klagen. „Natürlich kann es immer ein bisschen mehr sein. Aber auch wenn wir von Stadt oder Land mehr Unterstützung bekommen hätten, das Problem wäre gleich geblieben.“

Verständlicherweise trauert auch Pannos' Vorgängerin Anja Haider-Wallner, mittlerweile Grüne Landessprecherin, dem FreuRaum nach. „Viele Menschen sprechen mich noch an, obwohl ich schon seit November 2023 in keiner aktiven Funktion mehr bin. Meinen Nachfolger unterstütze ich auf Anfrage jederzeit um eine möglichst gute Abwicklung zu gewährleisten“, so die Mitgründerin: „Im Nachhinein denke ich mir, dass zu ambitionierte Ideen auf schwierige Zeiten getroffen sind. Ich gehe jedenfalls nach wie vor gerne in den FreuRaum essen.“